Raupe Eichenprozessionsspinner verbreitet sich in der Region

Der Eichenprozessionsspinner baut Gespinstneste an die befallenen Bäume.
Der Eichenprozessionsspinner baut Gespinstneste an die befallenen Bäume. © Foto: Richard Färber
Region / Annika Schleithoff/Thomas Hehn 25.04.2018
Der Eichenprozessionsspinner tritt immer häufiger auf – auch in der Region. Der Schädling stellt vor allem für den Menschen eine Gefahr dar.

Der Frühsommer ist die Zeit des Eichenprozessionsspinners: Ende April bis Anfang Mai schlüpfen die Raupen, die sich nach der Verpuppung im Juli zu Schmetterlingen entwickeln. Auch in der Region kommt der Schädling vermehrt vor.

Das Problem: Die Raupen des Eichenprozessionsspinners können für den Menschen gefährlich werden, allergische Reaktionen auslösen. Zu den Symptomen gehören Hautausschläge und Augenreizungen. Das Einatmen der feinen Härchen kann auch zu vorübergehenden Asthmaanfällen führen. Wenn die Schmetterlinge die Gespinstnester verlassen, bleiben dort die hautreizenden Nesselhärchen zurück und können vom Wind verweht werden.

Besonders problematisch wird es etwa, wenn ein befallener Baum im Ort oder nahe eines Spielplatzes am Waldrand steht. Vergangenes Jahr musste Anfang Juni die Waldwoche des Gussenstadter Kindergartens abgebrochen werden, weil mehrere Kinder plötzlich über Juckreiz und Brennen auf der Haut klagten. Damals vermutete man als Ursache den Eichenprozessionsspinner. Um dieselbe Zeit war auch ein Jäger im betreffenden Waldstück unterwegs – in kurzen Hosen. Als er mit roten Waden heimkam, vermutete man noch einen Sonnenbrand. Weil die Schmerzen immer schlimmer wurden und die Haut bereits Blasen warf, ging er ins Krankenhaus. Dort wurde als Ursache eindeutig das Gift der Eichenprozessionsspinners als Ursache diagnostiziert. Der Jäger musste mehrere Wochen stationär behandelt werden, bis er wieder entlassen werden konnte.

Im Wald seien keine größeren Schutzmaßnahmen vorgesehen, erläutert Herbert Aichholz, stellvertretender Leiter des Forstamtes Göppingen. „Wir können die Leute nicht komplett aussperren.“ Schließlich gebe es im Wald immer Risiken, wie Zecken oder die Gefahr herunterfallender Äste. Nur bei starkem Befall in stark frequentierten Bereichen, wie zum Beispiel an Lehrpfaden oder neben Schwimmbädern, würden die betroffenen Gebiete abgesperrt und die Gespinste von Fachunternehmen abgeflammt und abgesaugt.

Bislang ist Aichholz noch kein Befall durch den Eichenprozessionsspinner bekannt. Experten erwarten jedoch, dass die Populationszahlen in Zukunft weiter ansteigen und verweisen auf den Klimawandel: Dass der ursprünglich nur in wärmeren Gefilden vorkommende gefährliche Schädling inzwischen auch auf der Albhochfläche auf dem Vormarsch ist, liege an den in den vergangenen Jahren insgesamt steigenden Temperaturen, vermuten Fachleute. Wenn es im Frühjahr, wie jetzt gerade, trocken und schon recht warm ist, komme das den Schädlingen zusätzlich entgegen.

Für die Bäume ist der Eichenprozessionsspinner übrigens kein Problem, versichert Aichholz. Wenn die Prozessionsspinner die Blätter eines Baumes abfressen, stecke der das über neue Triebe locker weg.

Schwammspinner bedroht Wälder

Schädling: Auch der Schwammspinner kommt immer häufiger vor: ein Schmetterling, dessen Raupen die frischen Blätter und Regenerationstriebe der Bäume fressen. In der Folge wird der Baum geschwächt, anfällig für Krankheiten und kann sogar absterben.

Bedrohung: In Nordbayern sind Eichenwälder massiv vom Schwammspinner bedroht. Im Alb-Donau-Kreis und Kreis Neu-Ulm tritt der Schädling aber nur selten auf. Probleme seien bisher nicht bekannt, berichtet Forstamtsleiter Axel Heiß. dpa/as

Borkenkäfer schon fleißig unterwegs

Im Gegensatz zum Eichenprozessionsspinner ist der Borkenkäfer schon fleißig unterwegs: Der Böhmenkircher Revierförster Wolfgang Mangold hat in seinen Lockstoff-Fallen bereits fünf Mal mehr Käfer gesammelt als üblich. „Wenn es im Mai weiter so trocken und warm bleibt, wird’s brutal“, befürchtet Mangold die nächste Borkenkäferplage.

Der nur einen bis zwei Millimeter große Schädling bohrt sich an Nadelbäumen in den Baum und legt unter der Rinde seine Eier ab. Die geschlüpften Larven fressen sich durchs Kambium und schneiden die Wasserversorgung ab und der Baum stirbt. hn