Kommunales Hochwasserschutz: Balzheim nicht zufrieden

Von Manuela Rapp 19.07.2018

Für Balzheim ist eines klar: Die Planungen für den Hochwasserschutz in Sinningen dürfen die Situation für Balzheim nicht verschlechtern. Das ist einer der Kernsätze der Stellungnahme, die der Gemeinderat in der jüngsten Sitzung zu den Hochwasserschutz-Maßnahmen im Nachbarort beschloss. Auch  hätte sich die Kommune eine andere Lösung gewünscht: nämlich einen parallel zur Iller verlaufenden Hochwasserschutzdamm vom Filzinger Wehr abwärts bis zur Illerbrücke nach Altenstadt, „um einen verbesserten Hochwasserschutz zu erhalten.“ Weiter heißt es im einstimmig verabschiedeten Beschlussvorschlag: Die Gemeinde nimmt von den Planungen Kenntnis.

Zum Hintergrund: 2005 trat eine außer Rand und Band geratene Iller massiv über die Ufer. Ein in aller Eile aufgeschütteter Damm im Osten von Sinningen verhinderte das Schlimmste. Bereits 1999 waren Teile der Ortslage überflutet worden. All dies rekapitulierte Balzheims Bürgermeister Günter Herrmann  vor den Gemeinderäten. Dann hatte Peter Faigle das Wort.

„Es geht darum, Retentionsflächen zu erhalten“, erklärte der Mitarbeiter des Referats 53.1  beim Regierungspräsidium Tübingen. Das sind Areale, die im Falle eines Hochwasserabflusses als Überflutungsgelände genutzt werden können. „Das mindert den Hochwasserabfluss in der Iller selber“, meinte Faigle.

Wie also Sinningen vor einem weiteren Hochwasser schützen? Von den vier verschiedenen Lösungsmöglichkeiten einer von der Behörde in Auftrag gegebene Machbarkeitsstudie plant das Land Baden-Württemberg nun, „einen ganz ortsnahen Schutzdamm entlang der Bebauung, damit so wenig wie möglich Retentionsflächen verloren geht“, erläuterte Peter Faigle. Der Sportplatz werde dabei nicht geschützt. Das westliche Überschwemmungsgebiet solle erhalten bleiben: „Nur 6500 Kubikmeter Volumen gehen dabei als Retentionsraum verloren“, befand er.

Der Damm mit einer Höhe von bis zu 1,2 Meter und einem Freibord von 50 Zentimetern sei größtenteils überfahrbar und habe einen mobilen Verschluss: Dieser werde bei Hochwasser verschlossen.  Standhalten wird der Damm nach seinen Worten einem hundertjährigen Hochwasserereignis (HQ 100) mit Wassermengen von rund 900 Kubikmeter pro Sekunde. Wie der Experte weiter erläuterte, baut das Land diese Anlagen noch ohne einen Klimafaktor von zusätzlichen 15 Prozent – dies sei jedoch später statisch noch möglich.

Schwachstelle Südzipfel

Die 2005 notfallmäßig errichtete Aufschüttung werde nicht zerstört, so Faigle weiter. Dies beträfe nur einen Querzipfel von etwa 20 Metern, der senkrecht zur Iller verlaufe. Eine Verschlechterung für Balzheim ergebe sich dadurch nicht, meinte er auf eine Frage von Jürgen Gerster. Klaus-Peter Federhen wollte wissen, wo er Gefährdungspotenzial in der Gemeinde sehe. Balzheims Hochwasserschutz sei auf HQ 100 plus 15 Prozent Klimafaktor ausgelegt. „Bei einem HQ extrem wären Sie betroffen“, antwortete der Sprecher. Die sanierten Dämme würden bei diesem Ereignis nicht überströmt, Schwachstelle sei der südliche Zipfel.

Den Baubeginn terminiert Peter Faigle auf das kommende Jahr. Inklusive der Baunebenkosten und der Ausgaben für den Grunderwerb beziffert er deren Kosten auf 370 000 Euro. „Davon trägt das Land 70 Prozent, Kirchberg beteiligt sich mit den restlichen 30 Prozent.“ Nachdem im Januar 2018 die Genehmigungsunterlagen beim Landratsamt Biberach abgegeben wurden, wird nun ab 30. Juli die öffentliche Auslegung im Zuge des Planfeststellungsverfahrens erfolgen. „Die Gemeinde Balzheim wird in diesem Zuge offiziell angehört“, sagte Bürgermeister Herrmann.

13 Wasserkraftwerke

Der Fluss 147 Kilometer lang, entsteht die Iller aus den Flüssen Breitach, Trettach und Stillach bei Oberstdorf. Sie mündet bei Ulm in die Donau.

Energiegewinnung Drei  große Energieversorgungsunternehmen betreiben 13 Laufwasserkraftwerke an Staustufen und Seitenkanälen der Iller. Am Oberlauf sind die Bayerischen Elektrizitätswerke und das  Allgäuer Überlandwerke aktiv. Flussabwärts folgen die fünf Illerkraftwerke der EnBW Baden-Württemberg zwischen Aitrach und Dettingen. Am Unterlauf gibt es drei Kraftwerke der Unteren Iller AG am Illerkanal zwischen Altenstadt und Illertissen.

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