Region Gerhard Jahn aus Kammeltal ist der "Kaugummi-Mann"

Region / ADRIENNE BILITZA 20.06.2013
Kaugummi-Automaten? Relikte aus der Kindheit. Lohnt sich der Betrieb heutzutage noch? Sicher. Gerhard Jahn ist Experte für das Geschäft mit den bunten Kugeln. Er betreibt seine Firma seit 28 Jahren.

Man findet sie an Bushaltestellen, an Hauswänden oder einfach so am Straßenrand. Sie locken mit verführerischen Angeboten: Erdbeer-Banane? Chocolate-Cherry? Cola-Geschmack? Oder prickelnd mit Brause gefüllt?

Kaugummi-Automaten kennt jeder noch aus der Kindheit. Für zehn Pfennige ließ sich das Plastikkreuz drehen und eine klebrige Kugel fiel in die kleinen Hände. Und heute? Gibt es die bunten Metallkästen tatsächlich noch? Und stehen immer noch Kinder davor, die gespannt darauf warten, dass eine runde Überraschung für sie durch den Schacht kugelt?

„Der 20-, 30-, 40-Jährige sieht den Automaten gar nicht. Aber fragen Sie mal ein Kind, das weiß genau, wo einer hängt!“ sagt Gerhard Jahn, der selbsternannte „Kaugummi-Mann“. Er muss es wissen: Seiner Firma in Kammeltal im Kreis Günzburg gehören mehr als 3000 Kaugummi-Automaten. Die bevorzugten Standorte: Kindergärten, Schulen, Bushaltestellen. Überall dort, wo es junge Laufkundschaft gibt. Wenn Jahn sich einen neuen Platz für einen Automaten ausgesucht hat, muss er mit dem Haus- oder Grundstückseigentümer abklären, ob er ihn anbringen darf. „Wir brauchen jedes Jahr 300 bis 400 neue Stellen, um die Fluktuation auszugleichen“, erklärt der 50-Jährige. Wenn Häuser abgerissen oder Grundstücke umgebaut werden, muss der Automat weg. Vandalismus sei ebenso ein Problem, das halte sich aber in Grenzen – auch, weil Jahn sich zu helfen weiß: „Früher haben Kinder häufig die Scheiben aufgekokelt. Deshalb haben wir einfach neue entwickelt, die fünfmal so dick sind.“

Seit 28 Jahren betreibt Jahn seine Firma. Seine Automaten hängen überall im südlichen Bayern und Baden-Württemberg. Von Ulm über Nersingen bis ins Allgäu versorgt Jahn seine kleinen Kunden mit bunten Kaugummikugeln und dem, was er „Kleinwaren“ nennt: Schlüsselanhänger, kitschige Plastikringe, Gummitiere und „Sticky“. „Das ist dieses grüne Glibber-Zeug, was Kinder an die Wand werfen und die Mütter dann wegputzen müssen!“ erklärt Jahn. „Sticky“ sei ein Dauerbrenner, das laufe schon seit 30 Jahren gut. Anderer Krimskrams wie Plastikschnuller oder Perlonhalsbänder seien nur ein paar Jahre lang im Trend gewesen. „Man muss immer auf dem neuesten Stand bleiben“, sagt der Experte. In diesem Jahr sei das „Sly Shot Animal“ ein Verkaufsschlager: „Ein Gummitier, mit dem man sich gegenseitig abschießen kann“, erklärt Jahn. Auch bei den Kaugummis gebe es Saisonware: Besonders beliebt sei in diesem Jahr eine Kugel namens „Spooky Eyes“: „Weiß gesprenkelt mit Glupschaugen!“ Seine Ware bezieht Jahn von verschiedenen Firmen – auch aus dem Ausland. „Ein Kaugummi muss verschiedene Anforderungen erfüllen: Geschmack, Größe und Aussehen. Und der Preis ist natürlich auch wichtig.“ Da kann es schon mal vorkommen, dass Jahn bunte Kugeln aus Belgien, den USA oder Irland importiert. Die Behältnisse werden in der Firma befüllt und vor Ort am Automaten ausgetauscht. Alle drei Monate wechselt das Angebot. Insgesamt hat der Inhalt eines Automaten den Wert von 30 Euro.

Verändert habe sich das Geschäft in all den Jahren nicht, sagt Jahn. Mit einer Ausnahme: Die Einführung des Euro. „Da mussten alle Automaten für die neuen Münzen umgestellt werden.“ Auch hier wurde sein kreativer Geist geweckt: „Damit wir keine neuen Münzprüfer brauchen, haben wir die Platte in den alten einfach umgefräst“, sagt Jahn. Eine Änderung gab es mit dem Euro aber doch: Was früher zehn oder 20 Pfennig wert war, kostet heute doppelt so viel. „Das Geschäft rentiert sich“, sagt Jahn. Es passiere auch manchmal, dass Kinder in der Firma anriefen und nach bestimmten Spielfiguren fragten. „Als Erwachsener kann man sich das gar nicht vorstellen. Aber für Kinder ist das was Besonderes, wenn sie sich zum ersten Mal alleine etwas am Automaten holen dürfen. Wir verkaufen Freude, das ist ein tolles Geschäft.“

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