S21 Höhlenforscher und die Bahntrasse - Bahn verlangt Vertraulichkeit

EVA MENNER 27.01.2014
Petra Boldt, Landesvorsitzende der Höhlenforscher, hält einen Vertrag mit der Bahn für eine große Chance. Andere übten beim Delegiertentreffen Kritik.
Der Vertrag zwischen dem Landesverband für Höhlen- und Karstforschung Baden-Württemberg (LHK) und der Deutschen Bahn zur Untersuchung von Hohlräumen, die beim Bau der ICE-Neubaustrecke angeschnitten werden, ist noch nicht unter Dach und Fach. Landesvorsitzende Petra Boldt (Schelklingen) hofft, dass der Vertrag, der von einem Rechtsanwalt des Vereins überprüft wurde, demnächst von der Bahn unterzeichnet eintreffen wird. Im Spätherbst 2012 habe es den ersten Entwurf gegeben. „Wir haben leider nicht gemerkt, dass es bei den Gesprächen von Seiten der Bahn immer nur um eine Teilstrecke ging, das kann man aber nicht mehr ändern“, bedauerte Boldt am Samstag bei der Delegiertenversammlung im Laichinger Höhlenhaus.

Obwohl auch die Regeln in Bezug auf die Veröffentlichungsrechte für den Verein nicht befriedigend seien, sprach sich Boldt für den Vertrag aus. Sie sieht darin eine große, einmalige Chance für den Verband. Sobald der Vertrag vorliege, werde sie ihn allen Mitgliedsvereinen zukommen lassen und nur dann im Namen des Landesverbands unterzeichnen, wenn die Mehrheit zustimmt. „Wir müssen ja oder nein sagen, über Änderungen können wir nicht nochmals verhandeln“, stellte sie klar.

Eine längere Diskussion entzündete sich an der Vertraulichkeitserklärung, die jeder unterschreiben muss, der eine der entdeckten Höhlen begutachtet. Die Bahn droht mit hohen Geldstrafen, sollten die Entdeckungen und Untersuchungsergebnisse ohne deren vorherige Freigabe an die Öffentlichkeit gelangen. „Die Formulierungen mögen zwar hart klingen, aber laut unserem Rechtsanwalt ist das der übliche Vertrag Firmen gegenüber“, beruhigte Petra Boldt.

Der bisherige Beauftragte des LHK für die Angelegenheit „Neubautrasse“, Norbert Neuser, legte bei der Versammlung seine Tätigkeit nieder. Seine Gründe: Die Vertragsverhandlungen seien vorüber, außerdem könne er, weil er beruflich viel unterwegs sei, nicht schnell vor Ort sein, wenn eine Höhle angeschnitten werde. Auch stehe er nicht komplett hinter dem Vertrag – die Anliegen des LHK seien nicht ausreichend verankert. Andreas Scheurer ist Neusers Nachfolger.

Der Landesverband konnte bei der Versammlung weitere vakante Posten besetzen: Hans Martin Luz ist neuer Geschäftsführer, als dessen Stellvertreter wurde Robert Eckardt bestätigt, er hatte das Amt des Geschäftsführers ein Jahr lang kommissarisch geführt. Das seit 2010 unbesetzte Amt des Referenten für Höhlenschutz übernahm Hannes Köble. Petra Boldt hatte zuvor von einem arbeitsintensiven Jahr berichtet. Sie leitete ein Seminar für Schauhöhlenführer und organisierte den Tag der Artenvielfalt mit. Aktuell ist das Stichprobenmonitoring in FFH-Gebieten. In 21 ausgewählten Höhlen erfolgt eine ökologische Bestandsaufnahme. Boldt bat die Vereine, Köble darin zu unterstützen.