Alb-Donau-Kreis / HELGA MÄCKLE Die Kräfteverhältnisse im neuen Alb-Donau-Kreistag sind nahezu unverändert. Die CDU büßt drei Sitze ein, die Freien Wähler einen. Nicht mehr gewählt wurde Grünen-Fraktionsvorsitzende Brigitte Schmid. Mit einem Kommentar von Helga Mäckle

Der neue Kreistag des Alb-Donau-Kreises wird kleiner: Statt bisher 62 Räte gehören dem Gremium nur noch 59 an. Das liegt am neuen Auszählverfahren nach Sainte-Laguë/Schepers, das tendenziell kleinere Gruppen bevorzugt und durch das sich die Zahl der Ausgleichssitze im Kreistag jetzt von zehn auf sieben verringert.

Das hat im Alb-Donau-Kreis zweierlei Auswirkungen: Zum einen für die größte Fraktion, die CDU, die bei den abgegebenen Stimmen 0,3 Prozentpunke im Vergleich zur Wahl 2009 gewonnen und am Sonntag 46,4 Prozent der Stimmen erhalten hat. In Sitzen aber verlieren die Christdemokraten: Sie müssen drei hergeben. Sie haben künftig 27 Räte im Kreistag, davon sind zwei Ausgleichsmandate. "Ich bin mit dem Ergebnis dennoch zufrieden", sagte Fraktionsvorsitzender Karl Traub. Letztlich sei klar gewesen, dass das Verfahren nach Sainte-Laguë/Schepers, "uns treffen würde". Das Kräfteverhältnis im Kreistag ändere sich dadurch aber nicht grundlegend. Traub sieht seine Aufgabe zunächst darin, die Fraktion neu aufzustellen. "Wir haben ja doch viele neue Gesichter. Einige davon kenne ich noch nicht mal." Andere altgediente Mitglieder sind ausgeschieden, etwa der ehemalige Erbacher Bürgermeister Paul Roth, der nicht mehr kandidiert hatte, und Paul Glökler, Vorsitzender des CDU-Kreisverbands, dem es nicht in der Kreistag gereicht hat.

Die zweite Auswirkung des Auszählverfahrens trifft die Grünen. Sie haben 12,9 Prozent der Stimmen erhalten und damit 1,7 Punkte mehr als bei der letzten Wahl. Das bringt ihnen ein Sitz mehr - insgesamt acht, alles Direktmandante. Das sind die guten Nachrichten. Die schlechte: Sie müssen in der neuen Wahlperiode ohne ihre Fraktionsvorsitzende Brigitte Schmid auskommen. Sie wurde nicht mehr gewählt. "So sehr verwundert mich das nicht", sagte die Grünen-Politikerin. "Ich lebe in Munderkingen in einem tiefschwarzen Wahlkreis", - und deshalb immer über einen Ausgleichssitz in den Kreistag gekommen. Zwar sei sie durchaus enttäuscht, "aber die Welt geht davon sicher nicht unter". Nach 15 Jahren in dem Ehrenamt, habe der Wähler entschieden. "Und so ist es jetzt."

Ihr Stellvertreter im Fraktionsvorsitz, Robert Jungwirth, war von der Nachricht "sehr überrascht". Brigitte Schmid sei inhaltlich wie strukturell eine feste Größe in der Fraktion mit diversen Drähten in alle mögliche Richtungen. "Jetzt müssen wir überlegen, wie es weitergeht", sagte Jungwirth weiter. Dass die Grünen einen Sitz dazu gewonnen haben, freut den Blausteiner. "Daran sieht man, dass wir inzwischen an der Basis angekommen sind." Außer Schmid scheiden in Christian Stängle und Gisela Steinestel weitere langgediente Grünen-Kreisräte aus.

Wolfgang Mangold, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler und gleichzeitig deren Stimmenkönig, ist mit dem Ergebnis vom Sonntag zufrieden. "Es hätten auch einer oder zwei Sitze mehr sein können, statt einer weniger." Bei den abgegebenen Stimmen haben die Freien Wähler 0,7 Punkte verloren - auf nun 27,5 Prozent. Sie haben deshalb künftig statt 17 Sitzen nur noch 16. Mit drei haben die Freien Wähler die meisten Ausgleichssitze errungen. Auch Mangold sieht durch das Ergebnis keine großen Auswirkungen auf die Verhältnisse im Kreistag. "Zumal es wenige Themen gibt, wo sich tatsächlich gegensätzliche Blöcke bilden". Letztlich orientierten sich die Kreisräte an der Sache. "Und das soll auch so bleiben."

Dass die SPD 0,4 Prozentpunkte dazu gewonnen hat, darüber freute sich Klara Dorner. Als stellvertretende Fraktionsvorsitzende hat sie derzeit die Zügel bei der SPD in der Hand, nachdem Günter Neubauer bei der Wahl nicht mehr angetreten war. Mit 13,2 Prozent der Stimmen bleibt die SPD mit acht Sitzen im Kreistag vertreten, zwei davon sind Ausgleichsmandate. "Damit können wir gut leben." Mit einer Wahlbeteiligung von 55,7 Prozent und damit gut zwei Prozentpunkten weniger als im Jahr 2009 hätte es die SPD auch härter treffen können, meint Klara Dorner. "Denn eine schlechtere Wahlbeteiligung merken wir als SPD immer."

Für Landrat Heinz Seiffert (CDU) beweisen die geringen prozentualen Verschiebungen im Gesamtergebnis vor allem, "dass die Wählerinnen und Wähler insgesamt Kontinuität wünschen und mit der Arbeit des Kreistags zufrieden sind". (Die Wahlergebnisse finden Sie hier)

 

 

Grüne-Chefin

Kreistag kleiner: CDU verliert drei Sitze, Freie Wähler einen. Das Kräfteverhältnis bleibt unverändert Nicht mehr gewählt wurde Grünen-Fraktionsvorsitzende Brigitte Schmid.

Kommentar von Helga Mäckle: Hoffentlich 21 Ideengeber

Schock für die Grünen: Brigitte Schmid gehört dem neuen Kreistag nicht mehr an. Dass die Fraktionsvorsitzende ausscheidet, liegt nicht an Schmids Fachwissen und Engagement in den vergangenen 15 Jahren. Vielmehr ist die Munderkingerin Opfer des neuen Auszählverfahrens geworden. Selbst politische Gegner zollen ihr und ihrer Arbeit Respekt - auch wenn die politischen Ansichten zum Teil weit auseinander gehen und der Umgangston nicht immer freundlich war.

Schmid ist eine von 24 Kreisräten, die ausscheiden. Darunter sind Haudegen wie der CDU-Kreisvorsitzende Paul Glöker aus Schelklingen, der ebenfalls nicht genügend Stimmen erhielt. Andere sind nicht mehr angetreten wie Günter Neubauer, der die SPD viele Jahre lang mit ruhiger Hand geführt hat. Dafür kommen 21 neue Gesichter nach. Und das ist nicht von Schaden: 21 neue Ideengeber. 21 neue Impulse. Dass in dem um drei Sitze geschrumpften Gremium zwei Frauen mehr vertreten sind, ist angesichts der gesellschaftlichen Wirklichkeit von Vorteil. Ebenso erfreulich ist, dass sich in Lisa Späth und Sebastian Wolf jüngere Leute in der Kreispolitik engagieren. Nichts gegen Erfahrung. Aber ein bisschen mehr Pfiff und Mut schaden dem Kreistag nicht.