Konzert mit Freiwild Gegen Festival auf die Straße: „Man muss Farbe bekennen“

Friedlich verlief die Kundgebung Laichingen, zu der eine antifaschistische Initiative und weitere Gruppen aufgerufen hatten. Betriebsseelsorger Michael Brugger (am Mikrofon) rief dazu auf, aufzustehen gegen Hass und Hetze.
Friedlich verlief die Kundgebung Laichingen, zu der eine antifaschistische Initiative und weitere Gruppen aufgerufen hatten. Betriebsseelsorger Michael Brugger (am Mikrofon) rief dazu auf, aufzustehen gegen Hass und Hetze. © Foto: Joachim Striebel
Laichingen / Von Joachim Striebel 15.07.2018
Antifaschistische und andere Gruppen haben bei einer Kundgebung in Laichingen Stellung bezogen gegen „Rock dein Leben“.

Es gibt jährlich zwei Veranstaltungen in Laichingen, zu denen jeweils tausende Menschen strömen: Den Ostermarkt und den Pfingstmarkt. Die Menschen der ländlichen Region decken sich ein mit Dingen des täglichen Bedarfs und kommen miteinander ins Gespräch. Und bei den Händlern klingelt die Kasse. Dieses Jahr gibt es eine dritte Veranstaltung, zu der rund 9000 Menschen erwartet werden: Das Festival „Rock dein Leben“, das vom 19. bis 21. Juli auf dem Laichinger Fluggelände über die Bühne gehen wird. Und das gefällt manchen nicht. Den dort auftretenden Bands wie „Frei.Wild“, „Krawallbrüder“, „Unantastbar“, und „Berserker“ werden nationalistische und völkische Worte unterstellt. „Manche der Bands haben eine rechtsradikale Vergangenheit“, hieß es in einem Aufruf des „Bündnis gegen Rechts Ulm/Neu-Ulm“ zur Teilnahme an einer Kundgebung und Info-Veranstaltung in Laichingen. Motto: „Laichingen muss bunt bleiben.“

Rund 70 Menschen – oder auch 90, wenn die auf der anderen Straßenseite stehenden Zuschauer mitgezählt werden – waren am Samstagnachmittag dem Aufruf gefolgt. Auch die Laichingerin Angela Breitinger. Das Rockfestival ist für sie ein Anlass, vierzig Jahre nach einer Demo gegen Atomraketen in Mutlangen wieder auf die Straße zu gehen. „Man muss da einfach Farbe bekennen“, sagt die Frau, die sich Texte der Gruppen im Internet angeschaut hat. „Es ist einfach nicht wahr, dass sie harmlos sind“, sagt sie. „Ich möchte auch kundtun, dass ich enttäuscht bin vom Flugsportverein, der ja selber Jugendarbeit betreibt.“ Wie berichtet, stellt der Verein sein Gelände zur Verfügung.

Brief an den Verein

Die Kundgebung in Laichingen auf einem kleinen Platz bei Photo Porst an der Bahnhofstraße war von der Gruppe „Antifaschistische Linke Rems-Murr“ (kurz: „Alarm“) bei den Behörden angemeldet worden. Philipp Schneider von „Alarm“ liest dort aus einem Brief an den Flugsportverein vor, in dem die Verantwortlichen gefragt werden, ob sie Laichingen wirklich zu einer Gemeinde machen wollen, „die bundesweit mit einem rechtsoffenen Festival in Verbindung gebracht wird“.

„Ich habe nichts gegen den Verein“, sagt der Laichinger Christian Killius am Rande der Kundgebung. Es spreche aber einiges dafür, dass manche der Bands eine entsprechende Vergangenheit hätten. „Eine bestimmte Art von Rockmusik kann eine Einstiegsdroge sein“, meint der Lehrer. Die Ulmer SPD-Bundestagsabgeordnete Hilde Mattheis spricht am Mikrofon von Texten „der Ausgrenzung und Diskriminierung“. Es seien Inhalte, „die ein anderes Deutschland wollen.“ Dagegen müsse man auf die Straße gehen, sagt die Politikern und betont die Verpflichtung Deutschlands zur Aufnahme von Flüchtlingen.

Antje Trosien vom „Bündnis gegen Rechts“ Ulm/Neu-Ulm hat sich Texte der angekündigten Gruppen angeschaut und Formulierungen wie „Morgen die Welt“ und „Hart wie Krupp-Stahl“ entdeckt. Da seien doch Parallelen zum Sprachgebrauch von damals zu erkennen. Der katholische Betriebsseelsorger Michael Brugger aus Ulm ruft dazu auf, aufzustehen „gegen Hass und Hetze“. Er rät denen, die zum Festival gehen: „Schauen Sie sich gut an, welche Botschaften da kommuniziert werden.“

Einige junge Leute, die während der Kundgebung am Rand stehen, werden auf jeden Fall hingehen. Sie haben schon vor Monaten Karten gekauft. Sie haben schon ähnliche Festivals erlebt und loben die familiäre Atmosphäre. „Wir wollen Spaß haben“, sagt einer und betont: „Wir sind keine Nazis.“ Die Anwesenheit der kleinen Gruppe verunsichert die Verantwortlichen der Kundgebung. Zu einer Konfrontation kommt es nicht. Die Festival-Befürworter wechseln die Straßenseite.

Auch der Laichinger Dietmar Hensler hat schon derartigen Konzerte besucht und „nichts Anstößiges“ gefunden. „Die sagen halt, was sie denken.“ Ein älterer Laichinger hält die Kundgebung der linken Gruppen für völlig unnötig. „Es ist doch alles geprüft und beschlossen.“ Krampfhaft werde versucht, in Texten der Musikgruppen Nazi-Parolen zu sehen.

Die „Antifaschistische Linke“ unterstellt den Veranstaltern aus Winnenden keine politische Absichten, wie eine Sprecherin während der von der Polizei beobachteten rund eineinhalbstündigen Kundgebung sagt: Die wechseln von links nach rechts „solange die Kasse klingelt“.

Drei Tage Fest auf dem Fluggelände

Festival Das Festival „Rock dein Leben“ auf dem weitläufigen Gelände des Flugsportvereins Laichingen beginnt am Donnerstag, 19. Juli, um 14 Uhr und läuft bis Samstag, 21. Juli. Tagestickets kosten zwischen 14,90 und 54,90 Euro. Die Gebrüder Kamm als Veranstalter und der Flugsportverein haben ein detailliertes Sicherheitskonzept erarbeitet, das mit den Behörden abgestimmt ist.

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