Laichingen Höhlen- und Karstforscher diskutieren über Bahn-Vertrag

Neu gewählt und alt bewährt (v. l.): Robert Eckhardt, Petra Boldt, Hermann Sauter, Fee Groning, Hans Martin Luz, Ralf Krist, Hannes Köble und Petra Heusel.
Neu gewählt und alt bewährt (v. l.): Robert Eckhardt, Petra Boldt, Hermann Sauter, Fee Groning, Hans Martin Luz, Ralf Krist, Hannes Köble und Petra Heusel. © Foto: Eva Menner
EVA MENNER 28.01.2014
Petra Boldt, Landesvorsitzende der Höhlenforscher, hält einen Vertrag mit der Bahn für eine große Chance, wie sie beim Delegiertentreffen in Laichingen sagte. Andere übten dagegen Kritik.

Hinter dem Landesverband der baden-württembergischen Höhlen- und Karstforscher (LHK) liegt ein arbeitsintensives Jahr, wie bei der Deligiertenversammlung am Samstag im Laichinger Höhlenhaus klar wurde: Viele Veranstaltungen, Gespräche und Treffen mit anderen Gruppen fanden statt, aufwändige Projekte setzte man um; es wurde intensiv Öffentlichkeitsarbeit betrieben. Vorsitzende Petra Boldt leitete zudem ein Seminar für Schauhöhlenführer, organisierte den Tag der Arten, vertrat regelmäßig öffentlich den LKH. "Zwei große Projekte sind aktuell: Das FFH(Flora-Fauna-Habitat)-Stichprobenmonitoring und der Vertrag mit der Deutschen Bundesbahn für die ICE-Neubaustrecke Ulm -Wendlingen."

Grundsätzlich geht es bei der Neubaustrecke darum, wie der LHK eingebunden wird, wenn bei den Bauarbeiten Höhlen angeschnitten werden. Im Spätherbst 2012 hat es einen ersten Vertragsentwurf gegeben. "Wir haben leider nicht gemerkt, dass es bei den Gesprächen von Seiten der Bahn immer nur um ein Teilstrecke ging, das kann man aber nicht mehr ändern", bedauerte Boldt. Obwohl die Veröffentlichungsrechte für den Verein nicht befriedigend seien, sprach sie sich für den Vertrag aus. Sie schätzt den Vertrag als eine große, einmalige Chance für den Verband ein. Nach einigen Änderungen und einer Überprüfung durch einen Rechtsanwalt hofft sie, dass er demnächst - von der Bahn unterzeichnet - eintrifft. Dann werde sie ihn allen Mitgliedsvereinen zukommen lassen und nur dann unterzeichnen, wenn die Mehrheit zustimmt. "Wir müssen ja oder nein sagen, über Änderungen können wir nicht nochmals verhandeln", stellte sie klar.

Eine längere Diskussion entzündete sich an der Vertraulichkeitserklärung, die jeder unterschreiben muss, der eine der entdeckten Höhlen begutachtet. Die Bahn droht mit hohen Geldstrafen, sollten die Entdeckungen und Untersuchungsergebnisse ohne deren vorherige Freigabe an die Öffentlichkeit gelangen. "Die Formulierungen mögen zwar hart klingen, aber laut unserem Rechtanwalt ist das der übliche Vertrag Firmen gegenüber", beruhigte Boldt. Überdies liege der Nachweis der "Täterschaft" bei der Bahn.

Der bisherige Beauftragte für die Angelegenheit "Neubautrasse" Norbert Neuser legte bei der Versammlung mit sofortiger Wirkung seine Tätigkeit nieder. Er hatte Gründe: Die Vertragsverhandlungen seien vorbei und wenn jemand beim Anschnitt einer Höhle schnell vor Ort sein müsse, sei er ungeeignet, da er beruflich viel unterwegs sei. Außerdem stehe er nicht komplett hinter dem Vertrag - die Anliegen des LHK seien nicht ausreichend verankert. Der Blaubeurer Andreas Scheurer wird Neusers Nachfolger.

21 Höhlen, sogenannte Stichprobenflächen, sind für das FFH-Monitoring ausgewählt worden, nun müsse die Bestandaufnahme erfolgen, berichtete schließlich Hannes Köble. Die Arbeit sei aufwändiger, als er es sich vorgestellt hätte. Petra Boldt mahnte die Vereine zur Unterstützung.

Weitere Referenten und Beauftragte blickten aufs vergangene Jahr zurück in ihren Berichten über Fledermausschutz, Kontakte zur Denkmalpflege, über Biosphärengebiet und Geopark, über Homepage und das Vereinsblatt "Unterwelten", über Ausbildung, Jugendarbeit und Schauhöhlen. Der Geschäftführer des Geoparks Schwäbische Alb, Dr. Siegfried Roth stellte den Geopark und seine Arbeit vor und zeigte Möglichkeiten der Zusammenarbeit mit dem LHK auf. Auch gewählt wurde: Hans Martin Luz konnte als neuer Geschäftsführer gewonnen werden, als Stellvertreter bestätigt wurde Robert Eckardt. Vorsitzende bleibt Petra Boldt, Kassier Hermann Sauter, seine Stellvertreterin Fee Groning. Fritz Mammel und Christoph Grune sind Kassenprüfer. Das seit 2010 vakante Amt des Höhlenschutz-Referenten übernahm Hannes Köble.