Pflege-Reform Hoffen auf höhere Zuschüsse vom Land

Geschäftsführer Ernst Melzer auf dem Campus des Diakonischen Instituts in Dornstadt. Im Hintergrund eines der im Jahr 2016 fertiggestellten neuen Gebäude.
Geschäftsführer Ernst Melzer auf dem Campus des Diakonischen Instituts in Dornstadt. Im Hintergrund eines der im Jahr 2016 fertiggestellten neuen Gebäude. © Foto: Matthias Kessler
Dornstadt / Von Thomas Steibadler 13.02.2018
Angehende Ergotherapeuten und Physiotherapeuten könnten entlastet werden. Warten auf Reform der Pflege-Ausbildung.

Selten waren die Aussichten in Gesundheits- und Pflegeberufen so gut wie heute. Allerdings hält die Bezahlung mit der Nachfrage nach Fachkräften nicht Schritt. Hinzu kommt, dass zum Beispiel angehende Ergotherapeuten und Physiotherapeuten in der Regel ein Schulgeld bezahlen müssen. Nach der dreijährigen Ausbildung droht also ein mit Schulden belasteter Berufsstart. Nun aber besteht Aussicht auf höhere Zuschüsse vom Land.

„Wir kämpfen seit Jahr und Tag für eine bessere Bezuschussung“, sagt Ernst Melzer, Geschäftsführer des Diakonischen Instituts für Soziale Berufe (DI). Mit insgesamt 2250 Lehrgangs-Teilnehmern an 15 Standorten ist das DI einer der großen Ausbildungsträger für soziale Berufe in Baden-Württemberg. Am Sitz in Dornstadt werden knapp 400 Schüler von etwa 40 angestellten Mitarbeitern in Lehre und Verwaltung betreut. Hinzu kommen freiberufliche Dozenten.

Für jeden der 75 Teilnehmer am dreijährigen Ergotherapie-Lehrgang in Dornstadt bekomme das DI vom Land 2000 Euro Zuschuss im Jahr, erläutert Melzer. Das reiche aber bei weitem nicht, um die tatsächlichen Kosten zu decken. So müssen die Ergotherapie-Schüler ebenso wie die angehenden Physiotherapeuten pro Monat 300 Euro selbst bezahlen.

Kommission sucht Lösung

Eine Problematik, die auch die baden-württembergische Landesregierung erkannt hat. Aus diesem Grund ist das Privatschulgesetz, das unter anderem die Bezuschussung dieser Einrichtungen regelt, im Herbst 2017 geändert worden. In der Neufassung heißt es zum Beispiel, dass der Zuschuss je Schüler 80 Prozent der Kosten betrage, die an „einer entsprechenden Schule im öffentlichen Schulwesen“ entstehen. Doch was, wenn es im öffentlichen Schulwesen keine vergleichbaren Schulen gibt? Und welche Rolle spielt das sogenannte Sonderungsverbot, das verhindern soll, dass der Besuch von Privatschulen vom privaten Vermögen abhängt? Dazu heißt es im neuen Privatschulgesetz: „Es wird vermutet, dass ein monatliches Schulgeld in Höhe von durchschnittlich über 160 Euro grundsätzlich geeignet ist, eine Sonderung der Schüler nach den Besitzverhältnissen der Eltern zu fördern.“ Was bedeutet das für Ausbildungsträger wie das Diakonische Institut?

Um diese Fragen zu klären, hat das Landes-Sozialministerium von Manne Lucha (Grüne) eine Expertenkommission eingesetzt. Nach Ansicht von DI-Geschäftsführer Melzer ein gutes Zeichen, dass ernsthaft nach einer Lösung gesucht werde. Und die soll nach Auskunft eines Ministeriumssprechers in absehbarer Zeit auch gefunden werden: Die Kommission wolle Ende April ihren Bericht vorlegen.

Bereits am 1. April beginnt am DI in Dornstadt ein neuer Ausbildungsgang: Heilpädagogik. In drei Jahren führt der berufsbegleitende Lehrgang zum Abschluss „staatlich anerkannter Heilpädagoge“. Dieser bietet Ernst Melzer zufolge die Voraussetzung für Leitungsfunktionen zum Beispiel in Kindertagesstätten, in der Behinderten- und der Altenhilfe sowie für die Eröffnung einer eigenen Praxis. Peter Blaich, Leiter der Fachschule für Sozialwesen am DI, erwartet 15 bis 20 „sehr motivierte Teilnehmer, die wissen, was sie wollen“. Unterrichtet werden sie von etwa zwölf Lehrkräften, „einem speziell auf diese Zielgruppe abgestimmten Team. Geplant ist, den zweiten Kurs am 1. Oktober 2019 zu starten. Bei Bedarf, sagt Blaich, könne auch alle zwölf Monate begonnen werden.

Warten auf neues Gesetz

Alle sechs Monate beginnen in Dornstadt angehende Altenpflegerinnen und -pfleger mit der Ausbildung. Auch wenn das Berufsbild „bedauerlicherweise negativ besetzt“ sei, wie der DI-Geschäftsführer sagt, seien die dreijährigen Kurse gut besucht. Für zwingend hält Melzer eine bessere Bezahlung.

Ob die kommt ist ebenso offen wie die künftige Ausbildung. Im vergangenen Jahr ist Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe mit dem Pflegeberufegesetz gescheitert. Laut dem Entwurf sollen die Ausbildungen in der Kranken- und Kinderkrankenpflege sowie der Altenpflege zusammengelegt werden. Grundsätzlich eine gute Idee, meint Melzer, doch müsse die Ausbildung auch künftig den Besonderheiten der Altenpflege als Beziehungspflege gerecht werden. Die Spezialisierung im Anschluss an eine gemeinsame Pflege-Grundausbildung sei daher sinnvoll. Über Ausbildungsinhalte und die Finanzierung sei bisher nichts bekannt geworden, sagt Melzer. Dem DI bleibt deshalb wie allen anderen Pflege-Ausbildern einstweilen also nicht anderes übrig, als auf eine neuerliche Gesetzesvorlage zu warten – diesmal aus Berlin.

5,1 Millionen Euro investiert

Unternehmen Das Diakonische Institut für Soziale Berufe ist 1981 als Evangelische Fortbildungsstätte Dornstadt gegründet worden. Gesellschafter des Bildungsträgers mit insgesamt etwa 200 Mitarbeitern sind unter anderem die Bruderhaus Diakonie (Reutlingen), Die Zieglerschen (Wilhelmsdorf) und die Evangelische Heimstiftung (Stuttgart). An ihrem Sitz in Dornstadt hat die gemeinnützige GmbH im Jahr 2016 etwa 5,1 Millionen Euro in zwei Neubaten investiert. Geschäftsführer sind Peter King und Ernst Melzer.

Information Das Diakonische Institut wird auf der Bildungsmesse in Ulm (Messegelände) vom 22. bis 24. Februar vertreten sein und seine Ausbildungsangebote vorstellen. Am Samstag, 17. März, ist in den Räumen in Dornstadt von 10 bis 14 Uhr „Tag der offenen Schultür“.