Rockkonzert Festival in Laichingen: Gegen-Demo und Polizeipräsenz

Die Polizei wird bei dem Festival in Laichingen verstärkt präsent sein. (Symbolbild)
Die Polizei wird bei dem Festival in Laichingen verstärkt präsent sein. (Symbolbild) © Foto: dpa
Laichingen / Thomas Steibadler 27.06.2018
Nicht nur Bürgermeister Kaufmann befürchtet, dass bei dem Festival in Laichingen rechtsradikale Ansichten verbreitet werden.

„Nicht therapierbar“ heißt ein Titel der Band Krawallbrüder. Eine Textzeile darin lautet: „Was uns bis heute nicht getötet, macht uns härter noch als Krupp-Stahl, macht uns freier als den Wind Und zäher als die andern sind.“ Die Krawallbrüder gehören zu den Bands, die beim Festival „Rock Dein Leben“ vom 19. bis 21. Juli in Laichingen auftreten sollen. Ferner sind Gruppen wie Freiwild, Berserker Berlin und Grober Knüppel angekündigt.

Auch wenn Veranstalter Andreas Kamm aus Winnenden sich selbst als Antifaschist bezeichnet, stehen viele der Bands, die er verpflichtet hat, im Verdacht, rechtsradikale Gedanken zu verbreiten. Dieser Ansicht ist auch der Laichinger Bürgermeister Klaus Kaufmann, der sich einige der Texte angeschaut hat. Aus diesem Grund ist Kaufmann alles andere als glücklich über das dreitägige Festival auf dem Gelände des Flugsportvereins. „Laichingen ist eine liberale Stadt, und für meinen Geschmack passt das nicht nach Laichingen.“

Gleichwohl will sich Kaufmann unter die Festivalbesucher mischen. „Ich werde hingehen und schauen, was passiert“, kündigt der Bürgermeister an.

Das Sicherheitskonzept des Veranstalters hat die Stadt bereits genehmigt. Dieses Konzept ist auch von der Polizei „eingehend geprüft“ worden, wie ein Sprecher des Polizeipräsidiums Ulm sagt. Auch mit dem Veranstalter seien Absprachen getroffen worden, die Zusammenarbeit mit Kamm sei bislang „durchweg positiv“ verlaufen. Die Polizei habe „keine Erkenntnisse, die gegen eine Zuverlässigkeit des Veranstalters sprechen“.

Die Polizei hat sich nach Auskunft des Sprechers auch mit den angekündigten Bands beschäftigt. Gegen keine der Gruppen bestehe ein Auftrittsverbot, keine habe einen indizierten Titel im Programm. Was das Publikum anbetrifft – der Veranstalter rechnet mit bis zu 9000 Festivalgängern –, geht die Polizei von Besuchern „aus allen gesellschaftlichen Gruppen und Schattierungen“ aus. Das zeigten Erfahrungen mit bisherigen Auftritten der beteiligten Musikgruppen.

Andere Erfahrungen haben linke Gruppierungen wie das „Kollektiv 26“ in Ulm gemacht. Sie befürchtet, dass sich „Rechtsradikale unter die Menge mischen, um für ihre Gruppen und illegalen Konzerte“ zu agitieren.

Im Internet kursiert bereits ein Aufruf für eine Demonstration „gegen das größte rechte Rockfestival in Süddeutschland“. Die Demo soll demnach am Samstag, 14. Juli, auf dem Marktplatz in Laichingen stattfinden. „Laichingen ist kein Ort für ein rechtsoffenes und ausländerfeindliches Festival“, heißt es unter anderem in dem Demonstrationsaufruf.

Bei der Stadtverwaltung war die Demonstration bis Mittwoch nicht angemeldet. Aus diesem Grund könne er auch nichts über mögliche Sicherheitsauflagen sagen, lautet die Auskunft von Bürgermeister Kaufmann. Die Polizei werde an diesem Tag in Laichingen Präsenz zeigen, kündigt deren Sprecher an, und sowohl die Demonstranten als auch mögliche Befürworter des Festivals beobachten: „Alle müssen sich bei ihren Aktionen an Recht und Gesetz halten.“

Für die Polizei bedeuten Gegen-Demo und Festival vor allem eines: Arbeit. Und das kurz vor und während der Ulmer Schwörwoche. Solche Terminüberschneidungen seien keine Seltenheit, sagt der Sprecher. Das Präsidium stelle sich bei der Kräfteplanung darauf ein.

Stadtkapelle Laichingen spielt beim Frühschoppen

Blasmusik „Kein Problem“ habe die Stadtkapelle Laichingen, am Samstag, 21. Juli, beim Festival „Rock-Dein-Leben“ aufzutreten. Das sagte deren Vorsitzender Alexander Schmidt. Der Veranstalter habe bei der Kapelle angefragt, ob diese bei beim Frühschoppen am Samstag spielen könne. Mit Politik habe die Kapelle nichts am Hut. Ihr sei wichtig, traditionelle Blasmusik spielen zu können. Rund zwei bis zweieinhalb Stunden werden die Laichinger Musiker laut Schmidt auf dem Flugplatzgelände wohl spielen. Die Befürchtung, dass zu dem Festival Neonazis kommen, teilt Schmidt nicht: „Die laufen da nicht auf.“ Und mit der Hauptgruppe Freiwild habe er überhaupt kein Problem: „Die haben schließlich den Echo
gewonnen.“  mäh

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