70 Gruppen, tausende Zuschauer und perfekte Rahmenbedingungen: Besser hätte der Fasnetsumzug in Dietenheim alias Ranzenburg nicht laufen können.

„Der Wettergott muss ein Ranzenburger sein“ hörte man immer wieder am Rande des großen Fasnetstags in Dietenheim – und tatsächlich stimmte wirklich alles. Denn bereits morgens beim Kirchenläuten zur ökumenischen Narrenmesse blinzelte die Sonne vom Himmel, so dass die gläubigen Narren in Massen in die Stadtpfarrkirche Sankt Martin strömten. Manch einer scherzte sogar, dass das Ranzenburger Gotteshaus am Fasnetssonntag voller sei als an Weihnachten. Ehrenelferrat Alfred Ritter geriet richtig ins Schwärmen: „Diese ökumenische Narrenmesse ist einmalig im Illertal.“ An Charme und Reizen geizte die von den beiden Stadtpfarrern Gerhard Bundschuh und Thomas Breitkreuz gehaltene Messe jedenfalls nicht. Als Lohn gab’s einen kräftigen Applaus für alle Beteiligten und den gemeinsam intonierten Narrenmarsch. Im Anschluss ging es auf dem Kirchplatz mit der Taufe des neuen Prinzenwagens weiter. Mit dem Segen und 125 Rosen für 125 Jahre Fasnet in der Tasche zog das Prinzenpaar auf dem stattlichen Tollitäten-Gefährt in Richtung Gasthaus „Zur Stadt“ zum Empfang für Spielmannszug, Garden und Co.

2500 Umzugsteilnehmer

Parallel dazu stärkten sich zur Mittagszeit bereits die ersten Kostümierten an den zahlreichen Verpflegungsständen und auch die ersten Besucher sicherten sich ihr Plätzchen entlang der Straßen und Gassen. Besonders beliebt in diesem Jahr schien das neu sanierte Teilstück der Königstraße zu sein, wo sich die Zuschauer in mehreren Reihen hintereinander scharten – aber auch an der restlichen Umzugsstrecke standen zahlreiche begeisterte Schaulustige. Genauso enthusiastisch wie die tausenden Narren am Rand zeigten sich die rund 2500 Umzugsteilnehmer des Jubiläums-Gaudiwurms. Den Großteil der 70 Gruppen stellte dabei die „Ranzenburger Fraktion“ selbst mit vielen phantasievollen Fußgruppen, neun Maskengruppen, dem kompletten Hofstaat samt Garden, Elferräten und Prinzenpaaren sowie der Stadtkapelle und dem Spielmannszug.

Aber auch alle anderen Gruppen aus Nah und Fern lieferten gute Gründe zum Mittanzen, Klatschen und Mitschreien der diversen Narrenrufe. Ein besonders Augenmerk galt dabei dem fidelen und dem närrischen Haufen aus Dietenheim, die anlässlich des 125. Geburtstags der Ranzenburger Fasnet die vergangenen Jahre und Jahrzehnte ihrer Kostüme Revue passieren ließen. Dazu machten die  „Könige von Ranzenburg“, die sich vergangenes Jahr noch als „Olgas von der Wolga“ verkleidet hatten, ihrem Namen alle Ehre: Sie flanierten mit ihren aufwändigen, bunten Kostümen die Umzugsstrecke entlang – mittendrin statt nur dabei unter anderem Stadttheaterchef Peter Schmid und Ranzenburgs „Goldlieferant“ Rudi „Bäste“ Brechenmacher. Auch die mit der Narrenzunft befreundeten Karnevalsgilden, -gesellschaften und –vereine aus Ulm, Nersingen und Au machten mit ihren Regenten und Garden wieder eine gute Figur, genauso wie die aus Ostdeutschland stammenden Landskronfreunde, die seit zehn Jahren im „wilden Westen“ ihr Unwesen treiben.

Nach Umzugsende folgten die großen und kleinen Narren der Devise des Ranzenburger Narrenmarsches und erfreuten sich am „wunderschönen Dreck“ in den Gassen und feierten in der Narrhalla, bei der „After-Umzugs-Party“ der Ranzenburger Hexen auf dem Marktplatz und in der Giaßabar teils bis in den Abend hinein weiter – eben so, wie es sich für eine ordentliche Geburtstagssause gehört.