Hobby folgt

Mit der Fliegerei in Theorie und Praxis ist Jochen Frieß bestens vertraut.
Mit der Fliegerei in Theorie und Praxis ist Jochen Frieß bestens vertraut. © Foto: sgk
sgk 10.10.2018

Der Laichinger Jochen Frieß ist begeisterter Pilot von Segelflugzeugen sowie Motorseglern, er ist Kunstflieger sowie Erbauer und Pilot von Modellflugzeugen. Doch das Fliegen in all seinen Facetten hält ihn noch in anderer Eigenschaft gefangen: Er moderiert mit großer Leidenschaft Flugsportevents. Dabei punktet der 52-Jährige mit verbaler Spitzfindigkeit und seiner Spontaneität, aber vor allem ist es sein ungemein breites Fachwissen, das beeindruckt. Einerlei ob es modernste Flugzeuge sind, Modelle oder Oldtimer, das Frieß‘sche Wissen scheint allumfassend. Da können 50 Flugzeuge aller Epochen und Arten an einem Flugfest auf dem Flugplatz landen oder auch nur drüber fliegen, Frieß ist nie um Detailwissen oder amüsante Anekdoten verlegen.

Immer Show machen

Und fehlt das Spektakel in der Luft, etwa mangels Thermik, macht er auch mal aus Nichts eine Sensation: „Man muss aus allem eine Show machen.“ So habe er einmal bei einem Flugfest, an dem das Wetter selbst die wenigen Zuschauer in die Halle getrieben habe, alle nach draußen gelockt: „Ich habe eine CD mit dem mörderischen Sound eines Jagdflugzeugs aufgelegt, alles rannte raus und wollte den Flieger sehen, da habe ich dann über dieses Flugzeug moderiert.“ Regenwetter? Für Frieß kein Problem; sich den Jetpiloten schnappen und über Jets plaudern, lautet seine Devise. Jedes Fest ist so zu retten.

Aus all diesen Gründen ist er als Moderator bei befreundeten Flugsportvereinen sehr gefragt. Sein Ruf verhallte selbst bei den alle zwei Jahre stattfindenden Oldtimershows auf dem Flugplatz Hahnweide bei Kirchheim nicht ungehört. Um an die Wurzeln dieses unglaublich umfassenden Wissens zu gelangen, muss man bis in die Kindheit des aus Westerstetten stammenden, gelernten Fotografen zurück gehen: „Seit ich laufen kann, laufe ich den Flugzeugen hinterher“, blickt Frieß zurück. Mit Modellflugzeugen begann er als siebenjähriger Knirps und es kam dem Knaben nur zu Pass, dass der Chef seiner Mutter, der Berufsfotograf Emil Wagner, Jagd- und Modellflieger zu seinem Hobby erkoren hatte. Mit ihm habe er so viel Zeit verbracht, dass der Grundstein zur Fliegerei gelegt war. Wie es das Schicksal wollte, übernahm Wagner 1984 das Fotostudio von Georg Laichinger in Laichingen, der selbst passionierter Fliegerkamerad im Flugsportverein Laichingen war und das Fotostudio einst gegründet hatte. Wie ein Puzzle fügte sich, was zusammengehört: Frieß, der 1980 mit 14 Jahren seine ersten Flugerfahrungen bei der Segelschule in Hornberg bei Schwäbisch Gmünd gemacht hatte, zog mit seiner Mutter nach Laichingen. 1984 machte er bei Emil Wagner seine Ausbildung zum Fotografen – und trat dem Laichinger Flugsportverein als Segelflug- und Motorsegelpilot bei.

1993 begann er seine „Karriere“ als Fluglehrer, erwarb im Laufe der weiteren 18 Jahre nach und nach sämtliche Lehrberechtigungen im Flugsportbereich. Vor allem die Flugerlebnisse sind es, die ihn an seinem Hobby faszinieren: „Es gibt nichts Schöneres, als nach einem anstrengenden Tag eine Runde zu fliegen. Hoch oben in der Luft loszulassen und nach unten sehen, das ist diese dritte Dimension, die man nur als Flieger erlebt.“

Drei Dimensionen

Die Fliegerei hat ihn ebenfalls in drei Dimensionen gepackt: als Pilot von Motor- und Segelfliegern und Kunstflieger. Dann als Erbauer und Pilot von Modellflugzeugen: „Da kann man Flieger bauen, die man sich real niemals leisten kann.“ Vor allem, das kreativ geschaffene Modell tatsächlich in die Luft zu kriegen, das fasziniere ihn. Letztlich hat er als Fan von Flugzeugen aller Art und Epochen immer schon Wissenswertes über die Fliegerei gelesen. „Ich habe über alles gelesen, vom ersten Flug 1896 von Otto Lilienthal und dem ersten Motorflug 1903.“

Dennoch müsse er vor jedem Fest, das er moderiert, seine Hausaufgaben machen, denn ein Dampfplauderer, der nur Halbwahrheiten erzählt, will Frieß nicht sein. „Mittlerweile habe ich Ordner voller Informationen, irgendwann weiß man dann das meiste auswendig.“ Viele seiner Aufträge als Moderator sind über Beziehungen entstanden. Denn für eines stehen die Flieger ganz besonders: „Wir halten zusammen und helfen uns untereinander aus.“

11 400 Starts hingelegt

Jochen Frieß hat seit seinem ersten Start mit einem Fluglehrer im Jahr 1980 insgesamt 11 400 Starts hingelegt und kann auf exakt 3050 Flugstunden zurückblicken. Als Moderator trat er bei Flugfesten in Laichingen und der Hahnweide in Aalen auf, ebenso in Günzburg und Aachen und er moderiert inzwischen auch Modellflugtage. Seine Frau Andrea halte ihm für alle seine fliegerischen Verpflichtungen sowie sein Hobby als Pilot stets den Rücken frei, sagt Frieß. Die jüngere seiner zwei Töchter, die 20-jährige Lara, tritt in seine Fußstapfen und macht derzeit die Segelflugausbildung.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel