Mit Großaufträgen aus Asien kommt das Blaubeurer Unternehmen Centrotherm aus den Krisenjahren der Photovoltaik-Branche. Es präsentiert sich breiter aufgestellt mit innovativen Produkten. Hintergrund für den am Montag verkündeten 40-Millionen-Auftrag sei, dass immer mehr führende asiatische Photovoltaik-Hersteller auf neue Generationen von Hochleistungs-Solarzellen setzen, erläutert Nathalie Albrecht, Pressesprecherin des Unternehmens. „Der Wettbewerb ist hoch, alle Hersteller wollen leistungsstarke Solarzellen anbieten.“ Centrotherm liefere „durchsatzstarke, leistungsfähige Produktionsanlagen“ für Solarzellen mit einem Wirkungsgrad von mehr als 22 Prozent. Außerdem biete es den Service, die neuen Anlagen in den kompletten Fertigungsprozess von Photovoltaikanlagen zu integrieren.

Im Januar hatte das Unternehmen bereits einen großen Auftrag für seinen Geschäftsbereich Mikroelektronik erhalten: Ein chinesischer Kunde hatte 27 Durchlauföfen zur Bearbeitung von Keramikbauteilen für Mikroelektronik bestellt – bis dahin der größte Auftrag dieses Geschäftsbereichs. Die Nachfrage wachse, weil mikroelektronische Bauteile und Sensoren in immer mehr Alltagsprodukten stecken, erklärt Albrecht. Zum Beispiel in Autos – Stichwort „Autonomes Fahren“. Technologisch sieht sich das Unternehmen gerüstet, den Herstellern solcher Sensoren oder Bauteile entsprechende Produktionsanlagen zu liefern.

Grundlage für das Erschließen neuer Geschäftsbereiche ist die lange Erfahrung des Unternehmens mit thermischen Prozessen und Spezial-Öfen. „Wir sind dabei, uns mit unserer Kernkompetenz in neuen Branchen zu etablieren“, berichtet Albrecht. Das bezieht sich vor allem auf neue Produktionskonzepte für die Herstellung von Carbon- und Keramikfasern. Für die Deutschen­ ­Institute für Textil- und Faserforschung Denkendorf wurde ein Laborofen aufgebaut. Dabei geht es vor allem um die Senkung der Produktionskosten und eine größere Homogenität der Carbon­-Fasern, die zum Beispiel im Flugzeugbau eine immer wichtigere Rolle spielen.

Gründerfamilie Haupteigner

Basis für die Weiterentwicklung von neuen Produkten in den vier großen Geschäftsbereichen Photovoltaik, Halbleiter, Mikroelektronik und Hochleistungsfasern ist sicher die wiedergefundene Stabilität bei den Gesellschaftern. Die Familie Hartung, die das Unternehmen im Jahr 1948 gründete und im Zuge eines Insolvenzverfahrens vor einigen Jahren nur noch eingeschränkt die Geschicke beeinflussen konnte, hält über die „Solarpark Blautal GmbH“ wieder 90 Prozent der Anteile. Vor etwa drei Jahren hatte „Solarpark Blautal“ die Mehrheit an Centrotherm übernommen – mit einer indirekten Beteiligung des katarischen Investors „Qatar Solar Technologies“. Inzwischen bestehe diese indirekte Beteiligung der Investoren aus Katar aber nicht mehr, sagt Pressesprecherin Albrecht.

Gute Auslastung, schwieriges Marktumfeld


Mitarbeiter Das Unternehmen Centrotherm International AG beschäftigt an seinem Stammsitz Blaubeuren rund 400 Mitarbeiter, weltweit etwa 600. Auch aufgrund der Großaufträge sei die Produktion gut ausgelastet, insgesamt soll die Stellenzahl nicht weiter aufgebaut werden.

Ziele Das Umsatzziel fürs Geschäftsjahr 2018 liegt zwischen 110 bis 150 Millionen Euro. Trotz des schwierigen Marktumfelds in der Photovoltaikbranche strebe der Vorstand ein ausgeglichenes Ergebnis 2018 an, hieß es im August bei der jüngsten Vorstellung der Konzerzahlen.