Bildung Gymnasium soll Musik-Profil bekommen

Singen und Musizieren wie hier bei den Fünftklässlern soll im Blaubeurer Joachim-Hahn-Gymnasium noch mehr Gewicht bekommen.
Singen und Musizieren wie hier bei den Fünftklässlern soll im Blaubeurer Joachim-Hahn-Gymnasium noch mehr Gewicht bekommen. © Foto: Matthias Kessler
Blaubeuren / Thomas Spanhel 16.05.2018
Blaubeurer Schule will einen musischen Zug. Es wäre der erste im Kreis. Das Regierungspräsidium muss noch zustimmen.

Bläser- und Singklassen in der Unterstufe sind in den vergangenen Jahren im Blaubeurer Gymnasium bereits aufgebaut worden. Künftig soll durch ein eigenes musisches Profil auch in den höheren Klassen mehr gesungen und musiziert werden. Damit wäre die Schule die einzige mit musischem Zug im Landkreis. Bisher pendeln Schüler aus Blaubeuren deswegen nach Ulm ans Humboldt-Gymnasium. Für Schulleiterin Heidrun Fleischer ist ein musisches Profil am Gymnasium „eine echte Alternative“ zum sprachlichen und naturwissenschaftlichen Zug, die es an der Schule bereits gibt. „Schüler haben viele Begabungen, und Schule soll viele Begabungsfelder abbilden und fördern“, sagte Fleischer in der jüngsten Gemeinderatssitzung. Für das Gymnasium als Ganzes sei das Musikprofil ein attraktives neues „Schaufenster“, das auch noch in der Tradition der Region stehe: Im Logo der Schule ist eine Flöte zu sehen, und der Archäologe Joachim Hahn, dessen Namen die Schule trägt, hat die ältesten Musikinstrumente der Welt in einer Blaubeurer Höhle ausgegraben.

Mindestens vier Stunden Musik

In der siebten Klasse könnte jeder Schüler künftig eines der dann drei Profilfächern wählen, auch wenn er noch nicht in einer Bläser- oder Singklasse gewesen ist, sagte der stellvertretende Schulleiter Ulrich Körner auf Nachfrage. Die wichtigste Veränderung wäre, dass von Klasse 8 bis 10 künftig im musischen Zweig mindestens vier Stunden Musik unterrichtet werden. Das Fach wird zudem relevant für die Versetzung. Probeweise gab es bereits eine Wahl unter Siebtklässlern: Dabei wurde der naturwissenschaftlich-technische Bereich am häufigsten gewählt, der musische und sprachliche Zug nicht ganz so häufig. Für die Oberstufe bekommen Schüler mit dem musischen Zugs jedenfalls eine gute fachliche Grundlage, um das vierstündige Neigungsfach Musik zu belegen, das zum fachpraktischen Abitur führt.

An der Schule ist das Interesse an Musik in den vergangenen Jahren stetig gestiegen – wegen des großen Engagements der Lehrer und der Unterstützung der städtischen Musikschule: „Darüber freuen wir uns riesig“, kommentierte Heidrun Fleischer. Seit diesem Jahr wird beispielsweise eine Chor-AG für die Mittel- und Oberstufe angeboten. „Obwohl dies manchen Schülern die Mittagspause kostet oder die Heimfahrt erschwert, nehmen über 40 Schüler am Chor teil.“ Im Rahmen der Chorarbeit würden einzelne Schüler bereits das Einstudieren einzelner Stücke unterstützen, indem sie Stimmproben übernehmen.

Im Alb-Donau-Kreis wäre das Gymnasium das erste mit musischem Profil, bestätigt das Regierungspräsidium Tübingen. Ob das Angebot tatsächlich genehmigt wird, darüber könne gegenwärtig noch keine Aussage getroffen werden. Klar ist, dass vor einer Einführung auch der Landkreis und die umliegenden Kommunen gefragt werden.

Einmütig für neue Ausrichtung

Zustimmung Einmütig haben Gemeinderat, Schulkonferenz und Gesamtlehrerkonferenz des Joachim-Hahn-Gymnasiums Blaubeuren für einen musischen Zug gestimmt. Auch die Fachschaft Spanisch sieht den dritten Zweig für die Schule nicht als Konkurrenz zum eigenen Angebot, sondern als sinnvolle Ergänzung. Ähnlich kommentierten Stadträte: „Das stellt eine Bereicherung dar – auch für das kulturelle Leben in der Stadt“, sagte Ursula Sigloch (SPD), ähnlich argumentierte Reiner Baur (CDU). Sprecher der Grünen und Freien Wähler begrüßten, dass mit dem Profil Musik-Begabungen gestärkt werden.

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