Freizeit Gebremst von der Kälte

Laichingen / Sabine Graser-Kühnle 27.08.2018

Sonntagvormittag, kurz nach 10 Uhr in der Daniel-Schwenkmezger-Halle, wo die Anmeldungen für die Leinenwebertour des MSC angenommen werden. Nur an einer von vier Kassen herrscht Betrieb, dort stehen Birgit Schwenkedel und ihr neunjähriger Sohn Fabian. MSC-Vorsitzender Albrecht Straub unterhält sich mit Wolfgang Stäudle und Walter Karas, zwei der insgesamt 60 Helfer dieser Leinenwebertour. Sie sind enttäuscht. Bisher sind gerade mal 360 Radler an den Start gegangen und die Radler melden sich nur „tröpflesweise“ weiter an, meint Karas.

„Ob wir meinen Tipp von 398 Startern noch toppen?“ Wolfgang Stäudle bezweifelt, dass er diese vereinsinterne Wette gewinnen kann. Warum diesmal vor allem die langen Touren, der 202 Kilometer lange Marathon und die Strecken mit 152, 118, 94 und 53 Kilometern Länge vergleichsweise wenig Zuspruch finden, glauben die drei in den Morgentemperaturen begründet zu wissen. Immerhin war Start für den Marathon schon am frühen morgen von 5.30 Uhr an, die Touren eins bis drei konnten von 6 bis 9 Uhr gestartet werden. Um 6 Uhr hatte es vor der Halle gerade mal fünf Grad Celcius. Ein Wetter zum Skifahren, aber nicht zum Radeln, witzelt ein Tourteilnehmer.

Mittlerweile haben die Schwenkedels ihre Anmeldung beendet und bringen die Startnummern an ihren Rädern an. „Wow“, freut sich Fabian, „jetzt habe ich endlich mal eine Startnummer beim Radfahren, deshalb wollte ich schon immer bei der Leinenwebertour mitfahren.“ Mama und  Sohn steigen auf ihre Drahtesel und los geht es. Hinter ihnen bereiten sich die Familien Siebrand vor: drei Generationen starten in einer Gruppe die 20 Kilometer lange Familientour: Opa und Oma Kurz, die vierjährige Emelie auf dem Kinderrad, hinter ihr ihre Mama. Und Papa Siebrand hat im Hänger Jonas, den Jüngsten der Familie. Frohgemut treten die fünf Nellinger in die Pedale.

Kurz vor ihnen sind zwei ältere Herren mit E-Bikes gestartet. „Wir sind gefühlt zum 20. Mal dabei“, meint Andreas Ruhland aus Merklingen. Früher noch ohne Unterstützung mit dem Elektromotor. Sein Freund Gerhard Buck ist einst gar den Marathon mit reiner Muskelkraft gefahren. „Wir sind eben im Alter für E-Bikes“, lacht Ruhland und radelt los. Sie gehören zur kleinen Minderheit der Tourteilnehmer.

In der Halle kommt derweil Freude auf: Die 400-er-Marke ist geschafft. Am Ende sind tatsächlich 415 Radler gestartet. Während aus der Küche der Halle der Schweinebraten duftet, radeln die Teilnehmer je nach Tour über die Laichinger Alb nach Donnstetten, an den Albtrauf zum Krebsstein, über Zainingen rein in den einstigen Truppenübungsplatz. Die längeren Touren führen über Gomadingen Marbach nach Münsingen-Auingen, der Marathon geht über Bernloch und Pfronstetten nach Wimsen und Mehrstetten und über Suppingen, Scharenstetten nach Aufhausen zurück nach Laichingen. Bis zu fünf Verpflegungs- und Kontrollstellen müssen passiert werden.

An der Heroldstatter Stelle müssen alle Tourteilnehmer vorbei. Als Erstes greifen die meisten Radler zur heißen, deftigen Brühe und zum salzigen Schmalzbrot: begehrte Energielieferanten. Saftschorle und frisches Obst sind ebenso beliebt. Am Heroldstatter Knotenpunkt trifft eine knappe Dreiviertelstunde nach ihrem Start die Drei-Generationen-Familie ein. „Ooh, das war so toll“, schwärmt Emelie, sie sei fast alles alleine gefahren. „Aber da war sooo ein großer Berg.“ Sie sei sogar weiter als bis zum mit der Mama vereinbarten Punkt gefahren, „aber dann hat man mich geschoben“.

Die Münsingerin Marika Illig und ihre Schelklinger Freundin Nadine Rötzer kommen mit nahezu profimäßigen Rädern in Heroldstatt an, haben ihre 94 Kilometer fast hinter sich. „Die meisten Starter der drei großen Touren haben hochwertige Räder“, hat Wolfgang Stäudle festgestellt. Für Nadine Rötzer ist ein gut ausgestattetes und leichtes Rad ein Muss: „Ich mache bei großen Triathlon-Wettbewerben mit, da muss man ein solches Rad haben, wenn man mithalten will.“ Manche Fahrer sind scharf auf Punkte des Verbands der Radfahrer.

Die Lockungen der Leinenwebertour sind unterschiedlich: Für Günther Stier aus Schwäbisch  Gmünd besteht der Reiz der Leinenwebertour darin, dass sie durch das Biosphärengebiet führt: „Da fahre ich mal nicht nur dran vorbei, sondern bin mittendrin.“ Der Stuttgarter Steffen Lang, langjähriger Gast auf dem Westerheimer Campingplatz, freut sich auf eine gut vorbereitete und organisierte Tour und selbst die Triathlethin kann bei ihrer Fahrt immer noch die „wunderschöne Alb-Landschaft genießen“.

Anerkannt vom Bund Deutscher Radfahrer

Punkte Die Touren der Laichinger Leinenwebertour gelten als Radtourenfahrten im  Bund Deutscher Radfahrer. Die Teilnahme gibt begehrte Punkte. Klar, dass das immer mehr „Halbprofis“ lockt, meint Wolfgang Stäudle vom Organisationsteam. Die gestrige Leinenwebertour war bereits die 34. Bei der ersten Veranstaltung im Jahr 1985 hatte der MSC nur zwei Strecken über 40 und 70 Kilometer angeboten.

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