Inklusion Franze ist schon immer Teil der Mannschaft

Ein penibler Linienrichter ist er schon, er macht seinen Job an der Seitenlinie des Fußballfeldes aber auch schon seit zig Jahren: Der heute 58 Jahre alte Franz Hornung gehört zum SV Pfaffenhofen wie dessen Vereinsfarben, sagt der Vorsitzende.
Ein penibler Linienrichter ist er schon, er macht seinen Job an der Seitenlinie des Fußballfeldes aber auch schon seit zig Jahren: Der heute 58 Jahre alte Franz Hornung gehört zum SV Pfaffenhofen wie dessen Vereinsfarben, sagt der Vorsitzende. © Foto: . Foto: privat
Pfaffenhofen / Claudia Schäfer 07.06.2018

Generationen von Pfaffenhofener Kickern kennen „den Franze“. Seit mehr als 40 Jahren ist der mit dem Down-Syndrom geborene Mann nicht aus dem Vereinsleben wegzudenken. Er ist bei jedem Auswärts- und Heimspiel des SV Pfaffenhofen dabei, fährt mit ins Trainingslager und hat immer das letzte Wort, sei es bei der Generalversammlung oder nach dem Spiel in der Kabine.

Ein großes Ding hat der Verein nie daraus gemacht, weshalb der SV-Vorsitzende Michael Pintleger fast ein bisschen irritiert ist über die Aufmerksamkeit und die Auszeichnungen, die der Verein für seine gute Inklusionsarbeit derzeit bekommt. Die Geschichte sei doch nichts Besonderes. Pintleger sagt kurz und knapp: „Der Franze gehört zu uns wie die Vereinsfarben.“

Der heute 58-jährige Franz Hornung war noch ein Teenager und lebte mit fünf Geschwistern auf einem Bauernhof in Erbishofen, als er irgendwann bei den Heimspielen der Pfaffenhofer Fußballer auftauchte. Eines Tages, berichtet Pintleger, schnappte sich der junge Mann die Flagge des Linienrichters, übernahm den eher ungeliebten Job am Spielfeldrand und wurde so Teil des Teams. „Mit Inbrunst und Genauigkeit“ sei der Franze bei der Sache, sagt der Vorsitzende, der ein typisch schwäbisches Lob für seinen Vereinskameraden übrig hat: „Der Hundling ist gewieft.“

Da macht es nichts, dass der Franze bei seinen Ansprachen etwas undeutlich spricht und wegen seiner Behinderung nie selbst Fußball spielen konnte. Auf den Mannschaftsfotos steht er als Betreuer dabei. Werden neue Trikots bestellt, „legen die Jungs zusammen, und es gibt auch einen Satz für den Franze“, erzählt Pintleger. So sei es eben unter Sportlern: Man stehe füreinander ein. Und komme mal – was sehr, sehr selten vorkomme – von irgendwem ein dummer Spruch in Richtung Franz, stehe sofort die ganze Mannschaft für ihn ein.

Auch außerhalb des Platzes gehört Franz Hornung zum SV Pfaffenhofen dazu: Als er wegen einer Infektion ins Krankenhaus musste, schaute fast die ganze Fußballmannschaft auf der Quarantänestation vorbei. Und als sich vor einiger Zeit abzeichnete, dass der Franze nach dem Tod eines Bruders nicht mehr ohne Betreuung auf dem elterlichen Hof würde bleiben können, suchte der Verein nach einer Lösung: „Wir haben schon angedacht, ihm eine Wohnung im Vereinsheim einzurichten“, erinnert sich Michael Pintleger.

Doch dann bekam Franz Hornung einen Platz in einem Wohnheim der Lebenshilfe in Senden, wo er in den Werkstätten arbeitet. Der Kontakt zu seinen Pfaffenhofener Fußballern ist deshalb aber nicht abgerissen, der Franze bekommt oft Besuch und wird zu jedem Spiel abgeholt. Wer das übernimmt, ist genau festgelegt: „Es gibt einen Balldienst, einen Trikotdienst und einen Franzedienst“, erklärt Michael Pinteger. Jeder fahre so viele unnötige Kilometer mit dem Auto, da müsse so etwas für einen Kameraden wohl drin sein.

Wenn der Franze nächstes Jahr an Silvester seinen 60. feiert, wird es eine große Party geben, da ist sich der Vereinsvorsitzende jetzt schon sicher. Schon der 50er sei ein tolles Fest gewesen, der Verein habe extra eine große Torte mit dem Schriftzug des SV Pfaffenhofen backen lassen.

Dazu habe der Franze ein Trikot geschenkt bekommen mit der Aufschrift „Kaiser Franz“. Und das passenderweise in den Farben des FC Bayern, schmunzelt Pintleger, der selbst bekennender Anhänger von 1860 München ist: „Das ist Franzes einziges Manko: Er ist Bayern-Fan.“

1110 Mitglieder, 6 Abteilungen

Verein Der SV Pfaffenhofen wurde 1925 gegründet. Der Verein zählt heute knapp 1100 Mitglieder und hat sechs Abteilungen: Fußball, Handball, Badminton, Tischtennis, Turnen und Gymnastik. Vorsitzender ist Michael Pintleger, seine Stellvertreter sind Martin Balleis und Christoph Jung. Die erste Fußball-Mannschaft des Sportvereins spielt in der Kreisliga B/Iller und steht dort derzeit auf Rang 14.

Geschichte Früher kickten die Pfaffenhofener auf einem Sportplatz an der Roth. Seit Ende der 1980er Jahre ist die Sportanlage am Molkereiweg im Norden der Marktgemeinde Heimat des Vereins.

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