Sexuelle Belästigung Geldstrafe höher als der Strafbefehl

Alb-Donau-Kreis / Bernd Rindle 25.08.2018

Sein Annäherungsversuch an einer Bushaltestelle ist nichts anderes als sexuelle Belästigung. Das hatte der Mann bereits schriftlich. Doch nachdem er dem Strafbefehl über 400 Euro widersprochen hatte, musste er jetzt vor dem Amtsgericht Ulm erscheinen – und gab den Unschuldigen: „Ich habe in diesem Fall niemanden sexuell belästigt und will nicht für etwas bezahlen, was ich nicht gemacht habe.“ Dabei hatte ihn die junge Frau, die er nicht angegrapscht haben will, nicht nur auf einem Polizeifoto, sondern auch im Gerichtssaal wiedererkannt: am markanten Gesicht „und seinem schlurfenden Gang“.

Die Zeugin war sicher, den Täter vor sich zu haben, der sich an jenem Freitagnachmittag im März neben sie gesetzt, ihre Wangen und Schenkel gestreichelt hatte „und mich immer küssen wollte“. Deshalb hatte sie ihre Mutter telefonisch zu Hilfe gerufen, die sie wenig später mit dem Auto abholte. Aber die Erleichterung währte nicht lange. Im Blaubeurer Krankenhaus, in dem sie ein Freiwilliges Soziales Jahr absolviert, und er als Reinigungskraft arbeitet, sah die junge Frau den Mann wieder. Dort soll er sich nach Auskunft von Kolleginnen auch nach ihr erkundigt haben.

Der Prozess konnte nur geführt werden, weil zufällig eine Dolmetscherin verfügbar war. Sonst hätte auf September vertagt werden müssen. Fraglich, ob der Angeklagte aus Nigeria dann noch greifbar gewesen wäre, da er „unmittelbar zur Abschiebung ansteht“, wie Richterin Susanne Brückner von der Ausländerbehörde erfahren hatte.

Die Richterin machte den Angeklagten deutlich auf das Risiko aufmerksam. Das Urteil könne durchaus höher ausfallen als der Strafbefehl: In der Verhandlung hatte sich herausgestellt, dass der Angeklagte mit 1000 Euro im Monat mehr verdient als angenommen. „Möchten Sie den Widerspruch zurücknehmen oder wollen Sie es wissen?“, fragte die Richterin. Er wollte es wissen – und muss jetzt 1200 Euro bezahlen.

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