Wain Heiner Tettenborn berichtet vom geheimnsivollen Afghanistan

Im Bann eines geheimnisvollen Landes: Auf großes Interesse stieß der Vortrag über Afghanistan von Heiner Tettenborn in Wain.
Im Bann eines geheimnisvollen Landes: Auf großes Interesse stieß der Vortrag über Afghanistan von Heiner Tettenborn in Wain. © Foto: Kurt Högerle
Wain / KURT HÖGERLE 28.10.2014
Afghanistan ist zurzeit fast aus den Schlagzeilen verschwunden. Wie schön, wie wild, wie fremd und faszinierend dieses Land ist, haben Monika Koch und der Dietenheimer Heiner Tettenborn erlebt.

"Eigentlich wollten wir nur in Jalalabad, einer Stadt im Westen Afghanistans, an Schulen unterrichten", eröffnete Heiner Tettenborn den Vortrag-Abend am Freitag in Wain, zu dem der Obst- und Gartenbauverein eingeladen hatte. Vereinsvorstand Volkhard Held durfte an die 70 Gäste begrüßen, die alle in den Bann des geheimnisvollen Landes gezogen wurden.

Monika Koch und er fanden in Afghanistan schnell Freunde, so der Referent. Diese Freunde beschützten sie auf ihren Wegen durch die verschiedenen Stammesgebiete, und so blieb es nicht bei einem Besuch. Viele Jahre lang erforschten sie die fremden Welten der Paschtunen und Hazaras. Dabei entstanden märchenhaft schöne Aufnahmen, beispielsweise von der Blauen Moschee in Mazar-e-Sharif, oder von den Bande-Amir-Seen in den afghanischen Bergen.

Von zentraler Bedeutung für ihre Arbeit in Afghanistan war die Bekanntschaft mit Khazan Gul. Er kämpfte schon gegen die Sowjets, ist aber ein harter Kritiker der US-amerikanischen Politik im Mittleren Osten. Khazan Gul kämpft heute für seine Heimat auf einem anderen Gebiet: Er baut Schulen. In einem Umfeld, das von Warlords, korrupten Politikern und den Taliban gleichermaßen bedroht werde, sei dies ein gefährliches Unterfangen, sagte Tettenborn. Einmal seien er und seine Freundin in Guls Heimatdorf eingeladen worden. Obwohl die Aufnahme an Herzlichkeit nicht zu überbieten gewesen sei, "mussten wir doch jede Nacht woanders schlafen, denn für die Sicherheit konnte Khazan Gul nur tagsüber garantieren." Noch anfangs des Jahres war der Afghane in Illerrieden zu Gast, um für seine Schulprojekte zu werden.

Vom Leben der Frauen und Mädchen in Afghanistan sollte seine Partnerin Monika Koch erzählen, die als Frau einen unverstellten Einblick in diese Gesellschaft erhielt, leider war sie am Freitagabend verhindert. Heiner Tettenborn streifte dieses Thema daher nur. Seine Erzählungen über die unterschiedlichen Freiheitsgrade der Frauen in den verschiedenen Provinzen waren dennoch spannend und lehrreich zugleich.

Im Laufe der Jahre sei es immer schwieriger geworden, sich in Afghanistan sicher zu bewegen. Das liege vor allem an der falschen Politik des Westens. "Besonders die US-Amerikaner verhalten sich oft völlig verkehrt", sagte Tettenborn. "Wenn sie zum Beispiel in Frauengemächer einbrechen, was für jeden Mann ein unbedingtes Tabu darstellt, und dann auch noch bei Nacht." Das sei die Zeit, die Verbrecher wählten, Freunde kämen bei Tag.

Bewegende Bilder und erschütternde Geschichten hielten die Zuschauer trotz der recht langen Dauer des Vortrags in ihrem Bann. Nicht nur Volkhard Held, der Vorstand des einladenden Vereins, war begeistert, auch die Zuhörer zeigten sich fasziniert, nicht nur von den Bildern, sondern auch von der Botschaft, die Heiner Tettenborn so formulierte: "Wenn wir Afghanistan helfen wollen, dann bestimmt nicht so, wie es die Politik derzeit versucht."

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