Wandern Flüsse, Höhlen, warme Quellen: Von Munderkingen nach Rechtenstein

Munderkingen / MICHAEL JANJANIN, STEFFEN WOLFF 15.07.2015
Wasser, überall Wasser. Die fünfte Tour der Wanderserie führt von Munderkingen nach Rechtenstein - (fast) immer an der Donau entlang. Mit Video, Bildergalerie und GPS-Daten.

An allen Ecken und Enden rund um Munderkingen sprudelt Wasser aus dem Boden. Wenn der Mensch heutzutage den Hahn aufdreht, fließt aus der Leitung dieser simple Stoff, das häufigste Molekül auf diesem Planeten. Wer sich auf eine Wanderung mit Irene Krissler begibt, erfährt die mystische Seite der Natur - weit zurückreichend in die Antike und das Mittelalter. "Es sind die Geschichten über Orte und Menschen, die eine Wanderung bereichern", sagt die Wanderführerin. Sie hat die Tour von Munderkingen nach Rechtenstein entworfen. Der Reiz ist die Donauschleife mit ihren Wiesen und Äckern. Die Albkante mit ihren Höhlen, Magerwiesen, auf denen seltene Blumen und Kräuter wachsen, und schmalen Pfaden. Und die Bäche - Zuflüsse für die Donau, die dort noch ein schmaler Fluss ist, der bei Hochwasser auch die Wanderwege fluten kann.

Die Tour beginnt am Munderkinger Bahnhof - Irene Krissler empfiehlt auf jeden Fall einen Abstecher in die alte, reiche Stadt in der Flussschleife. "Als Appetizer für die Gegend, die über Jahrhunderte Teil von Vorderösterreich war." Und ein Handelszentrum. "Bis in die Neuzeit um 1980 hat es noch Viehmärkte hier gegeben." Vieles ist renoviert, "ein Spaziergang, der sich lohnt". Zurück auf die Wanderroute geht es über die Donaubrücke am Schwimmstein vorbei, einer Felsnase, die in den Fluss ragt und ursprünglich Schwemmstein hieß. "Früher sind die jungen Leute von dort aus in den Fluss gesprungen." Zur Zeit der Viehmärkte war neben dem Stein eine Pferdeschwemme - dort wurden die Pferde ins Wasser geführt, gewaschen, getränkt und im Sommer gekühlt. Aus Munderkingen heraus geht es an der Nordflanke der Donau in Richtung Frauenbergkirche. "Ein Ort, der schon für die Alemannen ein Quellheiligtum war", erzählt Krissler, während sich die Straße am Kreuzweg entlangschlängelt. Er endet an der Frauenbergkirche. Auch dazu gibt es eine Geschichte: Ein Bauer hat dort im Mittelalter ein Marienbild gefunden. Er nahm es zu sich nach Hause. "Doch Maria wollte zurück aufs Feld" - und der Sage nach an dieser einen Stelle verehrt werden. Vernünftig, dass dort auch eine Kapelle entstand, der Grundstock für die heutige Frauenbergkirche. "Das Einsiedlerhaus an der Kirche steht ebenfalls noch."

Doch es geht noch sagenhafter westlich von Munderkingen: Im Kirchenraum ist ein Bild mit einer scheinbar schwangeren Frau zu sehen, die auf ein Feld voller Schlangen zeigt. Der Überlieferung nach ist die Frau - die "Ronda von Munderkingen" - nicht schwanger, sondern hatte aus der Quelle Schlangenlaich zu sich genommen. Und war davon rund geworden. Erst nach langem Beten gelang es, den Körper der Frau von den Schlangen zu befreien. "Die Quellen sind da unterschiedlich - 54 oder gar 62 sollen es gewesen sein", erzählt Irene Krissler. Doch die Geschichte geht noch weiter: "Die Leute fanden eine sechs Meter lange Schlange am Grund des Brunnens" - und verschlossen ihn mit einer Haube. Das kleine Gebäude mit barockem Dach steht auf der Wiese neben der Kirche.

Mit dem Eindruck des Ausblicks auf Munderkingen und dem Unbehagen der Sage um die "Ronda von Munderkingen" geht es ein Stück zurück auf der Marchtaler Straße bis zu einem nach rechts abzweigenden Hohlweg. Von diesem aus ist über ein Treppchen und einen Trampelpfad ein Stich zur Ventura-Quelle in einem kleinen Waldstück möglich - "auch dies war für die Alemannen früher ein mystischer Ort", erzählt Krissler. Und wer genügend Mücken-Abwehrspray dabei hat, wird spüren warum: Aus einem Felsen entspringt ein kleiner Bach, umringt von großem, altem Baumbestand, durch den die Sonne dünne Strahlen schickt. Ein Schluck von dem Wasser soll bei Augenleiden helfen - heißt es.

Die nächste Quelle liegt in der Wegschleife auf einer Wiese südlich des Dorfes Algershofen. "Ende des 19.Jahrhunderts wollte der Rosenwirt die warmen Quellen als Heilbad einrichten", erzählt Krissler. Das Wasser soll gegen Schrunden und Hautkrankheiten helfen. Inzwischen gibt es auch wieder ein Badehaus mit Einstieg in den See. Heute baden dort aber hauptsächlich Schildkröten, die an den nachgelagerten Weihern leben. Durchs Dorf und an der Donau entlang geht es in Richtung Untermarchtal. In einem kleinen Waldstück über dem Fluss öffnet sich der Blick auf die dortige Klosteranlage des Ordens der Barmherzigen Schwestern - einem ehemaligen Schloss. An einem späteren Abzweig vom Donautal geht es wieder um den Orden: Das E-Werk, das Strom aus Wasserkraft für die Barmherzigen Schwestern liefert, zweigt Wasser über ein Tunnelsystem aus der Lauter ab. Von dort führt Irene Krissler auf steilen Pfaden auf die Alb, um sanft absteigend wieder an die Donau zu kommen. Nach Rechtenstein - zu weiteren Geschichten. Über die Geisterhöhle und die Burg der alten Familie von Stain. Zu erzählen unter der großen Buche im Biergarten der Bahnhofsgaststätte.


Die GPS-Informationen der vorgestellten Wanderung stehen hier zum Download zur freien Verfügung. Anschließend lassen sich die Daten zum Nachwandern auf ein GPS-Gerät speichern.

Im Video erklärt Tourguide Irene Krissler Details zur vorgestellten Wanderung: