Laichingen Gedenkfeier an Absturzstelle

Werner Salzmann mit einem Foto der Crew, die in der abgestürzten Maschine saß. Links ist der einzige Überlebende Albert B. zu erkennen.
Werner Salzmann mit einem Foto der Crew, die in der abgestürzten Maschine saß. Links ist der einzige Überlebende Albert B. zu erkennen. © Foto: Joachim Lenk
Laichingen / JOACHIM LENK 06.02.2015
Vor 70 Jahren ist ein Bomber der Royal Air Force bei Laichingen mit sieben Besatzungsmitgliedern abgestürzt. Es gab sechs Tote und einen Überlebenden. Nachfahren treffen sich im März am Unglücksort.

Es ist der 16. März 1945, kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges. Deutschland wird ununterbrochen von den Alliierten aus der Luft bombardiert. An diesem Tag starten 277 viermotorige Lancaster der Royal Air Force (RAF) in ganz Großbritannien. Im englischen Lincolnshire südlich von Humber an der Ostküste geht die No. 103 Squadron RAF mit 15 Flugzeugen dieses Typs in die Luft. Ihr gemeinsames Ziel ist Nürnberg in rund 850 Kilometer Entfernung. An Bord der Maschine mit der Kennung NN 758 befinden sich drei Engländer und vier Kanadier. Die jungen Soldaten sind zwischen 19 und 23 Jahre alt. Nürnberg ist wegen der Rüstungsindustrie ein wichtiges Angriffsziel der alliierten Bomber. Deshalb wird an diesem 16. März bereits der vierte Angriff im Jahr 1945 auf die Südstadt geflogen, bei dem es 517 Tote gibt.

Nach dem verheerenden Bombardement fliegen die Maschinen zurück nach England. Nicht alle treffen wieder wohlbehalten ein. 24 der 277 Flugzeuge werden vom Boden aus sowie aus der Luft abgeschossen. "NN 758" ist das Ziel eines deutschen Nachtjägers des Nachtjagdgeschwaders 6, von denen die alliierten Piloten besonders viel Angst haben. Eine "Messerschmitt Bf 110" landet mit ihren 20-mm-Bordkanonen einen Volltreffer. Die RAF-Maschine fängt Feuer und verliert an Höhe. Sie passiert noch Merklingen zwischen der Autobahn und der Kirche, beobachten Zeitzeugen. Sekunden später, knapp zwei Kilometer nördlich von Laichingen, im Bereich des Gemeindeverbindungsweges Richtung Hohenstadt stürzt die Lancaster im Gewann Weidstetten ab.

Die Besatzung hatte noch versucht, sich mit Fallschirmen zu retten. Einzig und allein der 19-jährige Rumpfschütze Albert B. aus Toronto (Kanada) überlebte den Absturz mit leichten Verletzungen. Seine sechs Kameraden kamen alle ums Leben. Ihre Fallschirme hatten sich zu spät geöffnet, oder sie hatten es nicht mehr rechtzeitig geschafft, die abstürzende Maschine zu verlassen. Die Toten wurden wenig später außerhalb des Laichinger Friedhofes, neben der Mauer im Nord-Osten, mit einem schlichten Holzkreuz mit der Aufschrift "Sechs unbekannte englische Flieger" beerdigt. Albert B. kam ins Kriegsgefangenenlager nach Ludwigsburg.

Seit Mitte 2013 steht fest, dass der inzwischen 88-jährige Kanadier noch lebt. Das hat Werner Salzmann in mühevoller Recherche für den Geschichtsverein Laichinger Alb herausbekommen. Der 57-jährige Kraftverkehrsmeister, der von seinem Vater schon in jungen Jahren von dem Absturz erfahren hatte, arbeitet seit einigen Jahren in seiner Freizeit an der Aufarbeitung dieses schweren Unglücks. Unterstützung bekommt er nicht nur von den Mitgliedern des Geschichtsvereins, sondern auch von Otmar Gotterbarm aus Münsingen, der das Buch "Die Abgestürzten: Der Luftkrieg am 25. und 26. Februar 1944 über Augsburg und der Schwäbischen Alb" veröffentlicht hat.

Vergangenes Jahr hat Salzmann den Ex-Flieger Albert B. der nach seinem Wehrdienst Feuerwehrmann wurde, in Toronto besucht und viele Stunden lang mit ihm gesprochen. Dabei ging es um seine Einsätze, den Absturz, die Gefangennahme und die Rückkehr in die Heimat. Außerdem besuchte der Älbler noch einen Verwandten von Alastair C. Watt in der Nähe von Ottawa, der Hauptstadt von Kanada. Watt war der 21-jährige Pilot der Unglücksmaschine.

Die sterblichen Überreste von Watt und seinen Kameraden sind nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges auf den britischen Militärfriedhof im bayerischen Dürnbach am Tegernsee überführt worden.

Inzwischen hat es sich bei anderen Hinterbliebenen der gestorbenen RAF-Soldaten über entsprechende Foren im Internet herumgesprochen, dass Salzmann die Geschichte des abgestürzten Bombers recherchiert hat. Nachkommen des Piloten, des Navigators, des Funker und des Bordmechanikers planen, Ende März nach Laichingen zu kommen, um an einer Gedenkfeier an der Absturzstelle teilzunehmen, die Salzmann zusammen mit dem Geschichtsverein organisiert. Ein Empfang beim Laichinger Bürgermeister Klaus Kaufmann ist ebenfalls vorgesehen. Im Heimatmuseum gibt es parallel dazu eine Ausstellung, wo ein paar kleine Teile des abgestürzten Flugzeuges, Fotos und Unterlagen aus den Archiven zu sehen sind. Ein Vortrag über die Geschehnisse am 13. März 1945 ist ebenfalls vorgesehen.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel