Was passiert, wenn es mehr als 24 Anmeldungen für die Freie Realschule gibt? Das war am Montag wohl die am häufigsten gestellte Frage bei einem Info-Abend, bei dem sich die neue Schule und ihre Lehrer vorgestellt haben. Der Andrang im alten und auch künftigen Altheimer Schulgebäude in der Lange Straße war riesig. Die Schule in freier Trägerschaft plant eigentlich, mit lediglich einer fünften Klasse - mit maximal 24 Schülern - im Schuljahr 2016/17 zu starten.

"Wir werden nach den Anmeldungen entscheiden, ob es nicht doch vielleicht notwendig ist, mit zwei Klassen zu starten", sagte die künftige Schulleiterin Anja Österreicher. 20 Vormerkungen hat der Schulverein, der gleichzeitig Schulträger ist, bereits verbucht. Für einige der Kinder steht der Wechsel auf eine weiterführende Schule erst in zwei Jahren an. Auch Anfragen von Eltern höherer Klassen gebe es schon: Ob sie nicht ebenfalls nach Altheim wechseln könnten. Da es die höheren Klassen aber noch nicht gibt, muss Österreicher abwinken: "Wir sind entgegen dem Trend keine große Schule, sondern eine kleine Bildungseinrichtung."

Die Schulleiterin in spe stellte gemeinsam mit ihren künftigen Kollegen das Konzept der Schule vor. Unterrichtet wird nach den Vorgaben des Bildungsplans. Neu an diesem sind die Orientierungsklassen in der fünften und sechsten Klasse, in denen auf die individuelle Lern- und Leistungsentwicklung des einzelnen Kindes eingegangen werden soll. Am Ende von Klasse sechs werde erst entschieden, ob der Schüler weiter auf mittlerem Niveau (M) oder dem grundlegenden (G) unterrichtet werden. Neben dem Realschulabschluss am Ende von Klasse zehn, können die Schüler bereits nach der neunten Klasse zudem eine Prüfung für den Hauptschulabschluss ablegen, sagte Österreicher. Dies werde erstmals im Schuljahr 2019/2020 möglich sein. "Und auch darüber hinaus haben wir viele richtig gute Ideen, die wir umsetzen wollen. Das geht an staatlichen Schulen nicht immer so, wie man sich das vorstellt. Hier haben wir mehr Freiheiten."

Die Freie Schule Altheim will bereits ab Klasse fünf mit Firmen zusammenarbeiten. Geplant sind Betriebsbesichtigungen, Ausbildungsbotschafter und einiges mehr. Die Klassenzimmer werden mit Beamern und Computern ausgestattet, und in den Hauptfächern wird der Unterricht durchgehend mit zwei Lehrkräften belegt. Es werde Entwicklungsgespräche mit den Eltern geben, Kennenlern-Tage und drei Mal in der Woche zum Unterrichtsbeginn klassenübergreifenden Sport, in dem sich die Schüler je nach Neigung, eine Sportart aussuchen können. Schulschluss ist täglich nach der sechsten, beziehungsweise siebten Stunde um 13.20 Uhr. "Es gibt bewusst keinen Nachmittagsunterricht, damit die Kinder auch noch Zeit für Freizeit, Vereine und Musik haben", erklärte Lehrerin Bettina Ehringer.

Auch einen neuen Fahrplan wird es ab dem kommenden Schuljahr geben, der zusätzlich zum ÖPNV-Angebot auch die umliegenden Ortschaften anfährt.

Erst vor kurzem hat das Regierungspräsidium Tübingen die Freie Realschule genehmigt, Geld vom Land für deren Betrieb gibt es aber erst nach drei Jahren, dann, wenn die Schule auch anerkannt ist. Bis dahin muss der Schulverein für die Kosten komplett selbst aufkommen. Die Finanzierung sei aber sicher, betonte Österreicher. Das Schulgeld soll als "Starterangebot" im ersten Jahr 100 Euro im Monat betragen. Dann jeweils 150 Euro. "Teurer aber wird es nicht", sagte die Schulleiterin, die den Eltern im Anschluss noch die Räumlichkeiten der Schule zeigte. "Ich bitte Sie aber noch um ein wenig Phantasie", die Modernisierung und Sanierung mit Gesamtkosten von 750 000 Euro ist vom Gemeinderat - die Gebäude sind Eigentum der Kommune - erst kürzlich beschlossen worden. Baubeginn ist Anfang März. Zum Beginn des neuen Schuljahres soll dann alles fertig sein.