Gewässer Iller soll keine Wasserautobahn sein

Als steinern bezeichnete Peter Faigle vom Regierungspräsidium Tübingen die Iller, wie sie sich im Moment darstellt. Hier ist der Fluss von der Altenstadter Illerbrücke Richtung flussaufwärts zu sehen.
Als steinern bezeichnete Peter Faigle vom Regierungspräsidium Tübingen die Iller, wie sie sich im Moment darstellt. Hier ist der Fluss von der Altenstadter Illerbrücke Richtung flussaufwärts zu sehen. © Foto: Manuela Rapp
Von Manuela Rapp 28.07.2018

Die „Agile Iller“ mobilisiert: Baden-Württemberg und Bayern wollen allein in den kommenden zehn Jahren rund 70 Millionen Euro ausgeben, um den Fluss zwischen Aitrach und Wiblingen ökologisch aufzuwerten. 50 der insgesamt 59 Maßnahmen übernehmen die beiden Länder. Verantwortlich sind auf bayerischer Seite die Wasserwirtschaftsämter Donauwörth und Kempten, für Baden-Württemberg ist es das Regierungspräsidium Tübingen, Landesbetrieb Gewässer.

„Die Iller heute ist eine Wasserautobahn“, beschrieb Peter Faigle vom Tübinger Regierungspräsidium den steinernen, monotonen Verlauf des Gewässers in seiner Präsentation vor dem Balzheimer Gemeinderat. Gewünscht sei aber eine „Flusslandschaft mit breiten Flächen, die nicht bebaut sind, Auwald und Kiesbänke.“ Um dem gerecht zu werden, fiel der Startschuss für das Projekt „Agile Iller“ in Tannheim im November 2017 mit einem Staatsvertrag zwischen den beiden Bundesländern, rekapitulierte er.

Defizite sehen die Behörden viele: unter anderem die Strukturarmut der Gewässersohle oder ein größeres Sohlgefälle sowie eine schnellere Fließgeschwindigkeit der Iller aufgrund ihrer Laufverkürzung. Weiter zählte Peter Faigle auch die Entkoppelung von Aue und Fluss wegen der Eintiefung des Flusses auf, aber auch die Behinderung der Durchlässigkeit für Fische und Mikroorganismen durch die Querbauwerke, die auch den Geschiebetransport behinderten. „Wenn sich die Fische wohl fühlen und alles andere, dann ist die Gewässerstruktur stimmig und das Ziel erreicht“, betonte der Mitarbeiter des Regierungspräsidiums.

Um dies in die Tat umzusetzen, ist einiges geplant. In einem ingenieurbiologischen Gutachten werde Faigles Worten zufolge derzeit ermittelt, welche Mindestwassermenge für das Erreichen der Wasserrahmenrichtlinie nötig sei. Denn: Sie soll in der Iller erhöht werden. Zu den weiteren Maßnahmen gehört das Schaffen von Uferabbrüchen, um die Gewässerstruktur und den Geschiebetransport zu verbessern. „Hinzu kommt die Anbindung der bestehenden Seitengewässer und die Etablierung neuer Seitenarme. Das sind erweiterte Fließgewässer-Lebensräume“,  erklärte Peter Faigle. Ebenfalls auf der Agenda: die Herstellung der Durchgängigkeit für Fische und sonstige Flussbewohner sowie die Entwicklung und Förderung der Auenlandschaft.

„Dazu werden 25 Querbauwerke durchgängig gemacht“, zählte der Redner auf. Außerdem entstünden acht neue Seitenarme der Iller mit zehn Kilometern Gesamtlänge. Die Erhöhung des Mindestwassers in den Ausleitungsstrecken möchten die Planer ebenso angehen. Im Moment befinden sich nach seinen Worten 20 Projekte mit Kosten in Höhe von 33 Millionen Euro in der Planung.

Im Balzheimer Bereich wird sich einiges tun. „Im Zusammenhang mit dem Umbau der Schwelle in Altenstadt will das Wasserwirtschaftsamt Donauwörth die Schwelle absenken, um mehr Fließgeschwindigkeit zu bekommen“, erklärte Faigle. Dies werde Auswirkungen auf den Grundwasserspiegel haben. Deshalb müssten Messstellen eingerichtet werden, um Veränderungen nachzuweisen. „Die Sinninger werden vermutlich davon profitieren, da der Wasserstand etwas abfallen wird.“ Für Balzheim verändere sich dadurch nichts. Gebaut werde eine Sohlgleite.

Durchgängigkeit herstellen

Unterhalb der Altenstadter Schwelle, zwischen den Flusskilometern 27,1 und 25,2 will das Regierungspräsidium Tübingen die Durchgängigkeit herstellen. Der Seitenarm hingegen werde noch zurückgestellt: „Hier muss das ingenieurbiologische Gutachten abgewartet werden“, meinte der Experte. In zwei Jahren frühestens stünde das Ergebnis fest. Und noch eines stellte Peter Faigle für alle drei Querbauwerke fest: „Durch diese Planungen wird eine Wasserkraftnutzung kaum mehr möglich sein.“

70 Millionen Euro für 57 Kilometer

Vertrag Der baden-württembergische Umweltminister Franz Untersteller und seine damalige bayerische Amtskollegin Ulrike Scharf unterzeichneten am 4. November 2017 das Projekt „Agile Iller”. Vereinbart wurde, in den nächsten zehn Jahren für die Renaturierung der Iller 70 Millionen Euro auf einer Strecke von rund 57 Kilometer zwischen Aitrach bis Wiblingen zur Verfügung zu stellen.

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