Göttingen / ALEXANDER WÖRZ Maria Heubuchs Ziel ist das Europäische Parlament. Auf dem Weg dorthin hat die Grünen-Politikerin und Landwirtin in Langenau-Göttingen Station gemacht - im Wohnzimmer des Biolandwirts Georg Weith.

Peer Steinbrück hat im vergangenen Bundestagswahlkampf versucht, mit dem Format Wohnzimmer-Wahlkampf zu punkten. Mit mäßigem Erfolg. Besser machen will es Maria Heubuch aus dem baden-württembergischen Leutkirch im Allgäu. Die Milchbäuerin kandidiert bei der Europawahl am 25. Mai auf Listenplatz 11 der Grünen für einen Sitz im Europaparlament.

Nun hat die 55-Jährige im Langenauer Teilort Göttingen vor knapp 30 Zuhörern auf Einladung des Kreisverbands der Grünen zum Thema "Grün für ein besseres Europa: Massentierhaltung und Agro-Gentechnik" gesprochen. Gastgeber war Georg Weith, Biolandwirt mit Direktvermarktung und selbst Gemeinderats- sowie Kreistagskandidat der Langenauer Grünen. Weith verlegte die Veranstaltung kurzerhand und für eine gesteigerte Wohlfühlatmosphäre in sein geräumiges Wohnzimmer.

Heubuch betonte, dass man genau hinsehe, wo und wie Tierhaltung stattfindet. Wenn eine Arbeitskraft für 1000 Tiere verantwortlich sei, könne das einzelne Lebewesen nicht im Blick behalten werden. "Wir Bauern wollen das nicht. Wir können damit am Markt nicht konkurrieren", sagte sie an die kleinen und mittleren Betriebe gerichtet.

Als langjährige Bundesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft habe sie diese im Blick. Oberstes Ziel des Vereins sei es, den Erhalt möglichst vieler Höfe sicherzustellen.

In ihrer Rede griff Maria Heubuch die Bundesregierung an. Die Tierwohloffensive im Koalitionsvertrag werde ihrem Namen nicht gerecht. Sie sei nichts anderes als "Nebelkerzen" um die Akzeptanz der Bevölkerung in punkto Massentierhaltung zu erhöhen. Deutschland betreibe Exportdumping beim Fleisch und importiere für die Verarbeitung billige Arbeiter zu "elenden Bedingungen".

Die anhaltende fabrikartige Produktion schädigt laut Heubuch die Umwelt. Besonders das Trinkwasser mit teilweise extrem hoher Nitratbelastung nannte sie als Beispiel. Dieser Teufelskreis lasse sich nur beenden, wenn man zeige, wie Massentierhaltung ausschaue.

Heftig kritisierte die Grünenpolitikerin die Enthaltung der Bundesregierung im EU-Zulassungsverfahren für den US-Genmais 1507. Obwohl 80 Prozent der Bevölkerung gegen Agro-Gentechnik seien, habe die Regierung nicht verhindert, dass gentechnisch verändertem Mais Tür und Tor geöffnet sei. Die "Opt-Out-Lösung", wonach EU-Staaten national den Anbau verbieten können, sei wenig hilfreich und halte Pollen und Insekten nicht auf.

Abschließend kritisierte Heubuch das zwischen der EU und der USA "hinter verschlossenen Türen" geplante Freihandelsabkommen, kurz TTIP, als undemokratisch und gefährlich. Besonders der Grundsatz der "gegenseitigen Anerkennung" könnte Standards senken, die dann jeden Bürger im täglichen Leben beträfen.

Zum Abschluss konnte in lockerer Runde mit der Europa-Kandidatin gesprochen werden. Auf ihre Antwort, die Grünen bräuchten 12 Prozent plus X, damit sie es in das EU-Parlament schaffe, bekam sie zu hören: "Dann machen wir das!"