Langenau Geburtsstation im Langenauer Krankenhaus schließt auch

Das Langenauer Krankenhaus samt Gesundheitszentrum: Von Juli an werden dort keine Kinder mehr zur Welt kommen können. Der Landeskrankenhausplan sieht dort keine Geburtshilfe mehr vor. Dafür wird in die Ambulanz und die Intensivmedizin investiert.
Das Langenauer Krankenhaus samt Gesundheitszentrum: Von Juli an werden dort keine Kinder mehr zur Welt kommen können. Der Landeskrankenhausplan sieht dort keine Geburtshilfe mehr vor. Dafür wird in die Ambulanz und die Intensivmedizin investiert. © Foto: Siegfried Geyer
Langenau / Matthias Stelzer 25.04.2017
Die Krankenhaus GmbH des Alb-Donau-Kreises muss den Landeskrankenhausplan umsetzen. Dafür sollen in den Standort an anderer Stelle 7,6 Millionen Euro investiert werden.

Von Juli an gibt es keine neuen gebürtigen Langenauer mehr. Wolfgang Schneider, der Geschäftsführer der Krankenhaus-Gesellschaft des Alb- Donau-Kreises, gab sich bei einer Pressekonferenz in Langenau alle Mühe, diese Nachricht möglichst unaufgeregt zu transportieren. Kein großer Bahnhof mit Landrat und Co. Nur er und Klinik-Pressesprecherin Daniela Rieker empfingen im so genannten Separee, einem Nebenzimmer des Krankenhaus-Restaurants.

Land ließ nicht mit sich reden

Dort berichtete Schneider, umgeben von Stellwänden mit Bauplänen, zuerst von umfangreichen Investitionsvorhaben. Entstehen soll bis 2020 eine interdisziplinäre Ambulanz mit Notaufnahme, eine Abteilung für Intensivpatienten und eine ausgebaute Rheumatologie. Außerdem soll bald ein Computertomograf im kleinen Langenauer Krankenhaus stehen. „Damit verbessern wir das medizinische Leistungsspektrum für die Bevölkerung am Standort Langenau spürbar und nachhaltig“, kommentierte der Krankenhaus-Geschäftsführer die etwa 7,6 Millionen Euro schweren Ausbauvorhaben.

Dann die andere Botschaft an die Langenauer Bevölkerung: „Es ist allerdings auch eine Anpassung an den Landeskrankenhausplan nötig. Dieser sieht vor, die Abteilung Gynäkologie und Geburtshilfe zu schließen.“ Seit dem Jahr 2012 werde das Krankenhaus in Langenau als Teil des einheitlichen Alb-Donau Klinikums geführt und sei vom Stuttgarter Sozialministerium und dem Regierungspräsidium Tübingen (RP) nur mit einer befristeten Betriebsgenehmigung für die Geburtshilfe bedacht worden.

In Verhandlungen und nach Prüfung der damaligen Entscheidung habe das RP nun neuerlich einen „Feststellungsbescheid“ erlassen. „Das tut uns weh. Aber wir hatten auch keine Möglichkeit mehr, das zu ändern“, sagte Schneider. Sowohl der Landkreis als Krankenhausträger wie auch die Geschäftsführung  hätten die Geburtenstation, in der im vergangenen Jahr 274 Kinder zur Welt kamen, gerne weitergeführt.

Bei der ADK GmbH rechnet man jetzt, nach Bekanntgabe der Schließungsnachricht, mit Protesten oder zumindest Anteilnahme. Deshalb wurde ein Erinnerungsprojekt aufgesetzt. „Wir denken mit Freude an die mehreren tausend Babys, die in den letzten Jahren in der Geburtsklinik Langenau auf die Welt gekommen sind. Diese schönen Erinnerungen wollen wir gerne festhalten“, sagte Schneider.

Familien sind nun aufgefordert Bild und Texte, die an eine Langenauer Geburt erinnern, bei der Krankenhaus GmbH einzureichen. Eine spezielle Homepage und, wie Schneider ankündigte, vielleicht ein Buch sollen so entstehen. Gesammelt wird über die Mailadresse geboren-in-langenau@adk-gmbh.de. Eine sprechende Adresse, die fast schon an die emotionalen und strittigen Debatten um die die Schließung der Illertisser Geburtshilfestation auf bayerischer Seite und die dort gegründete Bürgerinitiative „Geboren im Süden“ erinnert.

Wolfgang Schneider weist darauf hin, dass die Frauen aus Langenau und Umgebung ihre Kinder künftig auch im benachbarten Bundesland bekommen können. Neben Ulm und Heidenheim nannte er Günzburg und Neu-Ulm als Ausweichadressen für die Zeit nach dem 30. Juni. All diese Krankenhäuser befinden sich in einem Umkreis von höchstens 25 Kilometern. Außerdem gibt es die beiden Geburtshilfestationen des Alb-Donau Klinikums in Ehingen und Blaubeuren. Dort soll künftig auch das Fachpersonal aus Langenau beschäftigt werden. „Wir bieten allen einen Arbeitsplatz zu gleichen Konditionen an“, versprach Schneider.

Politischer Wille ist da

„Es geht gut weiter für das Krankenhaus Langenau“, lautet das Credo Schneiders. Das lasse auch der politische Wille des Trägers erkennen. „Die 7,6 Millionen Euro sind die bislang größte Einzelinvestition ins Akutkrankenhaus“, sagte er. Einen Großteil dieser Summe, wohl wenigstens sechs Millionen Euro, trage der Landkreis. 2018 werden die Bauarbeiten laut Schneider beginnen und sollen dann rund zwei Jahre dauern. Wolfgang Schneider: „Langenau wird so wirtschaftlich mittelfristig gestärkt.“

Das Langenauer Krankenhaus

Gesundheitszentrum
Das Langenauer Krankenhaus ist 100 Betten der kleinste Standort des  Alb-Donau Klinikums. Ihm angeschlossen ist ein Medizinisches Versorgungszentrum sowie ein Gesundheitszentrum mit einer Apotheke, einem Fitnessstudio, einem Physiotherapiebereich  und weiteren medizinnahen Angeboten. Im Krankenhaus selbst sind derzeit 230 Mitarbeiter beschäftigt.

Alb-Donau Klinikum
Drei Krankenhäuser, ein Klinikum. Das Alb-Donau Klinikum hat mit Langenau, Blaubeuren und Ehingen drei Standorte. Insgesamt 375 Betten betreibt die vom Alb-Donau-Kreis getragene ADK Krankenhaus GmbH mit gut 1100 Mitarbeitern auf diese Weise. Wie landesweit üblich, war auch in den ADK-Kreiskliniken zuletzt keine Kostendeckung zu erzielen. Der Betrieb des dezentralen Krankenhaus-Netzes kostete den Landkreis zuletzt 4,8 Millionen Euro.  

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