Ortsgeschichte Illertissen: Wie das Kolleg entstand

Illertissen/Dietenheim / Manuela Rapp 28.05.2018
Vor 95 Jahren wurde der Grundstein für das Illertisser Kolleg der Schulbrüder gelegt. Schon 1919 kamen die Ordensleute an die Iller.

Was haben zwei Dietenheimer Unternehmerpaare mit dem Kolleg der Schulbrüder zu tun? Hugo Enz und Anton Schupp sind gemeinsam mit ihren Ehefrauen in der „Bildchronik, Kolleg der Schulbrüder Illertissen 1919-1981“ zu sehen. Schulleiter Manfred Schöpplein zeigt auf die Porträtfotos. „Die beiden Familien haben den Anstoß zur Gründung einer privaten Realschule gegeben“, sagt er. Nach der Gründung eines Realschulvereins im Jahr 1912 wurde nach Ostern 1913 der Unterricht aufgenommen – damals noch in Dietenheim.

Das Problem zu dieser Zeit: „Viele Eltern, die ihren Söhnen eine Mittelschulbildung angedeihen lassen wollten, mussten davon abstehen, da eine Unterbringung auswärts zu kostspielig, die Fahrt zur Schule nach Ulm oder Memmingen zu umständlich war, auch sonst allerlei Schattenseiten, nicht zuletzt in moralischer Hinsicht, aufwies“, so der Originalton in einem zeitgenössischen Dokument. Anfangs seien es, „entsprechend den örtlichen Verhältnissen“, wie es heißt, in Dietenheim nur wenige Schüler gewesen – und zwar zehn, um genau zu sein.

Dann kam der Krieg. Vier Jahre sollte er dauern und mit der Niederlage des Deutschen Reiches enden. In Dietenheim schauten sich die Gründer, weil das Personal häufig wechselte, ständig nach Lehrkräften um. Der örtliche Pfarrer Hagel, dessen Bruder Schulbruder in Österreich war, und der Fabrikant Anton Schupp wandten sich daher an den Provinzial der aus dem Lothringischen vertriebenen Schulbrüder, um diese an die Iller zu holen. Manfred Schöpplein erzählt von den ersten Patres: „Zwei übernahmen den Unterricht, einer war für den Haushalt zuständig.“ Zuerst kamen Bruder Ildefons, der Koch, sowie Bruder Hermann und Bruder Gottfried Hart, die beiden Lehrer, in einem Gasthof unter. Allerdings lediglich für drei Wochen, dann bezogen sie eine Wohnung.

Im Oktober 1919 mussten in einem Raum 19 Schüler in vier Jahrgangsstufen unterrichtet werden. Eine sechste Klasse wurde bereits 1921 angefügt. Die ständig wachsende Schülerzahl – an Ostern 1920 traten die ersten Schüler aus Illertissen ein – brachte Bruder Gottfried auf die Idee, eine neue Schule mit Internat zu bauen.

Die Schulbrüder, erinnert Schöpplein, prägten viele Generationen bis zu ihrem Ausscheiden zum Ende des Schuljahres 2004/2005. „Bruder Norbert Fleig, der einzige aktive Schulbruder und Schulleiter, ging damals in den Ruhestand.“ Mit der Übersiedelung der letzten Schulbrüder nach Österreich ging eine Ära zu Ende, denn Illertissen war ihr letzter Standort in Deutschland gewesen. „Bereits 1986 war ja schon das Internat geschlossen worden“, ergänzt der Direktor. 1990 wurde das Kolleg an das Schulwerk der Diözese Augsburg übertragen.

Umzug ins Bayerische

Doch zurück zu den Anfängen. In einer Broschüre mit dem Titel „Die Schulbrüder des Hl. Johannes von La Salle in Illertissen“, die anlässlich der Verabschiedung der Ordensmitglieder aufgelegt wurde, schrieb der damalige Dietenheimer Bürgermeister Sigisbert Straub: „Die Pläne für den Bau eines Pensionats in Dietenheim waren schon geschmiedet, doch eine Vielzahl von widrigen finanziellen Umständen veranlassten dann den Dietenheimer Realschulverein 1923 vom Bruckhofbauer zwei Hektar Land zu kaufen.“

In Dornweiler, das seinerzeit zur Gemarkung Au gehörte, war am 15. August 1923 Grundsteinlegung des „Schulbrüder-Pensionats Herz-Jesu-Heim“, einer Mittelschule mit Internat. Noch heute ist der Grundstein mit der Aufschrift „Pro deo, juventute et patria – 1923“ (zu deutsch „Für Gott, Jugend und Vaterland“) in der Mauer des Altbaus zu sehen. In diesen Zeiten der Inflation trugen viele Familien beiderseits der Iller zu dessen Finanzierung bei.

Mit 79 Schülern zogen die Schulbrüder schließlich am 2. Februar 1925 ins Bayerische um. An Ostern begann der Schulbetrieb. Die engen Beziehungen zu den württembergischen Kommunen, das betont Manfred Schöpplein, bestünden aber bis heute.

Schutzpatron der Lehrer

Gründer Der französische Priester, Pädagoge und Ordensgründer Johannes Baptist von La Salle wurde am 30. April 1651 in Reims geboren und starb 1719 in Rouen. 1679 eröffnete er eine kostenlose Schule für Arme. 1684 gründete er die Kongregation der Brüder der christlichen Schulen (Schulbrüder). In der Folge schuf er weitere Schulen. Am 24. Mai 1900 wurde Johannes Baptist von La Salle heilig gesprochen. Sein Gedenktag ist der 7. April (sein Todestag). Er ist Schutzpatron der Lehrer, wird auch als Patron der Schulbücher und des christlichen Unterrichtes verehrt.

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