Balzheim Gartenbauer und Selbstversorger Scheuffele lebt in Balzheim seinen Traum

Balzheim / REGINA FRANK 28.08.2015
Friedrich Scheuffele macht keine Werbung. Kein Schriftzug benennt auf den Fahrzeugen des Gartenbauers den Inhaber. Kein Schild weist den Weg zu seinem Betrieb. Friedrich Scheuffele (60) lebt und arbeitet so frei und autark es geht. In einem Anwesen, das einem kleinen Paradies gleicht.

Einem Ensemble aus altem Sägewerk, Stadel und zwei Wohnhäusern aus der Zeit um 1860 - und einem Garten nach dem Vorbild des großen Fürst Pückler. Weitläufige Wiesen, geschwungene Wege, Sichtachsen, die sich unvermutet öffnen. Der typisch englische Stil.

Eine Reihe kleiner Fontänen führt von einem der Wohnhäuser zum Gemüsegarten, einem eingezäunten Halbrund mitten auf der Wiese. Hier eine kleine Moorlandschaft, dort ein Alpengarten. Daneben eine Laube, entstanden aus einem früheren Hühnerstall. Auf 16.000 Quadratmetern lebt Friedrich Scheuffele am Rande von Oberbalzheim seinen Traum - zu dem auch Parkgeflügel gehört, Pfauen und Hühner. Und eine Sternwarte mit weißem Kuppeldach und computergesteuertem Fernrohr.

Die Hälfte der Fläche ist intensiv bepflanzt, sein Hauptgarten. Die großen Rasenflächen sind gemäht. Denn: "Das Auge braucht immer etwas Ruhiges", erklärt der Landschaftsarchitekt. Dann stört auch Wildwuchs an den Mäuerchen und in den Steinbeeten nicht. Eine weitere Grundregel des Fachmanns lautet: Das Auge braucht Blickpunkte. Scheuffele hat Skulpturen auf dem Gelände aufgestellt.

Hundert Hausgärten plant Friedrich Scheuffele im Jahr für andere. Ein Drittel davon setzt er auch um. Ab und zu übernimmt er eine Hotelanlage oder einen Auftrag für eine Gemeinde in der Nähe. Eine Ausstellung, die zeigen würde, was alles möglich ist, hat er nicht. Sein privater Garten reicht, um bei Kunden Vertrauen zu schaffen. Anregungen bietet der auch, doch ist vieles in herkömmlichen Hausgärten in Ermangelung ausreichender Flächen gar nicht umzusetzen.

Friedrich Scheuffele ist auf dem Anwesen aufgewachsen, hat die damit verbundenen Freiheiten schätzen gelernt und würde am liebsten als absoluter Selbstversorger leben. Was die Ernährung angeht, gelingt das schon jetzt überwiegend. Beete, Kartoffelacker und Gewächshäuser geben genug her für die Familie und die Mitarbeiter. Fast alle, die in der Säge 1 leben und arbeiten, sind Vegetarier. Was die Energie angeht, so hat Scheuffele drei autarke Quellen: ein Windrad im Garten, ein Wasserkraftwerk am Gießenbach und ein Blockheizkraftwerk. Ans öffentliche Stromnetz ist er dennoch angeschlossen. Weniger um im Notfall Strom zukaufen als überschüssigen Strom einspeisen zu können. Derweil träumt der Ingenieur der Landespflege von akkubetriebenen Gartenbau-Geräten, die er selber aufladen kann.

Die Dürre hat sein riesiges Anwesen gut überstanden. "Wir gießen halt so viel es geht", sagt Scheuffele lapidar. Hauptsächlich den Rasen und die Staudenbeete. Der Kiesboden im Illertal trocknet schnell aus - ein bekanntermaßen gefährdetes Gebiet, im Volksmund fällt schon mal der Begriff "Steppe".

Nun, da die Zeit naht, das Geschäft an die nächste Generation zu übergeben, ist Scheuffele ins "Stüble" umgezogen, also ins kleinere der beiden Wohnhäuser, und damit einem alten Brauch gefolgt. Er macht seinem Sohn Daniel (29) Platz, der sich auch für Landschaftsarchitektur interessiert, einen ähnlichen Berufsweg einschlug und die Verantwortung für den kleinen Betrieb in ein paar Jahren übernehmen soll. Er arbeitet schon mit, außer ihm ein Neffe von Scheuffele und ein Agrar-Ingenieur.

Am Rande bemerkt: Die Dornfelder-Traube, die in einem der Gewächshäuser gedeiht, wird nicht, wie der gemeine Mensch denken würde, zu Wein verarbeitet. Scheuffele keltert Saft daraus - er trinkt keinen Alkohol.