Wain Für Wain mit "Herz und Verstand"

Wain / BEATE REUTER-MANZ 28.02.2015
Es gab Lutherische und Lieblingslieder, und dass seine Abschiedsrede 40 Minuten dauerte, nahm ihm keiner krumm: Der Wainer Bürgermeister ist ganz nach seinem Geschmack verabschiedet worden.

Für einen würdigen Abschied ihres langjährigen Schultes haben sich in Wain viele Helfer ins Zeug gelegt: Der Obst- und Gartenbauverein dekorierte die Gemeindehalle in den Ortsfarben mit roten und weißen Frühlingsblühern und einem gewaltigen Dorfpanorama, das einst Volkhard Held gemalt hat. Eine Kompanie von Feuerwehrmännern und -frauen servierte bald 500 Mal Lutherische, Wienerle und Kartoffelsalat; gut gelaunt spielte der Musikverein auf und der Männergesangverein steuerte mit "Jenseits des Tales" ein Lieblingslied bei. Charmant durch das dreistündige Programm führte die stellvertretende Wainer Bürgermeisterin, Julia Freifrau von Herman, und vier Festredner erinnerten an Höhepunkte und Besonderheiten im Schaffen von Christian Schlenk.

Der dermaßen Gewürdigte zeigte sich am Ende gerührt über so viel Einsatz und Lob - dass er sich für Dank und Rückblick 40 Minuten Zeit ließ, nahm ihm an diesem Abend keiner krumm. Im Gegenteil: Alles andere wäre eine Überraschung gewesen. Nach 24 Jahren kennen die Wainer ihren Schultes. Wie hatte zuvor doch der Biberacher Landrat Dr. Heiko Schmid lakonisch festgestellt: "Gefährlich wird es nur, wenn er sein Manuskript zur Seite legt".

Das tat Christian Schlenk nicht. Aber: "I muss mei Sach oifach sage!" So war es ihm ein Anliegen, seinem Rathaus-Team, den Kreisbehörden, und natürlich seinem Gemeinderat zu danken, auch wenn es dort mitunter turbulent zuging. "Am Ende haben wir aber gemeinsam viel erreicht", zog Schlenk ein Fazit. Er erinnerte an seinen Beginn im Rathaus: "Nichts hat es gegeben, außer Kopierer und Telefon". Das Amtsblatt wurde auf Matrize geschrieben, Briefe auf der Schreibmaschine und gegen Fehler gab es weißes Tipp-Ex. Dass seine große Liebe Wain und seinen Bürgern gilt, daran ließ Schlenk keinen Zweifel. Am Ort interessiere man sich füreinander, gehe gemeinsam Hobbys nach, packe zusammen an, wenn Aufgaben anstünden, zählte er auf, was ihn begeistert. 150 Leute hätten beim Abriss der alten Halle geholfen. Die Hälfte des Innenausbau der neuen Gemeindehalle geschah in Eigenleistung. "Das vergesse ich meinen Wainern nie!" Andererseits war Schlenks Arbeit auch nie ein "nine-to-five-Job", wie Julia Freifrau von Herman betonte. Der Gemeinde habe er sich immer voll verbunden gefühlt, auf jeder Veranstaltung war er präsent. Was die Baronin besonders schätzte an ihm: den herzlichen Humor und das schelmische, Lachen: "Sie haben den Menschen das Gefühl gegeben, wichtig zu sein und gewürdigt zu werden."

Im Gegenzug gab es für Schlenk an diesem Abend auch eine besondere Würdigung: die silberne Ehrennadel des Gemeindetags. An bedeutende Meilensteine in seiner zweieinhalb Jahrzehnte währenden Schaffenszeit mit geschätzten 450 Ratssitzungen und 200 Generalversammlungen erinnerte die zweite Bürgermeisterin Helga Neuhauser. Neben dem Bau der neuen Gemeindehalle gehörten dazu auch eine neue Ortsmitte, Baugebiete, das Instandhalten der eigenen Wasserversorgung und jüngst der Anschluss ans Breitbandnetz.

Genaue Zahlen steuerte der Landrat bei. Demnach wurden in den drei Schlenkschen Amtsperioden 13 Millionen Euro investiert. Wain wuchs in dieser Zeit um 170 Personen. "Andere wären froh, sie könnten den Rückgang stoppen." Die Verschuldung liege zwar noch über dem Landesdurchschnitt, doch habe Schlenk seine Gemeinde mit Herz und Verstand regiert. "Sie haben sichtbare Spuren hinterlassen", lobte Dr. Heiko Schmid.

"Ich habe graue Haare bekommen, er nicht", kommentierte Karl Gerfried Müller das Ende zweier 24-jähriger Schultes-Amtszeiten: die eine in Schwaben, die andere in Arriach in Kärnten. Müller sprach von vielen schönen Begegnungen und engen Freundschaften in einer 40-jährigen Städtepartnerschaft. Für seine Verdienste um die Partnerschaft heftete der Arriacher dem Freund und Noch-Bürgermeister die "Goldene Wappennadel" Kärntens an. Der Nachfolger von Müller wird übrigens am Sonntag gewählt. Es gibt drei Bewerber.

Ernst Eyrich, seit 30 Jahren evangelischer Pfarrer in Wain, hat somit die gesamte Amtszeit Schlenks miterlebt: "Es waren 24 Jahre voller Herzblut". Vieles habe Schlenk zuerst im Herzen bewegt, dann im Geist vervollständigt und schließlich mit Hand fertiggestellt. Kein Beinbruch, wenn nicht alles perfekt gelaufen sei. "Gott bewahre uns vor Perfektion, die entpuppt sich meist als Tyrann", konstatierte der Geistliche. Er appellierte an den Scheidenden, den Abschied als Tor in eine neue Welt zu sehen. "Wer den Abschied zulässt, empfindet große Freiheit."

Weitere Grußworte kamen vom Schwendier Schultes Günther Karremann, der für die umliegenden Bürgermeister das stes kollegiale und freundliche Miteinander lobte. Und von Manfred Preus, der für die elf Vereine im Dorf sprach. Der Vorsitzende des Musikvereins bestätigte Schlenk eine tiefe Verbundenheit zu Mensch und Verein. Zu allen Themen habe Schlenk immer ausführlich Stellung genommen. Preus sagte es am Ende mit Gottschalk: "Alle überzogenen Sendezeiten sind Ihnen hiermit verziehen."

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Ein Eimer voller Glück und ein Bibelwort

Neben guten Wünschen für einen glücklichen Ruhestand brachten die Gäste für Christian Schlenk auch die unterschiedlichsten mit. Einen ganzen Eimer voller Glück, beispielsweise, alte Fotos mit roten Schleifen und mehr. Von der Gemeinde gab es eine Ansicht der Künstlerin Hilde Walcher. Das Bild zeigt Rathaus mit Brunnen. Landrat Dr. Schmid überreichte das Buch "Schatzkammer Oberschwabens" und einen Scheck für die "German doctors". Auf eine Reise schicken die Vereine das Ehepaar Schlenk, Bürgermeister des Umkreises steuern einen Restaurant-Besuch bei. Von Pfarrer Eyrich kam ein Bibelwort aus der Jahreslosung 2015 "Nehmt einander an": Dazu passend "eine wunderbare Illustration" mit Goldrahmen, ein Patchwork-Teppich: bunt und fröhlich.

 

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