Vom einfachen „Hoch das Bein!“-Rhythmus bis zur anspruchsvollen Choreographie eines „Motto“-Tanzes ist alles dabei. Schon die Kleinsten schlagen Räder, bauen menschliche Pyramiden, Sechsjährige beherrschen den Spagat. „Der Gardetanz ist die Königsdisziplin im karnevalistischen Tanzen“, sagt Susanne Bimek. 1975 war sie mit dabei, als die Kindergarde der Ranzenburger Narrenzunft gegründet wurde. Rund 20 Kinder waren es insgesamt. Ihre Oma hatte ihr zu dem Anlass eigens ein Kleid geschneidert. Heute leitet Bimek als Koordinatorin die insgesamt vier Garden des Vereins. Als „Hardware der Garden“ bezeichnet sie sich.

Plätze begehrt wie in der Kita

Bimek ist das, was man eine eingefleischte Närrin nennt: Bereits 1992 war sie Prinzessin Susi I., ihr Mann  trat anschließend der Vorstandschaft bei. Noch heute steht Uwe Bimek an der Spitze der Narrenzunft, die  „lauter Eigengewächse hervorbringt“, wie sich das Vorstands-Ehepaar freut. Besonders gilt das für die Tanzgruppen: Schon für die Kindergarde gibt es lange Wartelisten. Maximal 20 Kinder sollte sie fassen, schließlich müssen ja noch alle auf die Bühne passen, sagt Bimek. Die Plätze sind begehrt wie in einer Kita.„Mittlerweile melden die Eltern ihre Kinder schon kurz nach der Geburt bei uns an“, sagt Bimek. Im Grundschulalter ist es dann soweit. Lediglich ein Mädchen konnte in diesem Jahr aufgenommen werden. „Aber 2018 wechseln einige in die Jugendgarde“, meint Bimek, die selber alle Garden durchtanzt hat.

Auch Daniela Stippich und Katrin Kutscher tanzen von Kindesbeinen an. Seit 12 Jahren trainieren die beiden 30-Jährigen die Kindergarde. „Meine Mutter war damals Trainerin, ein Jahr lang konnten wir bei ihr hospitieren, dann haben wir übernommen“, erzählt Kutscher. So sei es auch bei den anderen Garden. Die Prinzengarde etwa wird von zwei Frauen trainiert, die dort selber mitttanzen. Es ist fast wie eine geschlossene Gesellschaft:  Ämter, Funktionen und das Herzblut werden weitergegeben von Müttern, Vätern, Omas und Opas.

Auch die Geschichte des achtjährigen Emil De Pompa klingt so. Aber der aufgeschlossene Junge, der voller Stolz die Kostüme der Narrenzunft trägt, ist dennoch eine Ausnahme. Er ist der erste und bislang einzige Tänzer, der jemals in der Ranzenburger Kindergarde getanzt hat. „Ich komm im Männerspagat viel tiefer als im Frauenspagat“, stellt er fest. Auch das Rad hat er im Sommer daheim geübt, und für den diesjährigen Auftritt auch die schwierigen Schrittfolgen.

Emils Uropa war Gründungsmitglied, der Opa im Elferrat. Die Tante hat die Kindergarde trainiert und die Mama, Nina Graf-De Pompa, schreibt für die Narrenzeitung. Sie hat in diesem Jahr auch das Bühnenbild kreiert. Klar, dass die kleine Schwester Frieda es kaum erwarten kann, auch mittanzen zu dürfen.

Emil ist sozusagen Narr in der vierten Generation. Schon als zweijähriger wollte er zur Kindergarde. „Ich mag Fußball nicht so“, meint er. In seiner Klasse fanden das alle in Ordnung, als er als Erstklässler mit dem Tanzen angefangen hat. Nur ein Junge aus der vierten Klasse habe sich über ihn lustig gemacht. „Aber mein Sohn hat das nötige Selbstbewusstsein“, weiß Mutter Nina.

Das einzige Problem: Es gab kein Gardekostüm für ihn. Deshalb hat man sich den Spielmannszug zum Vorbild genommen und dem Buben ein Leibchen nach Vorbild der Bürgerwehr geschneidert, erinnert sich Susi Bimek. „Er tanzt alles, was die Mädchen auch tanzen“, sagt die Trainerin Stippich. Besonders gefallen Emil Kombi-Tänze, wenn  Kinder- und Prinzengarde einen gemeinsamen Auftritt haben.

Viel Herzblut

Bei der Narrenzunft in Dietenheim steckt echte Leidenschaft hinter vielem.  „Man ist reingewachsen und kommt dann nicht mehr davon los“, sagt Bimek. „Und es ist jedes Jahr traurig, wenn es wieder vorbei ist“, fügt Emil hinzu. Er macht sich jetzt schon Gedanken darüber, ob er im nächsten Jahr Kinderprinz werden könnte. Nur wer seine Prinzessin sein soll, da schwankt er noch zwischen zwei Mädchen aus der Kindergarde.

Leidenschaftliche Tänzer von 6 bis 29


Einen Tänzer in ihren Reihen hat mit dem 15-jährigen Jakob Hornauer auch die Ranzenburger Showtanzgruppe. Ansonsten sind die vier Dietenheimer Garden allerdings in Frauenhand. In der Kindergarde tanzen die Kleinsten, aktuell 16 Kinder zwischen sechs und zehn Jahren. „Sehr viel mehr sollen es auch nicht sein“, sagt Susanne Bimek, Koordinatorin der vier Garden. Mit zehn Jahren wechseln die Kinder dann in die Jugendgarde. 14 Kinder bis 13 Jahre sind dort aktiv.  Weiter geht es mit der Showtanztanzgruppe mit 13 Jugendlichen zwischen 14 und 18 Jahre alt. Die Krönung der Tänzerbiographie ist dann die Aufnahme in die Prinzengarde. Gerade mal elf Mitglieder zählt sie. Das älteste von ihnen ist  29 Jahre alt. lms