Dietenheim Hüttenbrand: Ursache wohl Defekt an Solaranlage

Dietenheim / BEATE REUTER-MANZ 20.10.2015
Eine defekte Solaranlage könnte die Ursache für den Brand gewesen sein, bei dem am Sonntag in einer Gartenlaube auch Schwarzpulver und Böller in die Luft gingen. Die Munition war richtig gelagert.

Für die polizeilichen Akten ist es ein Schaden von rund 15.000 Euro. Für den Dietenheimer Kleingärtner der Verlust seines "Lebenswerks". In der Hütte am Waldrand im Westen hatte Walter Henle die Schätze einer 30 Jahre andauernden Sammelleidenschaft aufbewahrt: 87 Geweihe, alte Krüge, zahlreiche, fast schon antiquarische Gerätschaften aus geschmiedetem Eisen, Pferde- und Kuhgeschirre, historisches Handwerkszeug. Jetzt ist alles verkohlt oder geschmolzen, die meisten Gegenstände liegen in Schutt und Asche.

Am Tag eins nach dem großen Brand vom Sonntag sind von der Holzhütte nur noch einzelne Trägerbalken übrig, Reste der Rückwand und ein bisschen Blechdach. Aus den Aschebergen blitzt ein altes Bügeleisen, der Rest eines Rasenmähers ist zu erkennen, ein alter Blecheimer, eine Schaufel und eine Gartenharke. Was ebenfalls noch in seiner Verankerung steht, inmitten der rußgeschwärzten Holzbalken, ist ein einfacher Schrank aus Blech. Nur die Tür hat es nach vorne aufgesprengt. In diesem Schrank hatte Henle exakt ein Kilogramm Schwarzpulver deponiert, abgefüllt in eine Plastikflasche, sowie acht Luftböller. "Das hat alles Hand und Fuß", sagt der Mann, der sich seit 25 Jahren als Böllerschütze bei der Historischen Bürgerwehr engagiert, und wie die anderen neun Schützen seine Munition privat aufbewahrt. Es handle sich nicht um ein offizielles Lager der Bürgerwehr sagt er "Da draußen hätte ich sogar bis zu drei Kilo deponieren können", erzählt der 77-Jährige. An hohen kirchlichen Feiertagen, an Fronleichnam zum Beispiel, oder beim Großen Zapfenstreich kommen die Böllerschützen und die Kanone zum Einsatz. Der Senior zieht die Broschüre "Sicherheitsregeln für Böllerschützen" aus seiner Jackentasche. Das Pulver muss gegen Diebstahl, unbefugten Zugriff und vor Brand ausreichend geschützt sein, steht da. Und, dass bis zu ein Kilogramm in einem geeigneten und unbewohnten Wohnraum erlaubt sind. Er habe alles ordnungsgemäß angemeldet und einen entsprechenden Lehrgang gemacht, erzählt Henle, der sich in drei Jahrzehnten seinen Schrebergarten mit viel Hingabe hergerichtet hat. "Das war mein Domizil", sagt er. Jede freie Minute habe er hier verbracht. "Kriegen wir alles wieder hin. Wir bauen die Hütte gemeinsam wieder auf", tröstet der Nachbar.

Ein Vertreter der Kriminalpolizei kam noch am Sonntag an die Brandstelle, um Klarheit zur Brandursache zu bekommen. Von innen nach außen fraß sich demnach das Feuer. "Ich habe erst kürzlich einen Siebenschläfer in der Hütte gehabt", erinnert sich Henle. Vielleicht hat der ein Kabel durchgebissen? Vielleicht war es auch eine Maus. Ein technischer Defekt an der Solaranlage sei nicht auszuschließen, teilt das Polizeipräsidium in Ulm mit. Ganz genau weiß man es noch nicht.

Für die Dietenheimer Feuerwehr war der Einsatz anfangs ein Routinefall. Als B-1, also ganz unten in der Kategorie beim Schweregrad, war der Brand um exakt 6.13 Uhr gemeldet worden. Mit zwei Löschgruppen sind solche Einsätze problemlos in den Griff zu bekommen. Während die eine Gruppe mit dem Logistikwagen eine Schlauchverbindung von der 800 Meter entfernten Landstraße aufbaute, löschte die andere die mittlerweile voll in Flammen stehende Hütte. 2000 Liter Wasser standen dafür zunächst zur Verfügung.

"Bei Garagen und Hütte sind wir immer hellhörig und besonders aufmerksam", erzählt Stadtbrandmeister Stefan Pistel. Gaskocher, Campingrills und andere hoch explosive Utensilien werden dort gern gelagert. Gerade als der Tankwagen leer war und die zweite Gruppe mit dem Wasser aus dem öffentlichen Kanal zu löschen begann, machten "ganz merkwürdige Geräusche" den Feuerwehr-Chef hellhörig. "Irgendwas passt da überhaupt nicht, dachte ich mir noch", erzählt Pistel und forderte seine Kameraden zum Rückzug auf. Und dann kamen sie auch schon, die mehrfachen Knallgeräusche, die sich wie Pistolenschüsse anhörten und zuletzt eine größere Detonation, die die Hütte in sich zusammenfallen ließ. "Wir hatten Glück im Unglück." Der Brand war noch nicht gelöscht, niemand war wegen einer Nachschau in der Hütte. "Sonst hätte es anders ausgehen können", sinniert der Feuerwehr-Chef. So jedenfalls kamen die Einsatzkräfte mit dem Schrecken davon - in eineinhalb Stunden war ihr Einsatz beendet.

In Dietenheim verbreitete sich die Nachricht wie ein Lauffeuer, zumal die laute Detonation manchen ziemlich früh aus dem Bett geholt hatte. So führte der Sonntags-Spaziergang am Nachmittag ganze Völkerwanderungen zum Wald. Sie dürften enttäuscht gewesen sein. Vom Weg aus ist die Hütte nicht (mehr) zu sehen.

Ein Kilogramm Schwarzpulver in der Hütte

Die Menge an Schwarzpulver, die in einer brennenden Hütte bei Dietenheim zu Explosionen geführt hat, ist nun bekannt: Ein Kilogramm des leicht entzündlichen Stoffs sowie acht Luftböller sind am Sonntagmorgen hochgegangen. Wie gestern berichtet, war kurz nach 6 Uhr die Feuerwehr Dietenheim alarmiert worden. Mehrere Anrufer hatten ein großes Feuer am Waldrand westlich der Stadt gemeldet. Beim Eintreffen der Feuerwehrleute brannte die Hütte bereits lichterloh. "Wegen ganz merkwürdiger Geräusche" aus der Hütte brachten sich die löschenden Feuerwehrleute kurze Zeit später in Sicherheit. "Bei Garagen und Hütten ist für uns immer höchste Vorsicht geboten", sagt der Dietenheimer Stadtbrandmeister Stefan Pistel. Es sei nicht selten, dass sich dort Explosives befindet. Diesmal handelte es sich neben Dosen und Gaskartuschen um eben jenes Schwarzpulver. Der Besitzer der Kleingartenanlage ist seit 25 Jahren Böllerschütze bei der Historischen Bürgerwehr Dietenheim und hatte aus diesem Grund das Pulver dort in einem Blechschrank verwahrt. Sachgerecht, wie die Polizei anmerkt. Der Schütze hat den erforderlichen Lehrgang. Bei Kleinstmengen bedarf es keiner Lager-Genehmigung. Noch sucht die Polizei nach der Brandursache. Ein technischer Defekt an der Solaranlage sei nicht auszuschließen, heißt es. Der Schaden beträgt 15.000 Euro.

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