Erbach Hunde und Katzen als Fleischlieferanten

Erbach / AXEL HABERMEHL 15.02.2012
Der Hobby-Meteorologe Guido Wekemann referierte in Erbach zum Klimawandel und dessen Folgen für unsere Region. Sein Fazit: Gelassenheit ist angesagt. Denn die Natur passe sich immer an das Klima an.

Kaum etwas hat die Geschichte der Menschheit so unmittelbar und zugleich nachhaltig beeinflusst, wie das Klima. Und auch wenn man es bei einem Spaziergang derzeit nicht gleich spürt: Die Erde erwärmt sich zunehmend. Die Durchschnittstemperaturen der vergangenen Jahrzehnte waren allesamt höher als die der vorhergehenden. Welchen Einfluss das Kohlendioxid (CO2) dabei hat, darüber streiten die Wissenschaftler.

Der Hobby-Meteorologe Guido Wekemann, Betreiber der privaten Wetterwarte Ostalb in Neresheim, war vergangene Woche auf Einladung der Volkshochschule und des BUND in Erbach. Er legte sich fest: "CO2 ist kein Schadgas und auch kein Klimakiller." Überhaupt rief Wekemann in seinem Vortrag "Wie trifft der Klimawandel die Region" in der Mensa des Schulzentrums Erbach zur Gelassenheit beim Thema Klimawandel auf: "Klimawandel ist immer da", sagte er. "Das Klima ändert sich schon, seit es die Erde gibt."

Wie sich diese Schwankungen auf die Geschichte der Menschheit, besonders auf die der Bewohner unserer Region ausgewirkt haben, stand im Zentrum von Wekemanns Vortrag. Anhand etlicher Statistiken und Grafiken stellte er dar, dass es in den vergangenen 10 000 Jahren immer wieder mal kältere und mal wärmere Epochen gab - und die Menschen passten sich eben an die herrschenden Verhältnisse an.

Das sogenannte "Römische Optimum", eine etwa 500 Jahre dauernde, vergleichsweise warme Epoche vor rund 2000 Jahren, ermöglichte die Ausdehnung des römischen Reiches. "Damals gab es Maultierpfade über die Alpen", erklärte Wekemann. Auch der Karthager Hannibal hätte in kälteren Zeiten wohl weder seine Elefanten noch den Rest seiner Armee über die Alpen geführt. In der Frühen Neuzeit sorgte eine "Kleine Eiszeit" (1500 bis 1750) für Missernten, Hungersnöte und Konflikte. "Die Not hatte klimatische Ursachen", sagte Wekemann.

Ein regionales Beispiel für Folgen dieser Kälteperiode waren die "Schwabenkinder". Weil in den Alpen die Gletscher in die Täler drückten, schickten viele Bergbauern ihre Kinder nach Norden. In Ravensburg gab es damals "Kindermärkte", auf denen die jungen Klimaflüchtlinge als Erntehelfer an oberschwäbische Landwirte vermittelt wurden.

Abkühlend auf das Weltklima wirken sich oft Vulkanausbrüche aus. 1815 brach der indonesische Vulkan Tambora aus. Die Asche verteilte sich in der Atmosphäre und bewirkte in Nordamerika und Europa einen Kälteeinbruch. 1816 gilt bis heute als "Jahr ohne Sommer". Es kam zu Missernten, viele Nutztiere starben. "Da wurden in Stuttgart Hungerbrote aus ausgepresstem Leinsamen gebacken. Nicht besonders wohlschmeckend", sagte Wekemann. "Und als Fleischlieferanten wurden damals Hunde und Katzen geschlachtet."

Wie sich die Erwärmung unserer Zeit nun auf die Region auswirken wird, weiß auch Wekemann nicht. "Ich weigere mich, zu prognostizieren." Aber er beobachte durchaus einen Wandel in den vergangenen 40 Jahren. "Es ist deutlich wärmer geworden", sagt er. "Auf der Ostalb regnet es mehr. Im Winter nehmen die Niederschläge zu, im Sommer regnet es weniger." Wekemanns Theorie: "Unsere Region wäre wohl ein Gewinner einer dezenten Erwärmung. Da wächst alles besser." Und anderswo? "Eine Klimakatastrophe wird es nicht geben. Aber es kann katastrophale Zustände geben, wenn Menschen um Lebensgrundlagen und vor allem ums Wasser streiten."

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