Alb-Donau-Kreis Heiner Scheffold wird neuer Landrat

Der Kreistag stärkt ihm den Rücken: Heiner Scheffold (rechts vorne) ist  zum Nachfolger von Alb-Donau-Landrat Heinz Seiffert gewählt worden.
Der Kreistag stärkt ihm den Rücken: Heiner Scheffold (rechts vorne) ist  zum Nachfolger von Alb-Donau-Landrat Heinz Seiffert gewählt worden. © Foto: Matthias Kessler
Alb-Donau-Kreis / HELGA MÄCKLE, MATTHIAS STELZER 12.07.2016
Klar und deutlich fiel die Wahl des neuen Landrats des Alb-Donau-Kreises aus: Heiner Scheffold wurde als einziger Bewerber von 57 der 58 anwesenden Kreisräte gewählt. <i>Mit Video und Kommentar.</i>

„Ganz herzlichen Dank für den überwältigenden Vertrauensbeweis.“ Das waren die ersten Worte, die der künftige Landrat des Alb-Donau-Kreises am Montag nach seiner Wahl an den Kreistag richtete: Heiner Scheffold wurde von 57 der 58 anwesenden Kreisräte – einzig der Laichinger Bürgermeister Klaus Kaufmann fehlte wegen Krankheit –  zum Nachfolger von Heinz Seiffert (CDU) gewählt.  Nicht nur der 53-jährige Scheffold, auch der Amtsinhaber, der Ende September auf eigenen Wunsch vorzeitig in den Ruhestand geht, grinste von einer Backe zur anderen. Seiffert hatte nie einen Hehl daraus gemacht, dass er seinen parteilosen Stellvertreter gerne als  Nachfolger sehen würde.

Kein Wunder. Denn, was Scheffold in seiner Vorstellungsrede vor dem Kreistag über seine Ziele und Einstellungen sagte, hörte sich im Grundsatz nach einer Fortsetzung der Politik von Heinz Seiffert an:  Der Alb-Donau-Kreis werde auch unter seiner Führung auf solide Finanzen setzen,  die Kreisumlage müsse weiter „verkraftbar“ sein,  der Kurs des Landkreises „kommunalfreundlich“ bleiben.

Um den Kreis als Wirtschaftsstandort weiterzuentwickeln und damit Arbeitsplätze zu halten und schaffen,  sei eine gute und moderne Infrastruktur die Basis. Wie Scheffold sagte, wird „schnelles Internet zu einer Schlüsselfunktion schlechthin und entscheidet über die Standortqualität und Zukunftsperspektive unseres ländlich strukturierten Landkreises“. Auch beim Thema Gesundheit machte Scheffold deutlich, dass er die kreiseigene ADK GmbH für Gesundheit und Soziales mit ihren drei Krankenhäusern, Pflegeheimen und zahlreichen weiteren Angeboten für den richtigen Weg hält.  Die wohnortnahe und dezentrale Gesundheitsvorsorge ist für den künftigen Landrat ein zentraler Baustein.  Diese müsse zu „finanzierbaren Konditionen“ aufrechterhalten und weiterentwickelt werden.

Nicht nur den Öffentlichen Nahverkehr will Heiner Scheffold, der mit seiner Frau Doris und den drei Kindern in Ehingen lebt, gemeinsam mit den Kommunen  ausbauen, auch die Bahnprojekte  – etwa das Regio-S-Bahn-Netz – müssten kommen. Auch wenn dazu „ganz dicke Bretter“ gebohrt werden müssten.  Zum Rundumschlag in punkto Verkehr gehörte auch die Zusage, dass er sich für vordringlichen Straßenprojekte im Kreis einsetzen werde: die Querspange bei Erbach, die Umfahrung von Beimerstetten und den Ulmer Norden sowie der Umfahrung der B 10 von Urspring und Amstetten.

 Da der Zustrom von Flüchtlingen seit Anfang des Jahres  deutlich abgeebbt sei, müsse nun man deren Integration angehen.  Dank des Einsatzes der Kommunen und der vielen Ehrenamtlichen sehe er diesbezüglich positiv in die Zukunft: „Wir werden die Städte und Gemeinden auch hier nicht alleine lassen.“ Für bleibeberechtigte Asylbewerber solle der Alb-Donau-Kreis „Heimat“ werden, sagte Scheffold und fügte hinzu: „Und Heimat bedeutet deutsche Sprache, Zugehörigkeit, Identifikation und Integration in unsere Gesellschaft und Kultur.“ Um dies zu erreichen, will Scheffold  verschiedene Akteure und Institutionen regelmäßig an einen Tisch bringen.

Da es für den Kreis in Zukunft nicht einfacher werde, qualifiziertes Personal zu finden, müsse die Verwaltung noch mehr tun, um als Arbeitgeber attraktiv zu sein, sagte der 53-Jährige, der vor seinem Wechsel ins Landratsamt vor gut drei Jahren mehrere Führungspositionen im Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz inne hatte. Dazu gehöre eine gute Vereinbarkeit von Familie und Beruf – und nicht zuletzt die Zufriedenheit der Mitarbeiter. Die Führungsaufgabe im Haus „nehme ich sehr ernst“, dabei lege er Wert auf ein vertrauensvolles  Miteinander und ein gutes Betriebsklima.

Ein Kommentar von Matthias Stelzer: Der Einheitslandrat

Spannung ist etwas anderes. Wenn in Baden-Württemberg Landräte gewählt werden, ist das Fell des Bären am Wahltag oft schon verteilt. So auch gestern im Landratsamt des Alb-Donau-Kreises. Kein Gegenkandidat, alle Kreistagsfraktionen hinter Heiner Scheffold vereint, da ging es eigentlich nur noch darum, ob der Vize mit allen möglichen Stimmen zum  ersten Mann des Landratsamts aufsteigt oder nicht.

Das Ergebnis war eindeutig:  Scheffold ist ein Einheitslandrat. Der integrative Verwaltungsfachmann erhielt 57 von 58 abgegebenen Stimmen. Damit hat er im Gremium eine starke Basis. Die Fraktionen haben, wie es in einem Land ohne Direktwahl der Landräte üblich ist, einen der ihren gewählt. Einen, den man schon kennt und für seine solide  Arbeit schätzt.

In der Tat zweifelt im Ulmer Landratsamt niemand daran, dass  Scheffold der richtige für die Verwaltung des Landkreises ist. Der 53-jährige Ehinger steht, wie es sich für einen Forstwirt  gehört, für Nachhaltigkeit und Kontinuität.

Er hat sich nicht als lauter Macher für die erste Reihe der Landkreispolitik empfohlen, sondern sich als fleißiger, verbindlicher  und erfahrener Verwaltungsfachmann um die Leitung einer Behörde mit 870 Mitarbeitern beworben. Scheffold ist kein Haudrauf, eher einer, der nicht nur den Bäumen beim Wachsen zusehen kann, sondern es auch versteht, thematisch zarte Pflänzchen mit Geschick und Geduld aufzupäppeln.

Mit diesen Eigenschaften verbunden ist allerdings auch, dass Heiner Scheffold politisch bisher kaum zu greifen ist. Im Unterschied zu seinem Vorgänger Heinz Seiffert, der als Berliner CDU-Abgeordneter mit all seinen Kontakten und Netzwerken ins Ulmer Landratsamt wechselte, ist der neue Landrat in der politischen Landschaft ein weitgehend unbeschriebenes Blatt.

Genau daran wird Heiner Scheffold arbeiten müssen. Denn schon die Lage des Alb-Donau-Kreises rund um den Stadtkreis Ulm, an einer Landesgrenze und zwischen den Metropolregionen Stuttgart und München erfordert in der Zukunft auch einen politisch versierten und gewichtigen Landrat.

Wie, wann und ob sich Heiner Scheffold in dieser Rolle einfinden wird – diese Frage verspricht dann auch deutlich spannender zu werden als die gestrige Wahl. Dem neuen Landrat ist deshalb vor allem eines zu wünschen: ein guter Start ins Amt.

Gute Wünsche von den Kollegen aus der Nachbarschaft

Ulm  Oberbürgermeister Gunter Czisch freut sich auf die Zusammenarbeit mit Heiner Scheffold. „Wir arbeiten regional  an sehr vielen Themen zusammen“, lobt er die Vernetzung entlang der Donau. „Wir kennen uns und ich bin sicher, die Zusammenarbeit wird nahtlos und fruchtbar sein.“ Und ein bisschen freut sich Czisch auch in eigener Sache: „Ich bin jetzt nicht mehr der Neue. Sondern er.“

 

Kreis Neu-Ulm Einen „herzlichen Glückwunsch“ schickt auch Thorsten Freudenberger. Der CSU-Landrat des Nachbarkreises, der gerade mit dem Mountainbike in den Alpen unterwegs ist, freut sich auf die „gleich angenehme und konstruktive Arbeit“ wie mit Scheffolds Vorgänger Heinz Seiffert. „Uns verbinden  viele wichtige Themen“, sagt Freudenberger, der mit Heiner Scheffold vor allem auch das Engagement für die geplante Regio-S-Bahn teilt.

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