Rammingen Häcker zieht Bilanz

Rammingen / Karin Mitschang 10.10.2018

Nach zwei Amtszeiten verlässt Karl-Friedrich Häcker das Ramminger Rathaus, obwohl ihm das Bürgermeisteramt Spaß gemacht hat. Warum er mit seiner Frau zurück nach Neu-Ulm-Ludwigsfeld zieht, verrät er im Abschiedsinterview.

Herr Häcker, würden Sie, wenn Sie vor 16 Jahren nochmal neu anfangen könnten, alles gleich machen?

Karl-Friedrich Häcker:  Ich glaube, ich habe meine Aufgaben im Großen und Ganzen nicht schlecht gelöst. Es kann sein, dass ich mal im Einzelfall schlecht informiert war oder in ein Fettnäpfchen getreten bin, und man kann es als Bürgermeister generell nicht allen recht machen. Aber man muss in der Funktion Entscheidungen treffen, und unterm Strich würde ich es wieder so versuchen.

Bei Ihrer Bewerbung wollten Sie eine Bürgerwerkstatt ins Leben rufen. Wie war die Umsetzung?

Das lief sehr gut, die Ramminger sind sehr engagiert, das ist hier genial. Die Bürger und Vereine helfen zusammen, wo sie können. Gemeinsam gab es viele Arbeitsgruppen, es ist unter anderem die Neugestaltung des Brunnenplatzes gut gelungen. Und wir nutzen seit zwei, drei Jahren auch eine App namens NextDoor, in der 150 Haushalte mitmachen. Bürger, die registriert sind, können der Verwaltung Sachen melden, oder es werden in wenigen Tagen ein paar gebrauchte Fahrräder für die Flüchtlingsfamilien organisiert.

Welche Veränderungen wurden während Ihrer Amtszeit umgesetzt?

Es wurden mehrere Baugebiete erschlossen, wir haben das Feuerwehrgerätehaus gebaut, um das uns manche Gemeinde beneidet. Die Gemeinde ist von einem hohen Schuldenstand runtergekommen, wir sind seit Jahren schuldenfrei. Dann muss man den Anbau am Kindergarten für die interkommunale Krippe mit Öllingen, Setzingen, Nerenstetten, Börslingen und Ballendorf erwähnen, die energetische Schulsanierung, die Einrichtung des Infopunktes „Höhle des Löwenmenschen“ in Lindenau und den Hochwasserschutz am Runsgraben. Für Letzteren bin ich zuerst belächelt worden, doch kamen bereits zwei der vier Rückhaltebecken zum Einsatz, und sie sind unverzichtbar für die Kreisstraße, die Häuser am Bahnhof und die Firma Wiedenmann.

Welche Projekte laufen gerade noch?

Die Versorgung mit Glasfaser bis in jedes Haus ist im Gange, ich freue mich auf die offizielle Eröffnung unseres Glasfasernetzes mit dem Landrat am 20. November. Der Verteilerkasten beim Rathaus steht schon, wobei wir fast in jedem Haus schon jetzt 50MBit/s haben, aber den Sprung zur Glasfaser in jedes Haus noch schaffen wollen. Dann hoffe ich, dass für das Carsharing noch vor meinem Weggang das Elektroauto angeliefert wird. Das Neubaugebiet im Keltenweg wird dieses Jahr fertiggestellt, aber ich bezweifle, ob der Startschuss für die Radwegverbindung nach Langenau noch klappt. Das hätte ich noch gerne gesehen.

Warum musste für Sie nochmal ein Neuanfang her, und wie geht es für Sie weiter?

Ich bin in ein Alter gekommen, in dem ich nicht mehr so belastbar bin. Die Bürokratie ist immer schlimmer geworden, und man steckt nicht mehr so viel ohne Weiteres weg. Bestimmte, sich wiederholende Diskussionen, wie zum Beispiel mit dem Jugendclub, tun ihr Übriges. Für meine Frau Andrea Beate und mich geht es zurück nach Ludwigsfeld in unsere Wohnung, die wir 16 Jahre lang vermietet haben. Mein Nachfolger soll einfach freie Bahn haben, auch wenn es schade ist, weil wir viele schöne Kontakte geknüpft haben. Ich will nochmal was Neues anpacken und schaue, ob ich mich selbstständig machen kann als Berater und Helfer – zum Beispiel für heillos überlastete Bürgermeister. Ich hoffe auch, mit meiner Enkelin Lou mehr Zeit verbringen zu können.

Ihr Nachfolger Christian Weber will unter anderem Sanierung oder Neubau der Heusteighalle und die Bereitstellung von Bauland für Wohnungen innerorts schaffen. Was halten Sie davon? Kann er mit dem Gemeinderat etwas erreichen?

Die Zusammenarbeit mit dem Ramminger Gemeinderat war immer hervorragend. Was er vorhat, ist alles gut, aber da wird er dicke Bretter bohren müssen. Wir haben schon innerorts Bauland ermöglicht, aber das ist ein sehr steiniger Weg. Ich wünsche mir für Rammingen, dass Herr Weber sich seinen Elan bewahrt.

Von Häcker zu Weber: Der Übergang

Wechsel Die Amtszeit des in Ulm geborenen Ramminger Bürgermeisters Karl-Friedrich Häcker (57) geht Ende Oktober zu Ende. Vor 16 Jahren hatte der Diplom-Verwaltungs- und Betriebswirt, der zuvor in den Verwaltungen des Kreises Neu-Ulm sowie der Städte Neu-Ulm und Laupheim gearbeitet hatte, zwar die offizielle Kandidatenvorstellung versäumt, war aber dann so fleißig unterwegs, dass er die Mehrheit der Ramminger von sich überzeugen konnte. Karl-Friedrich Häcker wird seinen Nachfolger Christian Weber (30) im November einarbeiten, bis dieser Anfang Dezember im Rathaus übernimmt. Die offizielle Amtsübergabe ist in einer öffentlichen Gemeinderats am 30. November. Weber ist Ingenieur und wohnt in Langenau. kam

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