Flugplatzfest Flugplatzfest: Hubschrauber für jeden und ein fliegendes Hollandrad

Erbach / Von Franz Glogger 28.08.2017
Zahlreiche Besucher des LSV Erbach nutzen die günstige Gelegenheit, einmal selbst in die Luft zu gehen.

Stefan Kaiser drückt aufs Gaspedal. Sein metallicgrüner Gyrocopter rollt los und hebt nach wenigen Metern ab. Drei weitere dieser Fluggeräte folgen ihm. Wie ein Hummelschwarm düst das Quartett über das Flugfeld des Erbacher Luftsportvereins (LSV) und entschwindet kurz darauf in der Ferne. Jeder der Piloten hat einen Gast hinter sich sitzen. Den Kopf im Wind, genießen sie den Ritt durch die Lüfte. Nach etwa 20 Minuten landet die Formation wieder. „Klasse“, ruft einer der Fahrgäste noch bevor die Maschinen zum Stillstand gekommen sind und reckt die Faust nach oben.

Gyrocopter – oder Tragschrauber – bildeten eindeutig einen Schwerpunkt beim gestrigen Flugtag des LSV. Neben den Fluggeräten aus Kaisers Flugschule „Schwarzwaldcopter“ sorgte noch ein weiteres Dutzend für Gebrumm am Boden und in der Luft. Einfach in der Handhabung und der Wartung sowie kostengünstig in der Anschaffung könne sich das luftige Vergnügen „praktisch jeder leisten“, ermunterte Platzsprecher Walter Möck sich von Stefan Kaiser beraten zu lassen. Der in Laupheim stationierte Hubschrauberpilot – dort mit dem Transporthubschrauber CH 53 ganz andere Dimensionen gewohnt – hat in Erbach ständig einen Copter stehen. Zum eigenen Vergnügen und für Interessierte zum Chartern.

Beim Flugtag hob aber noch jede Menge anderes Gerät ab. Einmotorige des LSV und von befreundeten Vereinen machten sich fast im Minutentakt zu Rundflügen auf. Keine Pause war auch dem R 44 vergönnt, einem viersitzigen Hubschrauber. Paarweise gingen die Tandemspringer von „Sky-Dive“ in die Luft. Bei 4000 Metern hieß es aussteigen, bei 1500 Metern öffnete sich der Schirm – und schwebend ging es zurück. Annika Mandl war nach dem Sprung mit Gerd Eichinger hin und weg. „Es war nur toll! Ich würde es sofort wieder machen“, sagte sie zu ihren Freunden.

Für einen Passagier ist kein Platz, aber der „Swift Light E“ von Hanno Luttermann ist ein Blickfang. In dem Nur-Flügler sitzt der Pilot praktisch zwischen den Tragflächen. Angetrieben von einem Elektromotor kann der Segler selbstständig abheben. Auf Höhe gebracht, hält ihn die Thermik oben. Die Flugeigenschaften vergleicht Luttermann mit denen eines Hollandrads gegenüber einem Rennrad: „Etwas schwerfälliger.“ Viel wichtiger ist ihm die eigentliche Pointe. Motor und Kabine passen ins Auto, die Tragflächen finden auf dem Dach Platz: Flugzeug to go.

Propeller zum Ausklappen

Selbständig abheben kann auch das neueste Segelflugzeug des LSV – ein „Arcus M“. Seine Besonderheit ist ein im Rumpf versteckter Motor samt Propeller. Letzterer wird zum Start oder bei fehlender Thermik ausgeklappt. Stimmen die Bedingungen, verschwindet der Antrieb hinter einer Klappe. Mit einer Gleitzahl von 1:50 ist der „Arcus“ ein Hochleistungssegler. Das bedeutet, dass er in 1000 Metern Höhe 50 Kilometer weit fliegen kann. Dafür ist die imposante Spannweite von 20 Metern nötig.

Weniger das Gleiten als vielmehr spektakuläre Loopings und Trudelflüge hatten Markus Kohn aus Laichingen und Kai Joppich aus Landsberg im Sinn. Ersterer zeichnete die Figuren lautlos mit dem Segler „Lo 100“ in den Himmel, Joppich donnernd mit einer „Pitts Ultimate“. Beide sind sich einig, dass die so waghalsig anzuschauende Show vor allem eines erfordert: kühlen Kopf. „In der Jugend suchte man eher das Abenteuer. Heute bestimmt die Disziplin“, sagte Joppich, von Beruf Prüfer für Luftfahrzeuge.

Rundum zufrieden mit dem Flugplatzfest war LSV-Vorsitzender Eberhard Sautter. Ging vor der Veranstaltung noch ein Schauer über dem Fluggelände nieder, entwickelte sich der Tag später zu einem munteren Treiben mit vielen Besuchern: „Wir sind richtig froh, dass es der Wetterapostel diesmal sehr gut mit uns gemeint hat.“