Fundbüro Herrenlose Wertsachen und vergessene Kinderwägen

Von Lisa Maria Sporrer 12.01.2018

Wer, bitteschön, vergisst nach dem Einkaufen seinen Kinderwagen, wer lässt in einer belebten Einkaufsstraße einfach sein Quad stehen. Wer verlegt sein Tablet, fragt aber nicht im Fundamt nach? Manches, was im Illertisser Fundbüro landet, stellt auch Katharina Breyer vor Rätsel. Sie ist dort zuständig für die Fundsachen, die von Bürgern täglich dorthin gebracht werden: weil sie herrenlos in der Stadt gefunden wurden.

Momentan listet das Online-Fundsystem der Stadt 134 Artikel auf: Schlüssel, Brillen, Fahrräder. „Besonders Räder landen häufig bei uns“, sagt Breyer und zeigt auf den Stadel gegenüber vom Rathaus. Auf dem ehemaligen Gelände des Bauhofs werden funktionstüchtige, manchmal sogar neuwertige Fahrräder aufbewahrt, deren Besitzer sich nie beim Fundbüro gemeldet haben. Allein 2017 blieben 32 Fahrräder herrenlos. Oft würden sich Anwohner melden, bei denen ein unabgeschlossenes Rad an der Hauswand oder am Gartenzaun lehne, erzählt Breyer. In diesem Fall wartet die Verwaltung mindestens acht Tage lang und lässt das verlassene Rad dann vom Bauhof abholen.

Handys für soziale Projekte

Ein halbes Jahr lang werden die Fundsachen aufbewahrt, das ist gesetzliche Vorgabe. Danach kann sie der ehrliche Finder als Finderlohn behalten. Es gibt Ausnahmen: Schlüssel werden entsorgt. Brillen bekommen die Optiker in der Stadt, die sie für soziale Projekte in Afrika spenden. Handys werden ebenfalls in zentralen gemeinnützigen Sammelstellen entsorgt. Für die vielen Fahrräder, die in Illertissen auch vom Finder nicht gewollt werden, gibt es seit einiger Zeit jährlich eine Versteigerung, die sich großen Interesses erfreut.

„Eigentlich wird bei uns auch nach einem halben Jahr nichts weggeworfen“, sagt Breyer, die gesetzlich verpflichtet ist, Gegenstände ab einem Wert von fünf Euro anzunehmen und online zu listen. „Aber manchmal kommen auch Leute, die einen Schnuller bringen oder ein Kuscheltier. Ich nehme alles an“, sagt sie. Am meisten freue sie, wenn Kinder und Jugendliche etwas abgegeben. „Und weil das anerkannt werden muss, sage ich dann dem Eigentümer, der seine Sache abholt, er solle das bei den Kindern doch mit einer Kleinigkeit belohnen“, meint Breyer; schließlich müsse man Ehrlichkeit anerkennen. Das Kurioseste, an das sich Breyer aus den vergangenen zehn Jahren erinnern kann, waren zwei neuwertige Kinderwagen. „Die vergisst man doch nicht einfach mal so“, wundert sich Breyer. Sogar ein Quad wurde schon im Fundsystem registriert. Und auch dieses wurde nicht abgeholt, sondern letztlich versteigert. „Ich frage mich oft, warum wir so viele Autoschlüssel haben“, sagt Breyer. Zumal man mit dem 2008 eingeführten Online- Fundbüro auch von weiter weg eine Umkreissuche starten könne.

Gute Quote in Dietenheim

Das Problem mit nicht abgeholten Fundsachen kennt man hingegen in Dietenheim weniger. Auch spektakuläre Gegenstände landen selten im Rathaus. „Wir haben aktuell ein paar Schlüssel, eine alte Jacke und zwei Fahrräder“, sagt Beate Hofer, die dort für die Fundsachen zuständig ist. „Aber wir haben eine gute Quote; hier wird fast alles wieder abgeholt“, berichtet sie. Bei wertvollen Sachen würden die Finder schon beim Abgeben für den Fall der Fälle ihre Finder-Ansprüche anmelden.

Tierische Fundsachen

Fundtiere Auch Tiere, Hunde, Katzen, Schildkröten und Vögel, werden oftmals im Fundbüro abgegeben. Für Illertissen ist in solchen Fällen das Tierheim in Weißenhorn zuständig. Die Tiere, die in Dietenheim ins Rathaus gebracht werden, landen hingegen im zuständigen Tierheim Ulm. „Es sind überwiegend Katzen, die zu uns gebracht werden“, sagt Albert Hüber von der Stadt Dietenheim. Wenn es sich um gesunde Tiere handelt, kommen sie ins Tierheim. Dafür zahlt die Stadt dem Tierheim eine Jahrespauschale. Kranke Tiere werden zuerst zu einem Tierarzt gebracht, wo sie in manchen Fällen auch direkt abgegeben werden. „Manchmal ist es auf dem kleinen Dienstweg möglich, die Tiere wieder zu ihren Besitzern zu bekommen“, weiß Hüber aus Erfahrung. Hunde seien meistens gechipt. Während der Besitzer ermittelt wird, werden die Fundtiere in Dietenheim auch mal einen oder zwei Tage lang auf dem Bauhof versorgt.