Handel Regionale Produkte: Gerechter Deal für Landwirte

Renate Maier-Tayblum (links) und Sabine Tischer bieten auf dem Wochenmarkt fair gehandelte Waren an. Und wollen so auch mit den Marktbesuchern ins Gespräch kommen.  
 
Renate Maier-Tayblum (links) und Sabine Tischer bieten auf dem Wochenmarkt fair gehandelte Waren an. Und wollen so auch mit den Marktbesuchern ins Gespräch kommen.   © Foto: Diana Prutzer
Diana Prutzer 14.11.2017
Regionale Produkte decken nicht immer den ganzen Bedarf. Daher verkauft die „Fairtrade-Gruppe“ auf dem Langenauer Markt vom Rum über Kuvertüre bis zum Rohrzucker fair gehandelte Produkte.

Das selbstgebackene Apfelbrot kam bei den Marktbesuchern in Langenau besonders gut an. Mit regionalen Produkten wie Äpfeln vom Stand schräg gegenüber und Dinkelmehl aus der Oster­mühle hat es Sabine Tischer gebacken. Doch komplett wird das Rezept erst durch Rum und Kakao. Weil es für diese Zutaten aber keine regionalen Alternativen gibt, legt die Leiterin der „Fairtrade-Stadt Langenau“ Wert darauf, dass es fair gehandelte Produkte sind.

Denn auf dem Wochenmarkt verkaufte und vertrat sie gemeinsam mit Renate Maier-Tayblum die Idee der „Fairtrade-Stadt“. Damit zeigten sie auch ein breites Sortiment an fair gehandelten Backzutaten, die man in der Vorweihnachtszeit brauchen kann.

Weil sich in Langenau schon vor einigen Jahren viele Menschen für den fairen Handel engagierten, brachte Maier-Tayblum, Mitbegründerin des Langenauer Weltladens, die Idee vor den Gemeinderat. 2013 wurde Langenau als erste Kommune in der Region der Titel „Fairtrade-Stadt“ verliehen (siehe Infokasten). Seitdem hat sich die Stadt verpflichtetet, fairen Handel zu unterstützen: Immer mehr Geschäfte und Gastronomiebetriebe bieten und verwenden fair gehandelte Produkte.

„Wir wollen nicht in Konkurrenz treten mit regionalen Produkten“, erklärte Sabine Tischer. „Der faire Handel richtet sich an die Unterstützung der Kleinbauern, also der lokalen Landwirtschaft im sogenannten globalen Süden“. Zu ihm gehören Länder in Lateinamerika, Afrika und Asien. Dort sollen ausbeuterische Produktion, Kinderarbeit und gesundheitsschädliche Arbeitsbedingungen verhindert werden.

Als eine von rund 200  Kommunen hat sich die „Fairtrade-Stadt Langenau“ dabei ein Ziel gesetzt: „Es sollen so viele Einzelhandelsgeschäfte wie möglich überlegen, ob sie nicht das ein oder andere fair gehandelte Produkt in ihr Sortiment mitaufnehmen wollen“, sagte Tischer. Dazu würden neben Lebensmitteln auch Textilien, Blumen oder Kunstgegenstände gehören.

Um sich und den Fairtrade-Gedanken in die Öffentlichkeit zu bringen, ist die Gruppe mit mindestens zwei Aktionen bei größeren Veranstaltungen präsent. Mit kleineren Aktionen wie etwa dem Stand auf dem Langenauer Wochenmarkt wolle man die Menschen in lockerer Atmosphäre erreichen, denn mitmachen könne jeder, der interessiert ist und sich engagieren möchte, sagte Maier-Tayblum.

Dass Fairtrade-Produkte die heimischen bestens ergänzen können, zeigte sich, als Imkerin Barbara Türk ihre Honiggläser auf den Verkaufstisch stellte. Neben Wettinger Honig von Bio-Wiesen stand fair gehandelter Honig aus Mexiko und Guatemala, denn nicht immer decken regionale Produkte den ganzen Bedarf ab.

Langenau in der Vorreiterrolle

Entwicklung „Fairtrade-Stadt“ – als erste Kommune in der Region Ulm/Neu-Ulm hatte Langenau  im Juni 2013 die Kriterien erfüllt, um sich mit diesem Titel schmücken zu können. Gut zwei Jahre zuvor, am 13. Mai 2011, hatte der Gemeinderat beschlossen, sich für diesen Titel zu bewerben. Daraufhin wurde eine Steuerungsgruppe eingerichtet, um alle nötigen Schritte zu koordinieren. Langenau gelang es in der Folge, alle Voraussetzungen zu erfüllen, teilweise zu übertreffen.