Advent Forschungsthema: Immaterielle Wünsche

Verena Rudolph in ihrem Wohnzimmer in Langenau: Rund 50 Teilnehmer hat ihre Online-Umfrage zum Thema „Immaterieller Wunschzettel“ schon. Die Rückmeldungen seien positiv, sagt die Studentin.
Verena Rudolph in ihrem Wohnzimmer in Langenau: Rund 50 Teilnehmer hat ihre Online-Umfrage zum Thema „Immaterieller Wunschzettel“ schon. Die Rückmeldungen seien positiv, sagt die Studentin. © Foto: Volkmar Könneke
Langenau / Von Samira Eisele 01.12.2018
Ein Tag im Schlafanzug und Gesundheit – Verena Rudolph aus Langenau fragt nach Wünschen, die nichts kosten.

Ein Tag im Schlafanzug, ein freies Wochenende mit dem Liebsten, Gesundheit – und obendrein den Weltfrieden. Was wünschen sich Menschen, wenn Geld keine Rolle spielt und auch gar keine spielen darf? Das versucht Verena Rudolph aus Langenau in ihrer Bachelor-Arbeit herauszufinden. Mit einem „immateriellen Wunschzettel“.

Die Idee zu ihrem Forschungsprojekt sei in mehreren Schritten entstanden, erzählt Rudolph: Als sie vor zwei Jahren ihr Studium des Sozialmanagements an der Dualen Hochschule Heidenheim begann, las sie um die Weihnachtszeit eine Kolumne in einer Frauenzeitschrift. Darin ärgerte sich die Autorin darüber, dass auf Partys immer nur die Frage gestellt werde, was jemand (beruflich) macht – und nicht, was sie oder er liest, hört oder interessant findet. Rudolph kam auf die Idee, ihre Familienmitglieder an Weihnachten nach immateriellen Wünschen zu fragen.

Spannend fand sie dabei, dass die Wünsche ihrer beiden Töchter sehr konkret waren – sie wünschten sich zum Beispiel den Tag im Schlafanzug. Rudolphs Vater hingegen wünschte sich Gesundheit – viel abstrakter, auf der Meta-Ebene, wie Rudolph sagt. Ändern sich Wünsche im Laufe des Lebens? Auch diese Frage stellt Rudolph in ihrer Bachelor-Arbeit, die noch eine zweite Inspirationsquelle hat: das Kunstprojekt „Fundbüro 2“ in Zürich im vergangenen Jahr.

In einem Artikel in der SÜDWEST PRESSE hatte die Langenauerin über diese Stelle gelesen, bei der immaterielle Funde und Verluste gemeldet werden konnten – zum Beispiel der Verlust von Zeit. „Was mich daran fasziniert hat: Die Menschen haben das angenommen, kamen und erzählten ihre Geschichten“, sagt die 41-Jährige, die vor ihrem jetzigen Studium in der Modebranche und als Verwaltungsangestellte gearbeitet und ein Kunststudium absolviert hat. Ein ähnliches Kunstprojekt zu stemmen, das traute sie sich jedoch nicht zu – im Gespräch mit ihrem betreuenden Professor entstand die Idee für ihre Abschlussarbeit.

Mit Fragestellung Umdenken erreichen

Drei Wünsche haben die Teilnehmer in der Online-Umfrage frei, wie bei einer guten Fee. Bei der allerdings wären „zwei von drei geäußerten Wünschen wohl materieller Art“, vermutet die Studentin. Mit ihrer Fragestellung möchte sie eine Art Umdenken erreichen, den Fokus vom Materiellen weg und auf persönliche Bedürfnisse lenken – gerade in der hektischen Adventszeit.

Hier geht’s zur Online-Umfrage:

Die Theorie zu ihrer qualitativen Forschungsarbeit stammt aus der Psychologie beziehungsweise der Psychotherapie: Dort wird der Begriff der Ressourcen verwendet, um Kraftquellen zu bezeichnen, die zu Entspannung, Erholung und Stärkung beitragen und in Konflikten und Stresszeiten als „Puffer“ dienen können. „Im besten Fall setzt das an, bevor die Menschen in eine Krise kommen“, erklärt Verena Rudolph. Ihre Umfrage soll auch einen Impuls geben, über die eigenen Ressourcen nachzudenken.

Dass diese Überlegungen erst ansetzen können, wenn körperliche und existenzielle Bedürfnisse erfüllt sind, ist Rudolph klar. „Es ist eine Art von Luxus, sich darüber Gedanken zu machen – aber es sollte möglich sein.“

Die Rückmeldungen seien positiv, sagt Rudolph: „Die meisten sagen so etwas wie: Tolle Idee – da muss ich darüber nachdenken.“ Beim Ausfüllen des Wunschzettels hätten Familienmitglieder, Freunde und Kommilitonen allerdings auch festgestellt, dass die Frage nach den drei Wünschen gar nicht so leicht zu beantworten sei. Bisher haben rund 50 Personen ihre Wünsche anonym an Rudolph weitergeleitet. Wer möchte, kann die Liste seiner immateriellen Wünsche zusätzlich an sich selbst oder andere adressieren. Der Blick auf erste Ergebnisse ist spannend: Die Wünsche reichen vom Verbot von Glyphosat bis zum Essen mit der ganzen Familie zu Hause.

Verena Rudolphs eigener Wunschzettel: 100 bis 150 Teilnehmer an der Umfrage, nach einer Handgelenksverletzung wieder Yoga machen zu können, ein friedliches Weihnachtsfest und – logisch – Weltfrieden. Diesen Wunsch muss in ihrer Umfrage übrigens niemand ausformulieren: Den Weltfrieden gibt es zum Ankreuzen als Bonus-Wunsch. Bisher haben dort alle ihr Häkchen gesetzt.

„Ich freue mich über jeden einzelnen Wunsch“

Tipps „Nicht damit stressen“ ist der wichtigste Tipp, den die Studentin potenziellen Teilnehmern gegen möchte. Die Frage nach den drei Wünschen sei eher „spielerisch“ zu betrachten als zu ernst: Es müssen nicht die drei perfekten Wünsche sein, es gibt kein richtig oder falsch und die kleinen Dinge sind genauso gut wie die großen. Gut sei es, die Frage erst einmal wirken zu lassen – und sich dann mit ein wenig Ruhe an den Online-Fragebogen zu setzen. „Ich freue mich wirklich über jeden einzelnen Wunsch“, sagt Rudolph.

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