Gerhausen / Bernhard Raidt  Uhr
Im Hohlen Fels und im Steinbruch Merkle war die Zukunft des Geoparks ein wichtiges Thema. Bleibt der begehrte Unesco-Status erhalten?

Weißgelb schimmert die mächtige Abbauwand im Steinbruch. Nur Stein? Ein zweiter Blick lohnt sich. Denn  an der der mehrere hundert Meter breiten Wand sind die ehemaligen Strukturen eines Riffs gut zu erkennen. Das Gebiet der Schwäbischen Alb war bis vor etwa 145 Millionen Jahren von einem tropischen Flachmeer bedeckt. Diese Meeresstrukturen prägen die Landschaft bis heute. Gestern haben Vertreter des Unesco-Global-Geoparks Schwäbische Alb zusammen mit Politikern eine große Tafel am ehemaligen Riff, der jetzigen Abbruchwand des Steinbruchs Merkle in Blaubeuren-Gerhausen, enthüllt. Zweisprachig erhalten die Besucher jetzt an diesem „Geopoint“ detaillierte Informationen über die spannende Geschichte der Wand. Geopark-Geschäftsführer Dr. Siegfried Roth nutzte die Gelegenheit, für eine andere Sicht auf Steinbrüche zu werben: „Das sind keine klaffenden Wunden in der Landschaft. Steinbrüche bieten eine hervorragende Gelegenheit, die Erdgeschichte kennenzulernen.“ Gerade Kindern könne vieles vor Ort erklärt werden, berichtete Geopark-Geologin Iris Bohnacker. Für Familien lohnt sich ein Ausflug, ein öffentlich zugänglicher Weg führt in den Steinbruch zum Riff und zur Info-Tafel. Im ganzen Gebiet des Geoparks, der sich über die zehn Landkreise der Schwäbischen Alb erstreckt, werden solche Geopoints geschaffen, die auf Besonderheiten der Region aufmerksam machen.

Land setzt sich ein

Doch der Geopark Schwäbische Alb selbst hat derzeit ein gefährliches Riff zu umsteuern. Klartext wurde dazu zuvor beim Besuch des Hohlen Fels in Schelklingen, der ebenfalls ein Geopoint ist, gesprochen. Denn die Unesco hat dem Geopark die „Gelbe Karte“ gezeigt. Es droht der Entzug des Unesco-Siegels – das würde eine erhebliche Blamage für das Land bedeuten. Zu wenig sichtbar, zu wenig im Bildungsbereich aktiv und zu schwach ausgestattet sei der Geopark, so der Vorwurf der Unesco. Markus Möller, der stellvertretende Landrat des Alb-Donau-Kreises, ist Vorsitzender des Geoparks. Er zeigte sich zuversichtlich, dass die Prüfung im nächsten Jahr bestanden wird und das Unesco-Siegel erhalten bleibt. „Wir machen sehr viel“, sagte Möller. So werden derzeit Mitarbeiter eingestellt, die sich intensiver um die Öffentlichkeitsarbeit des Geoparks kümmern und im Bildungsbereich Aktionen starten. Geopark-Geschäftsführer Roth berichtete, dass gemeinsam mit Partnern wie dem Tourismusverband die Beschilderung für die Geopark-Attraktionen verbessert wird – dabei werden vorhandene Hinweise genutzt, es soll keinen Schilderwald geben.

Die Politiker sprachen den Geopark-Verantwortlichen Mut zu. So soll der Geopark jährlich Landesmittel erhalten – und zwar noch mehr als die 240 000 Euro, die die die zehn Landkreise momentan gemeinsam aufbringen. Das sagte der Landtagsabgeordnete Dr. Patrick Rapp (CDU), der den Arbeitskreis Ländlicher Raum und Verbraucherschutz seiner Fraktion leitet. Lufthoheit habe aber die Finanzministerin. Rapp machte auch deutlich, dass die Förderung des Geoparks einige Hürden überwinden musste. So habe der Geopark keinen rechtlichen Status wie etwa ein Naturschutzgebiet.

Wiederholt angesprochen wurde, dass der Geopark zu oft im Schatten des Biosphärengebiets Schwäbische Alb stehe.

Angesiedelt werden soll der Geopark beim Ministerium für den Ländlichen Raum. Dass mit Friedlinde Gurr-Hirsch (CDU) die Staatssekretärin dieses Ministerium gestern mit vor Ort war, begrüßten sowohl die Geopark-Vertreter als auch Kommunalpolitiker wie die Bürgermeister Ulrich Ruckh und Oliver Klumpp. Einen „sanften Tourismus“ wünscht sich Gurr-Hirsch für die Schwäbische Alb, der Geopark mache die Alb attraktiver für Gäste. Manuel Hagel (CDU) ergänzte im Übrigen noch, dass die CDU-Fraktion aus der eigenen Kasse den Geopark unterstützt habe, um die Zeit bis zur Landesförderung zu überbrücken.

Starke Nerven gefragt

Merkle-Geschäftsführer Hartmut Koch-Czech vermisste Vertreter der Grünen beim Besuch im Steinbruch. Allgemein zeigte sich Koch-Czech mit der aktuellen Politik nicht einverstanden – Deindustriealisierung werde da betrieben, etwa mit der Abschaltung von Kohle-Kraftwerken. Seine Firma habe noch kräftig  investiert, um diese Kraftwerke per Bahn beliefern zu können.

Die Geopark-Verantwortlichen brauchen jetzt aber starke Nerven: Denn im kommenden Jahr reist die Unesco-Delegation an und überprüft die Verbesserungen. Anfang übernächsten Jahres zeigt sich dann, ob die Mühen ausreichend waren – die Unesco gibt bekannt, ob der Geopark Schwäbische Alb das begehrte Siegel behalten darf.

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Geopoints in zehn Landkreisen will der Geopark Schwäbische Alb als besonders schön auszeichnen. Dort soll die Erdgeschichte besonders gut erlebbar und nachvollziehbar sein.