Schule Große Akzeptanz von den Schülern

Annegret Huchler, Trägerin des Deutschen Lehrerpreises 2011, hat sich aus der Schule in Kirchberg verabschiedet.
Annegret Huchler, Trägerin des Deutschen Lehrerpreises 2011, hat sich aus der Schule in Kirchberg verabschiedet. © Foto: Manuela Rapp
Kirchberg / Manuela Rapp 10.09.2018

Das neue Schuljahr beginnt heute, doch eine Institution an der Kirchberger Schule wird fehlen: Annegret Huchler, seit 40 Jahren Lehrerin, davon 26 vor Ort, hat sich mit ihrer letzten neunten Klasse verabschiedet. „Ich hätte noch ein Jahr machen können“, sagt sie, „doch dann hätte ich für diese kurze Zeit die Schule und die Schulart wechseln müssen.“ Der Grund hierfür ist schnell genannt: Die ehemalige Werkrealschule ist jetzt nur noch Grundschule, in der die ersten vier Jahrgangsstufen unterrichtet werden.  „Das wollte ich nicht, ich wollte hier meine Schulzeit beenden“, sagt die Ochsenhausenerin. Und so hat sie sich für den Ruhestand entschieden. „Es war“, resümiert Annegret Huchler sehr emotional, „eine wunderschöne Zeit.“ Gefragt nach dem Höhepunkt ihrer langen Karriere kommt, wie erwartet, die Antwort wie aus der Pistole geschossen: „Die Verleihung des Deutschen Lehrerpreises 2011.“

Zweifel an ihrer Berufswahl hatte die Pädagogin nie. „Seitdem ich zwölf Jahre alt war, wollte ich Lehrerin werden“, sagt sie. Und nein, dafür habe es keinen Auslöser gegeben. Ihr Ziel verfolgte sie konsequent. Und bereut hat sie es eigentlich nicht: „Es gab da nur ganz wenige Tage in all diesen 40 Jahren.“ Rektorin zu werden, hatte sie dabei nie im Sinn: „Ich wollte für die Schüler da sein.“ Sie arbeite eben gerne mit jungen Leuten.“ Was das für sie bedeutet, erklärt sie so: „Mich als Person einzubringen, und meine Lebenserfahrung, dann macht der Unterricht für beide Seiten Spaß.“

Ein Erfolgskonzept. Hätte sie sonst ihre damalige neunte Klasse für den Deutschen Lehrerpreis 2011 vorgeschlagen? „Ich habe nichts anderes gemacht als sonst auch“, meint die 63-Jährige. „Es war die Akzeptanz durch die Schüler und was sie in meiner Person sehen.“ Freilich sei es eine außergewöhnliche Klasse gewesen: „Sie konnte es auf den Punkt bringen, was ich ihr mitgeben wollte.“ Die Pädagogin versteht die Ehrung als Würdigung ihrer Arbeit. „Nur wenige dürfen so etwas erfahren, verdient hätten es viele.“

Studiert hat Annegret Huchler in Reutlingen – Sport als Hauptfach, Mathematik und Psychologie. „Das konnte man sich damals aussuchen“, erinnert sie sich. Überhaupt der Sport: „Er ist wichtiger Bestandteil meines Lebens.“ Kein Wunder, dass sie Diplomsportlehrerin werden wollte. Sie schwärmt vom Gemeinschaftsgefühl in diesem Studiengang. Seit ihrem Dienstantritt im Juli 1978 hat sich aus Huchlers Rückschau eine Menge geändert. „Viele Schüler sind schwieriger geworden, können Autorität nicht akzeptieren“, sagt sie. Zuhause werde sie zum Teil zu wenig auf die Schule vorbereitet. Oft würden nicht mehr die richtigen Werte vermittelt: „So etwas macht das Zusammenleben schwierig.“

Was die Rahmenbedingungen anbelangt, spricht die Lehrerin von viel besserer Ausstattung und einem wesentlich vielseitigeren Umfeld, das sich mehr an den Schülern orientierte. Und noch etwas: „Die Unterrichtsform hat sich kolossal geändert.“ Die Jugendlichen hätten mehr Freiraum: „Sie können sich zum Teil Themen aussuchen und teilweise auch, wann sie etwas machen müssen.“ Der Unterricht sei mehr individualisiert – zum Vorteil der Schüler. Dessen Ziele jedoch seien vorgegeben, erläutert sie. Die Inhalte hält sie immer noch nicht ausreichend genug, um die jungen Leute fürs Berufsleben fit zu machen. Annegret Huchler erklärt: „Vom Lehrplan aus gäbe es noch viele Gestaltungsmöglichkeiten.“

Die von vielen Eltern honorierte Werkrealschule zu schließen, „hat schon etwas wehgetan“, so hat es die gebürtige Nordrhein-Westfälin empfunden. „Diese Anerkennung bekommt man bei Abschlussfeiern mit.“ Sie hebt noch einmal die familiäre Atmosphäre hervor. „Jeder kannte jeden, keiner konnte sich verstecken, niemand ist durch den Rost gefallen.“ Sie habe sich jedem in der Klasse widmen können: „Das geht nur bei kleinen Schulen.“ Die Lehrerin erwähnt aber auch die immer geringer werdenden Schülerzahlen, trotz ‚Grenzgängern’ aus dem Bayerischen.

„Es war schön“, sagt sie noch einmal. Und jetzt? Da glitzert es in Annegret Huchlers Augen: „Ich verreise seit fast 60 Jahren, nun tue ich das das erste Mal außerhalb der Ferien.“

Reisen und Sport nach dem Berufsleben

Lehrerin Annegret Huchler kam 1992 an die Kirchberger Schule und ist zum Schuljahresende 2017/18 in den Ruhestand verabschiedet worden. Sie will nun viel auf Reisen gehen, Oma sein und sich ihrer großen Leidenschaft, dem Sport, widmen.

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