Porträt Frankreich-Fan feiert mit Freunden

Sigi Hertler (links) veranstaltet ein französisches Fest für seine Freunde – und alle helfen mit: Nachbar Wolfgram Utz, Citroën-Besitzer Hans-Jörg Martin, Partnerin Tini Wahl und Nachbarin Gundi Utz. Das Bild an der Hauswand gab den Anstoß.
Sigi Hertler (links) veranstaltet ein französisches Fest für seine Freunde – und alle helfen mit: Nachbar Wolfgram Utz, Citroën-Besitzer Hans-Jörg Martin, Partnerin Tini Wahl und Nachbarin Gundi Utz. Das Bild an der Hauswand gab den Anstoß. © Foto: Volkmar Könneke
Herrlingen / Samira Eisele 15.09.2018
Siegfried Hertler hat sein Haus in Herrlingen blau-weiß-rot dekoriert – und feiert ein privates „Französisches Dorf“.

Womit alles angefangen hat, das kann man auf verschiedene Weisen erklären. Mit den Nikolausfesten, die Siegfried Hertler – genannt Sigi – in den vergangenen 16 Jahren für Freunde veranstaltet hat. Mit einem Artikel in der SÜDWEST PRESSE im Sommer des vergangenen Jahres, in dem stand, dass die Kulissen des Französischen Weindorfs in der Friedrichsau nach dessen Aus verkauft werden. Oder mit einem Sechser in Französisch, damals in der Zwölften. Das Ergebnis jedenfalls ist: Sigi Hertler ist Frankreich-Fan und hat an seine Hauswand in Herrlingen ein riesiges Gemälde gehängt, dass eine Szene vor einem Café in Paris zeigt. Und all seine Freunde und Nachbarn eingeladen, mit ihm zu feiern.

Liebe zum Land bei Ausflug entdeckt

Drei Monate hat Sigi Hertler vor 40 Jahren in Frankreich verbracht: Als er wegen der Französisch-Note sitzen blieb, empfahl die Lehrerin den Aufenthalt. „Ich hab’ nichts verstanden“, erinnert sich der 59-Jährige mit einem Gläschen Rosé in der Hand auf der Terrasse hinter seinem Haus. Auch nicht, dass er in einer Weingegend gelandet war: „Da hat man sich noch nichts draus gemacht.“ Doch die Liebe zum Land, zum Essen, zur Lebensart, dem Savoir-vivre eben, brachte er mit nach Hause – und fuhr fortan in den Urlaub nach Frankreich.

Rund zwei Monate im Jahr sei er dort, schätzt Hertler: Die Kurztrips, die er macht, um Freunde zu besuchen und Wein zu kaufen, summieren sich. Den Wein serviert er heute zu Crêpes und Flammkuchen, die Freunde kommen zum Gegenbesuch – genau wie Nachbarn, Studien- und Schulkameraden und sogar ein Cousin aus Kanada.

„Bonjour à Petit Paris“

Die Vorbereitungen auf das Fest laufen seit Wochen: Bestellungen, Bastelarbeiten – Hertlers Partnerin Tini Wahl hat es sogar geschafft, bei Rewe einen Papp-Aufsteller in Form des Eiffelturms zu ergattern, nachdem dieser nicht mehr gebraucht wurde. Vor der Tür steht, als Leihgabe eines Freundes, ein Citroën 2CV, ein Leuchtschild begrüßt Besucher mit der Aufschrift „Bonjour à Petit Paris“, die Trikolore hängt überall und ein selbstgebauter Wegweiser aus Holz zeigt in alle Himmelsrichtungen Entfernungen an – nach Cannes, Paric, Marseille und Antibes.

Die Feste bei Sigi, der sich einen Kiosk auf die Terrasse in den Garten gebaut hat, haben Tradition. Vor allem das Fest am Nikolaustag, das er auch wegen des damaligen Nachbarkinds Natalie Schicht organisierte, brachte immer alle zusammen. Doch der Aufbau in der Kälte wurde Sigi Hertler zu anstrengend, er entschloss sich, das Nikolausfest aufzugeben. Dann kam der Kulissenverkauf und die Idee von Lebensgefährtin Tini Wahl: „Wenn du kein Nikolausfest mehr machst, dann machen wir doch ein Französisches Dorf“.

Spaziergänger fragen nach Café

Fehlen nur noch die Gäste – und die Dunkelheit. Denn die Dekoration wird für das Fest beleuchtet, das Wandbild ist es ohnehin jede Nacht. Das Gemälde, das von der Straße aus zu sehen ist, lockt Spaziergänger an: „Manche fragen, ob die Wirtschaft schon geöffnet hat“, erzählt Tini Wahl, wenn ihr danach sei, lade sie dann auf die Terrasse ein. Doch das Haus bleibt, wie das Fest heute Abend, privat.

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Beliebtes Motiv für Fotos und Gemälde

Le Consulat Das Bild an Sigi Hertlers Hauswand zeigt das Café „Le Consulat“, das im beliebten Viertel Montmartre in Paris liegt. Das schmale Haus mit Markise und Außenbestuhlung ist ein beliebtes Motiv für Fotografen und Maler. Das Bild von Sigi Hertler ist mehrere Meter hoch – zur Montage war ein Gerüst aufgebaut.

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