Wain Frohe Erzählungen

Der Wiblinger Chor "Joy of Gospel" mit seinem Gründer und Dirigenten Albrecht Schmid am Klavier.
Der Wiblinger Chor "Joy of Gospel" mit seinem Gründer und Dirigenten Albrecht Schmid am Klavier. © Foto: Kurt Högerle
Wain / KURT HÖGERLE 29.10.2014
Auf den Baumwollfeldern der Südstaaten in den USA entwickelte sich der Gospel. Der Wiblinger Chor "Joy of Gospel" gab gelungene Kostproben davon, sein Leiter Albrecht Schmid erläuterte Hindergründe.

Auf den Hitze flirrenden Baumwollfeldern der US-amerikanischen Südstaatenfarmen mussten versklavte Schwarze tagein, tagaus ihre schwere und eintönige Arbeit verrichten. Unter diesem Extrembedingungen entwickelte sich nicht nur eine uns manchmal fremd anmutende Spiritualität, sondern auch eine besondere Form der Musik, der Gospel. "Gospel, das bedeutet eigentlich good spell, also frohe Erzählung", erklärte Albrecht Schmid ganz zu Beginn des Konzertes am Sonntagnachmittag in der Wainer Michaelskirche. Er ist nicht nur Dirigent des Gospelchors Wiblingen, sondern auch dessen Gründer, musikalischer Leiter, Arrangeur und nicht zuletzt Klavierbegleiter des Ensembles.

Das so leicht und lebenslustig anmutende Liedgut ist mittlerweile auch in der Alten Welt ein Begriff. Aber in den Gospels tauchen immer wieder Begriffe und Bilder auf, die uns heute noch fremd sind: Da ist der "Chariot", der Wagen, auf dem die Toten ins Paradies reisen. Oder der Löwe, der das Tor zum Paradies bewacht. Wie überhaupt der Tod als Erlösung vom Erden- und damit Sklavenleben eine wichtige Rolle spielt. Dies alles und mehr erläuterte Albrecht Schmid in seiner kurzweiligen Konzertmoderation zwischen den einzelnen Titeln. Für das zahlreich erschienene Publikum bot der Dirigent eine einfühlsame Hinführung zum wahren Geist der Gospels, die in vielen Gemeinden in den USA die ganz normale Kirchenmusik ist.

Der Wiblinger Chor "Joy of Gospel" hat sich in den nunmehr fast 30 Jahren seines Bestehens eine gewisse Bekanntheit ersungen, sodass es nicht sehr überraschend war, dass in der Wainer Michaelskirche am vergangenen Sonntag fast keine Sitzplätze frei blieben. Das Programm solle eine Mischung aus Bekanntem und Unbekanntem sein, versprach Albrecht, und das Versprechen löste er ein: Bekannte Gospels standen auf der Titelliste, wie "We are going Down Jordan", mit dem die Les Humphries Singers im Herbst 1971 immerhin auf Platz zwei der Hitparaden stürmten, oder "By the Rivers of Babylon", der einer der größten Hits der Gruppe Boney M wurde. Daneben sangen die übrigens sehr stimmsicheren Chormitglieder selten Gehörtes wie "Jesus be a Fence". In diesem Gospel wird Jesus als Zaun beschrieben, der seine Gemeinde vor allem Feindlichen schützt. "Go Chain down the Lion" wird das Bild aufgegriffen, dass Löwen den Eingang zum Paradies bewachen. Oder "The Gospel Train's Coming", um ein weiteres in Deutschland kaum bekanntes Gospel zu erwähnen, das ebenfalls auf der Liste der Wiblinger stand. Der Gospel Train ist ein Zug, der jederzeit einfahren kann, um dann die Seele eines Verstorbenen in den Himmel zu geleiten. Man solle immer darauf vorbereitet sein, mahnt der Text, in diesen Zug zu steigen.

Die wahre Stärke des Chors ist die Freude seiner Mitglieder am Singen. "Ich liebe Gospelmusik, und sie zu singen noch mehr", begründete Petra Loibl ihr schon zehnjähriges Engagement im Chor. "Wir wollen unsere Begeisterung für Gospels auf die Besucher übertragen." Und da die Sänger am Sonntag besonders gut aufgelegt waren, gab es etwas, was auch in Wain ziemlich selten ist: stehenden Applaus.

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