Schimmlige Wurst, Eiweiß-Rückstände an Maschinen, Schimmel und Dreck in den Kühlräumen, Rattenkot und seit langem nicht gespülte und schimmlige Gewürzbehälter: Diese unhygienischen Zustände fanden Lebensmittelkontrolleure des Landratsamts vor rund einem Jahr in einer Metzgerei im Alb-Donau-Kreis. Nun musste sich ein 50-jähriger Fleischermeister für das Inverkehrbringen von für den Menschen ungeeigneten Lebensmitteln vor dem Ulmer Amtsgericht verantworten.

Gegen einen vorausgegangenen Strafbefehl hatte er Einspruch eingelegt – die darin angesetzte Strafe von 150 Tagessätzen zu je 50 Euro sei „unangemessen hoch“, wie sein Verteidiger in der Verhandlung am Mittwoch sagte.

Erste Kontrolle musste abgebrochen werden

Im April vergangenen Jahres hatten Kontrolleure des Landratsamts im Verkaufsraum sowie in der Küche an Maschinen, Behältern und Werkzeugen Schmutz und Schimmel dokumentiert – bis in den Produktionsraum kamen die Kontrolleure aber nicht. „Wir mussten abbrechen, weil er sehr unkooperativ war an diesem Tag“, beschrieb eine Amtstierärztin aus dem Landratsamt als Zeugin vor Gericht das Verhalten des 50-Jährigen. Er habe herumgeschrien und sei ausfallend geworden, habe aber seinen Laden vorübergehend freiwillig geschlossen.

Bei einer weiteren und kompletten Kontrolle drei Wochen später – dieses Mal angekündigt – war der Zustand in der Metzgerei jedoch nicht besser, sondern „eher im Gegenteil“, wie die Zeugin aussagte. Die Schimmelansammlungen seien ausgeprägter gewesen, an einer Stelle fand sich Rattenkot, im Kühlraum und in der Verkaufstheke schimmlige Wurst, in der Eismaschine schleimige Flüssigkeit. „So etwas habe ich noch nie gesehen“, sagte die Zeugin. Der Schimmel habe sich überall durchgezogen. Die Metzgerei wurde geschlossen.

Die Gründe für die Ekel-Zustände

Der Fleischermeister räumte über seinen Verteidiger die Vorwürfe umfänglich ein. „Die Zustände damals waren unglaublich“, sagte der Verteidiger. Er wolle nichts schönreden, doch habe es Gründe gegeben, wie es so weit kommen konnte. Sein Mandant sei „mit der Gesamtsituation total überfordert“ gewesen. Im Sommer 2017 sei seine Partnerin und ehemalige Inhaberin der Metzgerei plötzlich verschwunden und habe ihre zwei Kinder bei dem 50-Jährigen zurückgelassen. Die Metzgerei ging in die Insolvenz. Sein Mandant habe nicht gewusst wie es für ihn, den Betrieb und das Personal weitergehe. Aus dieser Überforderung erkläre sich auch, warum der 50-Jährige nach der ersten Kontrolle die Mängel nicht beseitigt habe. „Es war für ihn unmöglich, was zu tun.“

Sein Mandant habe sich inzwischen aber „an den eigenen Haaren aus dem Sumpf“ gezogen: Er habe einen Kredit aufgenommen, das Grundstück gekauft, den Verkaufsraum sanieren sowie die Produktionsräume gründlich reinigen lassen und die Metzgerei wieder neu eröffnet. „Die Missstände sind im Großen und Ganzen abgestellt und er hat wieder ein EU-Zulassung bekommen“, sagte der Verteidiger.

Amtstierärztin bestätigt EU-Zulassung

Die befristete EU-Zulassung wurde von der Amtstierärztin im Zeugenstand bestätigt. Jedoch wies sie darauf hin, dass bei einer kürzlichen Kontrolle etwa die Auszeichnung von Ware oder die Allergenkennzeichnung gefehlt habe und dies erst nach mehrmaligem Nachfragen behoben worden sei. Sie kenne den Betrieb seit zehn Jahren, dort gebe es „immer ein Auf und Ab“. Ob und wie sich eine Verurteilung auf die künftige EU-Zulassung auswirkt, konnte sie nicht sagen. So einen Fall habe man bisher nicht gehabt.

„Untragbare Zustände“

Staatsanwältin Kerstin Wackenhut rechnete dem Angeklagten in ihrem Plädoyer sein Geständnis und die damaligen persönlichen Umstände an. Dennoch seien die Vorwürfe immens. Sie warf die Frage auf, ob ein Verbraucher in der Metzgerei guten Gewissens eingekauft hätte, hätte er von den Mängeln gewusst. Die Frage beantwortete Wackenhut selbst: „Nein, wegen unglaublichen Ekels.“ Sie forderte eine Strafe von 130 Tagessätzen zu je 30 Euro.

Die Verteidigung plädierte auf eine Strafe von 90 Tagessätzen zu je 20 Euro. Richterin Lea Baiker folgte schließlich der Forderung der Staatsanwaltschaft.  „Die Zustände waren untragbar.“ Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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