Erbach Führerschein fürs Handy

Zum Projekt "Komm spiel mit mir" gehören Seminare mit Fachleuten. Hier - in Dietenheim - spricht Achim Spannagel von der Ulmer Drogenhilfe mit den Jugendlichen über "Chancen und Gefahren des Internets". Foto: Landratsamt
Zum Projekt "Komm spiel mit mir" gehören Seminare mit Fachleuten. Hier - in Dietenheim - spricht Achim Spannagel von der Ulmer Drogenhilfe mit den Jugendlichen über "Chancen und Gefahren des Internets". Foto: Landratsamt
Erbach / FRANZ GLOGGER 19.07.2013
Nach Munderkingen und Dietenheim ist Erbach die nächste Station des Projekts "Komm spiel mit mir". Ziel ist, Kindern und Jugendlichen einen vernünftigen Umgang mit modernen Medien zu vermitteln.

Einen Kopfhörer über die Ohren gestülpt, hantiert der Junge gedankenverloren an seinem Smartphone. "Eigentlich sollte der Junge beim Fußballspielen sein", sagte Kreisjugendpfleger Thomas Laengerer im Erbacher Gemeinderat über dieses Bild. PC, Handy, Spielekonsole, Fernseher - die mediale Welt wird immer umfangreicher und vielschichtiger. Viele Kinder und Jugendliche sind anders nur noch schwer zu erreichen. Dem möchte das Medienprojekt des Kreises "Komm spiel mit mir" entgegensteuern. In Munderkingen hat es begonnen, in Dietenheim wird es demnächst enden. Im Herbst beginnt das Angebot in Erbach.

Ziel sei es nicht, die neuen Medien zu verteufeln, sagte der beim Landratsamt des Alb-Donau-Kreises beschäftigte Laengerer: "Wir können sie nicht unerfunden machen, aber einen kreativen und sinnvollen Umgang damit erlernen." Das sei wie der Führerschein fürs Autofahren. Zwei Jahre lang will das Landratsamt Personal für Projekte bereitstellen. Alle Teilorte kämen dabei zum Zug, betonte der Kreisjugendpfleger. Für die Kommune entstehen dabei keine Kosten.

Ein Ziel sei zum Beispiel die Schulung von Erzieherinnen und Lehrern. "Sie sollen das Projekt weiter betreiben, wenn wir nicht mehr vor Ort sind", sagte Laengerer. Themen seien Missbrauch im Internet, Cyber-Mobbing, rechtliche Fallstricke, aber vor allem auch der sinnvolle Umgang mit den elektronischen Medien. Ein Handy sei zwar zum Telefonieren erfunden worden, könne aber auch wesentlich spannendere Dinge - einen Kurzfilm aufzeichnen zum Beispiel.

Das Landratsamt werde auch selbst Angebote wie die "Movie-nacht" organisieren. Dabei wird in einer Nacht ein Film konzipiert - angefangen mit dem Drehbuch bis zum fertigen Schnitt. Alle Vorhaben würden mit den jeweiligen Interessenten abgesprochen und auf ihren Bedarf ausgerichtet. Erste Gespräche hätten gezeigt, dass großes Interesse besteht. "Da bringt uns Erbach gleich ins Schwitzen", sagte Laengerer. Außer der Arbeit mit Medien sollen den Teilnehmern auch Alternativen dazu aufgezeigt werden: Abende mit Brettspielen, ein Lesecafé und Sportangebote.

Die Gemeinderäte begrüßten das Vorhaben. "Ein sehr positiver Ansatz", sagte Helmut Braun von den Freien Wählern. Ihn interessiere jedoch, wie der Erfolg gemessen werde: "Gibt es dafür eine Formel?" Es sei schon ein Erfolg, wenn ein Jugendlicher sein Handy als Filmgerät nutze, erklärte Ulrike Burgmaier, ebenfalls beim Landratsamt angestellte Sozialpädagogin. Möglich wäre ein Treffen der Beteiligten zum Ende des Projekts, bei dem über den Erfolg diskutiert wird. Dietmar Koch (Freie Wähler) gefällt besonders, dass die Ortsteile gleichberechtigt einbezogen werden. Für Bürgermeister Achim Gaus ist das selbstverständlich: "Wer sich an dem Medienprojekt beteiligen will, bekommt die Gelegenheit."

Info Interessenten können sich

bei Thomas Laengerer oder Ulrike Burgmaier unter Telefon: (0731)1854495 und unter Telefon: (0731) 1854395 oder per E-Mail an thomas.laengerer@alb-donau-kreis.de melden.