Moment mal Fortschritt durch Dreck

Ein guter Platz zum Telefonieren: Aushub-Hügel im Jahr 1992.
Ein guter Platz zum Telefonieren: Aushub-Hügel im Jahr 1992. © Foto: Roland Rieger
Samira Eisele 17.05.2018

Dem Dreckhügel wurde an dieser und an anderer Stelle in diesem Blatt schon viel Lob zuteil. Vollkommen zurecht. In Neubaugebieten ist er der beste Spielplatz – er braucht noch nicht mal Geräte dafür. Auch als Landschaftsmerkmal, gar als Sehnsuchtsort kann der Dreckberg herhalten, wie unser Kollege einmal aus seiner Kindheit im Ruhrpott über den mit Schläuchen gespickten Abfallhügel eines Kohlebergwerks berichtete, den er liebevoll „Spaghettiberg“ nannte und später – ebenso wie den Dreck im sehr sauberen Ulm – vermisste. Und Roland Rieger aus Tomerdingen weiß: Bis heute kommt der technische Fortschritt nicht ohne eines aus: Dreck.

Inspiriert von der Funkloch-Serie schilderte er in einer E-Mail folgendes: „Als die Baugrube unseres Einfamilienhauses in Tomerdingen-Süd im Frühjahr 1992 ausgehoben wurde und ausgehoben war, beobachtete ich wiederholt, dass der Capo des Bauunternehmens zum telefonieren auf einen Hügel des Aushubs stieg (...) Ich selbst hatte zu dieser Zeit noch kein Handy und ließ mir vom Capo erklären, dass er nur dort eine sichere Telefonverbindung hätte.“ Später habe der erste Stock des Hauses ähnliche Sicherheit geboten, mit einem anderen Netzbetreiber wurde schließlich sogar die Telefonie im Erdgeschoss möglich. Der technische Fortschritt ist schließlich nicht aufzuhalten. Sollte man meinen. „Anfang 2018 kehrte ich zur Telekom zurück und siehe da, es hat sich nach 26 Jahren nichts geändert!

Gespräche im Erdgeschoss brechen unverändert ab oder es kommt keine Verbindung zustande“, schreibt Roland Rieger. Den Anbieter wechseln will er trotzdem nicht mehr. Auch auf die Aufschüttung eines neuen Dreckhügels im Garten möchte er doch lieber verzichten. Auf Nachfrage sagt er, er habe sich längst daran gewöhnt, zu Beginn des Telefonats überlegen zu müssen, wohin er sich bewegen kann. Seine Mail dient also nicht als ernsthafte Beschwerde, eher als Anekdote. Und uns, der Redaktion mit einem Faible für Dreckhügel, mal wieder als Beweis für deren Nützlichkeit.