Getreide Frühe Ernte sorgt für übervolle Lager

Ganz schön voll, das Lager der Schapfenmühle in Neenstetten. Geschäftsführer Ralph Seibold (rechts) und Lagerhaus-Leiter Hans Mayer sind zufrieden mit der Getreide-Ernte 2018.
Ganz schön voll, das Lager der Schapfenmühle in Neenstetten. Geschäftsführer Ralph Seibold (rechts) und Lagerhaus-Leiter Hans Mayer sind zufrieden mit der Getreide-Ernte 2018. © Foto: Barbara Hinzpeter
Neenstetten / Von Barbara Hinzpeter 09.08.2018

In vielen Regionen Deutschlands klagen die Landwirte über eine schlechte Ernte. Doch im Neenstetter Lager der Ulmer Schapfenmühle quellen die Getreide-Boxen über. Als Hauptgrund dafür nennt Geschäftsführer Ralph Seibold den frühen Beginn der Ernte. „Wir waren dieses Jahr vier Wochen früher dran als sonst.“ Das heißt: Getreide aus dem vergangenen Jahr war noch nicht verarbeitet, als schon die ersten Fuhren der neue Ernte angeliefert wurden. Das führte sogar dazu, dass im Hof des Betriebs im Neenstettener Gewerbegebiet Eisental ein ansehnlicher Getreideberg aufgehäuft wurde. Erst als im Hauptbetrieb in Ulm-Jungingen Lagerkapazitäten frei wurden, verschwand der Berg wieder.

Trotz der seit Wochen anhaltenden Hitze sei die Region Alb-Donau vergleichsweise glimpflich davongekommen, sagt Seibold: „Wir hatten immer mal wieder etwas Regen.“ Außerdem: Die alten Sorten Dinkel und Emmer, auf welche die Schapfenmühle seit einigen Jahren zunehmend setzt, seien genügsam und kommen auch mit weniger Wasser aus. Das ist seit langem bekannt. „Aber dieses Jahr haben wir das extrem bemerkt“, stellt der Geschäftsführer fest.

Seit 1987 schließt die Ulmer Mühle Verträge mit Landwirten, die Dinkel anbauen. Damals und noch etliche Jahre später war die Urweizen-Sorte, weitgehend unbekannt. Seibold erinnert sich, als er 2005 in einer Berliner Bäckerei nach Dinkelbrot fragte und auf völlige Ahnungslosigkeit stieß. Man backe nicht mit Mehl, das Konservierungsstoffe enthalte, bekam er zur Antwort.

Aber auch in der hiesigen Region brauchte es einige Zeit, bis sich das Schwabenkorn durchsetzte. Dabei war gerade die Schwäbische Alb einst Dinkel-Anbaugebiet gewesen. Bis das Spelzgetreide, das im Vergleich zum Weizen als zu wenig ertragreich galt, im Nationalsozialismus verdrängt worden sei. Seibold: „Hitler hat den Dinkel-Anbau verboten.“ Erst in den 1980er Jahren erschien der Dinkel wieder auf der Bildfläche, seit einigen Jahren wächst auch der Emmer wieder auf Äckern der Region. Die Mühle betreibe Pionierarbeit für diese Getreidesorten, sagt Seibold, um die Biodiversität zu erhalten. „Ist eine Sorte einmal ausgestorben, ist sie weg.“

Trotz des zeitweisen Engpasses im Neenstetter Lager bezeichnet der Mühlen-Geschäftsführer die diesjährige Ernte als entspannt: Die Landwirte brauchten während des Dreschens keinen Regen zu fürchten. Die extreme Trockenheit habe dazu geführt, dass keine Auswuchsprobleme aufgetreten seien: Das heißt, die Körner keimten nicht vor dem Dreschen. Das wirkt sich auf die Beschaffenheit des Mehls aus. Die Fallzahl, die Aufschluss über die Backfähigkeit gibt, sei in diesem Jahr besonders hoch. Das fordere wieder die handwerklichen Fähigkeiten der Bäcker, wenn sie Teig mit Mehl aus neuer Ernte machen.

Regionale Lieferanten

Seibold ist 2004 zur Schapfenmühle gekommen und führt seit 2015 die Geschäfte. Vor acht Jahren übernahm der Betrieb die Gebäude des ehemaligen Landhandels Zirn in Neenstetten als zusätzliches Lager. Es wurde 2013 erweitert. Jetzt können dort pro Stunde bis zu 360 Tonnen Getreide angenommen werden, die Gesamtkapazität des Lagers beträgt mehr als 20 000 Tonnen. Im Jahr verarbeitet die Schapfenmühle etwa 100 000 Tonnen Getreide, das überwiegend von Feldern aus der Region zwischen Illertissen und Gerstetten sowie zwischen Günzburg und Merklingen stammt.

Deutschlandweit unterdurchschnittlich

Bilanz Wie ist die Ernte in diesem Jahr gelaufen? Darüber will der Kreisbauernverband Ulm-Ehingen heute Abend bei einer Pressekonferenz Auskunft geben. Für den Deutschen Bauernverband hatte dessen Präsident Joachim Ruckwied bereits vor einem Monat von deutlichen Ertragseinbußen gesprochen. Statt der durchschnittlichen 47,9 Millionen Tonnen Getreide seien in diesem Jahr nur etwa 41 Millionen Tonnen in ganz Deutschland zu erwarten. Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) hat bereits erklärt: „Ich bin sehr besorgt über die Auswirkungen der Dürre, unter der viele Bauern vor allem im Norden und im Osten Deutschlands leiden müssen.“ Zuständig für mögliche Hilfen für die Landwirte sind dem Ministerium zufolge aber die Länder. Nur wenn ein außerwöhnliches Naturereignis wie die Trockenheit ein „nationales Ausmaß“ erreiche, könne der Bund finanzielle Hilfe leisten. Ein aussagekräftiges Bild über die Folgen der Dürre sei aber erst nach der Erntebilanz Ende August möglich.

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