Entwicklung Hoffen auf Lockerung

In Feldstetten gibt es insgesamt 65 alte landwirtschaftliche Gebäude.
In Feldstetten gibt es insgesamt 65 alte landwirtschaftliche Gebäude. © Foto: sgk
sgk 08.12.2018

Laichingen kann derzeit nur noch in Suppingen Wohnbauplätze zum Kauf anbieten. Gemeinderat Tobias Erz (LAB) wollte deshalb in der jüngsten Ratssitzung wissen, was die Räte Kaufwilligen sagen sollten. Bürgermeister Klaus Kaufmann bestätigte, dass die Stadt weder in Laichingen, noch in Machtolsheim und Feldstetten freie Grundstücke hat. Die Stadt sei aktuell dabei, Grundstücke zu erwerben, vor einem Zeitrahmen von zwei Jahren könne jedoch kein Bauleitverfahren starten, erklärte Bauamtsleiter Günter Hascher dazu.

Kaufmann selbst setzt momentan jedoch nicht auf die Ausweisung neuer Wohngebiete: „Wir tun gut daran, nicht nur Bauplätze vorzuhalten, sondern müssen ebenso die Infrastruktur anpassen.“ Er hofft außerdem, zumindest in den Teilorten Feldstetten und Machtolsheim, auf das neue Landesbaugesetz, wo derzeit der Bestandsschutz innerörtlicher alter landwirtschaftlicher Areale gelockert werden soll. Wie wichtig das ist, zeigte sich jüngst am Beispiel Feldstetten: Hans-Jürgen Baumann konnte in dem Laichinger Teilort das Nachbargrundstück erwerben. Seine Idee: Mit Hilfe des Förderprogramms ELR dort größere Büroräume für sein Geschäft zu schaffen, das er zu erweitern gedenkt, und gleich einige Wohnungen zu errichten. Tolle Idee, bescheinigten Ortschaftsrat und Bauausschuss und gaben grünes Licht. Selbst Städteplaner Clemens Künster, der die Rahmenbedingungen zum ELR-Programm vorbereitet hatte, sprach Ortsvorsteherin Elisabeth Enderle zufolge gar von einem „Leuchtturmprojekt“ im Zusammenhang mit der Verdichtung und Neugestaltung alter Ortskerne, wie sie das ELR-Programm vorsieht. Auch vom Ministerium Ländlicher Raum war das Vorhaben für gut befunden, es schickte die Förderzusage.

 Doch alle hatten die Rechnung ohne die die Baubehörde im Landratsamt gemacht: Von dort kam die klare Absage. Grund: umliegende alte Gehöfte mit Bestandsschutz lassen einen solchen Bau wegen des Immissionsradius nicht zu. „Wir fielen aus allen Wolken, vom Leuchtturmprojekt zu nicht genehmigungsfähig“, erinnert sich die Ortsvorsteherin. Laichingen wurde aktiv: alle leerstehenden alten landwirtschaftlichen Areale in Feldstetten wurden erfasst – es sind 65.

Verzicht auf Tierhaltung

Es schien nur einen Weg zu geben, der den Baumanns das Bauen doch noch ermöglichen könnte: Von den Besitzern aller im Radius des Immissionsschutzes stehenden Bauernhöfe mussten um eine schriftliche Erklärung gebeten werden, dass sie auf eine erneute, künftige Tierhaltung verzichten. Und tatsächlich, unter größte Anstrengung von Ortsvorsteherin und dem Laichinger Bauamt gelang dies tatsächlich. Hans-Jürgen Baumann darf nun bauen.

Doch was ist mit all den 65 anderen Gehöften, brachliegenden Gebäuden? „Wann immer ich einem der Besitzer begegnet bin,  hakte ich nach, ob wir nicht eine solche Verzichtserklärung bekommen können“, sagt Elisabeth Enderle. Teils stieß sie auf offene Ohren, aber sehr oft wurde sie abgewiesen. „Ohne eine Gegenleistung wollen viele nichts unterschreiben.“

 Sie, wie auch Bürgermeister Klaus Kaufmann, setzen ihre Hoffnung nun auf das Landesbaugesetz, das zum Thema Bestandsschutz alter Stallungen derzeit im Anhörungsverfahren ist. Der Änderungsvorschlag sieht vor, dass Stallungen, die seit mindestens sechs Jahre nicht mehr genutzt waren, aus dem Bestandsschutz entfallen. Werde allerdings glaubhaft dargelegt, dass wieder eine Tierhaltung erfolgen soll, bleibe der Schutz für weitere zehn Jahre bestehen.

Zumindest ist dann nicht mehr ein möglicher Bauherr in der Not, den baurechtlichen Weg mittels beigebrachter Verzichtserklärung frei zu räumen, sondern die Besitzer stillgelegter Bauernhöfe sind in der Erklärungspflicht, freut sich Ortsvorsteherin  Elisabeth Enderle.

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