Versorgung Grünstrom oder konventioneller Strom

Windräder bei Berghülen.
Windräder bei Berghülen. © Foto: sgk
swp 15.12.2017
Laichingen prüft, ob es künftig auch Ökostrom einkauft, doch dieser ist meist teurer.

Grünstrom oder konventioneller Strom, das war jüngst im Laichinger Gemeinderat die Frage, als es darum ging, den Strombezug neu auszuschreiben. Die Verwaltung hatte Grünstrom nicht vorgesehen, die Räte hätten zumindest gerne die Preisdifferenzen gekannt, um eine klare Linie fahren zu können. Die Stadt hatte keine aktuellen Marktpreise parat, hat jedoch versprochen, bei der Ausschreibung Grünstrom wenn möglich zu berücksichtigen. Auch wenn Bürgermeister Klaus Kaufmann der Meinung ist, das könne sich Laichingen bei der aktuellen Haushaltslage nicht leisten.

Für Bürgermeister Bernd Mangold aus Berghülen steht außer Frage, dass eine Kommune ihre Vorbildfunktion erfüllen müsse. „Wenn wir etwas verändern wollen, müssen Kommunen vorausgehen, sonst ändert sich nichts“, meint er. Seit fünf Jahren kauft die Gemeinde Grünstrom ein. Das kostet Berghülen 0,15 Cent je Kilowattstunde mehr, im Jahr hat die Gemeinde demnach Mehrkosten von knapp 500 Euro. Merklingen hat sich aus wirtschaftlichen Gründen für den „farblosen Strom“ entschieden, sagt Bürgermeister Sven Kneipp. „Wir setzen in anderen Bereichen auf ökologische Produkte, etwa mit einer Nahwärmeversorgung und einem Blockheizkraftwerk.“ Er ist Grünstrom gegenüber eher skeptisch: „Der Strom wird tausendfach unterschiedlich eingespeist, dann wird irgendwo ein Angebot XY Grünstrom erzeugt.“

Laichingen will jedenfalls dran bleiben am Thema, „das haben wir dem  Gemeinderat zugesichert“, sagt Kämmerer Thomas Eppler. Bei jährlichen Stromkosten von rund 650 000 Euro in Laichingen ist eine europaweite Ausschreibung vorgeschrieben. Grundsätzlich sind die Kommunen gehalten, sparsam zu wirtschaften. Doch die Stadt habe einen gewissen Spielraum, für welches Produkt sie sich entscheidet, sagt Stefan Freibauer vom Kommunal- und Prüfungsdienst im Landratsamt. Freilich immer abhängig von der Finanzlage, schränkt er ein. Wichtig bei der Ausschreibung sei, dass die Angebote untereinander vergleichbar sind. „Wenn bereits in der Ausschreibung bestimmte Merkmale definiert sind und die Gewichtung dem Bieter bekannt ist, und der Ökostromanbieter das wirtschaftlichste Angebot abgegeben hat, sind durchaus Konstellationen denkbar, in denen der Ökostromanbieter den Zuschlag vor dem günstigeren Stromanbieter erhält“, führt Freibauer aus.  Dann geht es darum, ob „die Wirtschaftlichkeit, also der günstigere Preis, höher gewichtet wird oder die Ökologie“, erklärt Eppler. Ein kniffliges Thema, meint Eppler.

„Sparsames und wirtschaftliches Haushalten ist eine Seite, Investieren in die Umwelt die andere“, sagt der Berghüler Bürgermeister. Ob Ökostrom oder nicht sei eine politische Entscheidung. „Dieser politische Entschluss ist uns ein paar Euro wert.“

Möglicherweise muss sich der Laichinger Gemeinderat noch einmal mit dem Prozedere befassen. Dann haben die Räte die Gewichtungskriterien  festzulegen. Doch die Stadt sei früh dran, sagt Eppler, denn der derzeitige Stromvertrag läuft erst Ende 2019 aus, die Ausschreibung muss erst im Laufe des kommenden Jahres erfolgen.

Laichingen plant Teilnahmewettbewerb

Bei einem jährlichen Stromverbrauch von rund 3,25 Millionen Kilowattstunden zum aktuellen Preis von 0,20 Euro kommt Laichingen auf Stromkosten in Höhe von 650 000 Euro. Ab einer Vergabesumme von 418 000 Euro für Energielieferungen müssen die Kommunen nach EU-Richtlinien die Ausschreibungen europaweit vornehmen.  Das Verfahren dauert von der Ausschreibung bis hin zur Submission oft bis zu einem halben Jahr. Da kleinere Anbieter bei europaweiten Ausschreibungen keine Chance haben, plant Laichingen vor der Ausschreibung einen Teilnahmewettbewerb. Wer die von der Stadt vorgegebenen Kriterierien einhält, wird bei der Submission zugelassen.