Merklingen ICE-Neubaustrecke: Halber Widderstall-Tunnel fertig

Politiker am Widderstall-Tunnel (von links): Geislinger SPD-Stadtrat Peter Zajontz, Bahn-Ingenieur Stefan Kielbassa, Geislinger Landtagsabgeordnete Sascha Binder, Ulmer OB-Kandidat Martin Rivoir mit Lebensgefährtin Elvi Mack.
Politiker am Widderstall-Tunnel (von links): Geislinger SPD-Stadtrat Peter Zajontz, Bahn-Ingenieur Stefan Kielbassa, Geislinger Landtagsabgeordnete Sascha Binder, Ulmer OB-Kandidat Martin Rivoir mit Lebensgefährtin Elvi Mack. © Foto: Ralf Heisele
Merklingen / NIKO DIRNER 04.09.2015
Es gibt bisher keine Zeitverzögerungen, und das Budget wird eingehalten. Das hat der zuständige Projektleiter der ICE-Neubaustrecke auf der Alb jetzt dem Ulmer SPD-Politiker Martin Rivoir berichtet.

Plötzlich ist Wasserrauschen zu hören. Hier unten, in der 20 Meter tiefen Baugrube für den Widderstall-Tunnel bei Merklingen, ein beunruhigendes Geräusch. Stefan Kielbassa, Projektleiter für die ICE-Neubaustrecke auf der Albhochfläche, beruhigt: Mit dem Wasser werden die eben betonierten Tunnel-Teile feucht gehalten. Die Arbeit gehe gut voran, signalisierte Kielbassa seinen Gästen, darunter der Ulmer OB-Kandidat und SPD-Landtagsabgeordnete Martin Rivoir sowie dessen Geislinger Kollege Sascha Binder. Rivoirs Fazit nach der Rundfahrt: Trotz der Proteste im Vorfeld zeige sich jetzt, dass in Deutschland „alles“ machbar sei.

Kielbassa berichtete, dass der Streckenbau zeitlich und von den Kosten her im Plan liege. Beim ersten sieben Kilometer langen Bauabschnitt zwischen Dornstadt und Temmenhausen sei der Großteil geschafft. Der dritte Abschnitt sei vor einigen Monaten angegangen worden. Und im zweiten Bauabschnitt – zwischen Temmenhausen und Merklingen – ist der 962 Meter lange Tunnel Widderstall mit Gesamtkosten von 48 Millionen Euro als größtes Einzelbauwerk zur Hälfte fertig. Der Tunnel entsteht in „offener Bauweise“, er wird also nicht unter Tage gegraben, sondern in eine Grube hineinbetoniert. Wo die Hülle ausgehärtet ist, wird sie mit einem Geovlies verkleidet und bereits zugedeckt. „Das ist ein Staatsakt“, erzählte Kielbassa. Es sei nicht damit getan, das ausgehobene und kleingeschredderte Kalkgestein einfach draufzukippen. Vielmehr müsse alle 30 Zentimeter sorgfältig verdichtet werden. Schließlich soll darauf einst der Autobahn-Parkplatz Widderstall entstehen.

Überhaupt die Autobahn: Dass die Bahn den Bau der ICE-Strecke mit dem parallel laufenden Ausbau der A 8 abstimmen müsse, verkompliziere den Ablauf. Die zweite Herausforderung sei der verkarstete Untergrund, der kein Wasser hält. „Wir aber brauchen einen festen Fahrweg, auf dem die Schienen befestigt werden können. Nachstopfen geht später nicht.“ Werden größere Hohlräume entdeckt, würden aufwendige Sanierungen durchgeführt. „Einfach Beton reinkleckern lassen, verbietet sich.“ Bisher habe die Bahn das Budget für Karstsanierungen längst nicht ausgeschöpft. Andererseits seien 30 Prozent der Strecke noch nicht genau bekannt.