Charlotte Stöferle hat eine klare Vorstellung davon, wie sie ihren Blumenstrauß binden möchte: Trockene Gräser und Zweige sollen den noch regierenden Winter symbolisieren, Naturgrün sowie Freesien, Anemonen, Alstroemerien und Strandflieder – ausschließlich in Rotorange- und Blautönen – auf das kommende Frühjahr hinweisen. Als die 21-Jährige beginnt, die auf dem Tisch bereitstehenden Materialien um die zentrale, lachsfarbene Rose zusammenzustellen, ist es ihr „etwas komisch“ zumute, schildert sie später: Ständig schauen ihr Leute auf die Finger und auf den entstehenden Strauß. Nach einigen Minuten verfliegt das flaue Gefühl und sie hat nur noch das Gebinde im Blick.

Das große Interesse an der Arbeit von Charlotte Stöferle hat zwei Gründe. Zum einen legt sie die praktische Prüfung als Floristin ab. Zum anderen ist die 21-Jährige dieses Jahr die einzige Kandidatin bei der von der IHK Ulm ausgerichteten Winterprüfung. Wem also sonst sollten die Prüfer auf die Finger schauen.

Charlotte Stöferle kommt aus Dellmensingen. Nach der Realschule wechselte sie auf die Ferdinand-von-Steinbeis-Schule in Ulm und machte das Abitur. Obschon ihre Eltern eine mittelständische Gärtnerei in der dritten Generation betreiben, war es nicht selbstverständlich, dass sie Floristin wird. „Meine Eltern haben mir völlig freie Hand gelassen.“ Als dann aber eine Entscheidung anstand war nur eines für sie  klar: „Ich will keine Theorie mehr, sondern etwas Praktisches arbeiten, Kontakt zu Leuten haben und im Team arbeiten.“ Mit gut einem halben Dutzend Praktika lotete sie aus, was zu ihr passt. Nach dem Hineinschnuppern in Berufe wie Mediengestalterin, Bauzeichnerin und Erzieherin stand der Entschluss fest: „Naturwerkstoffe sind der richtige Umgang für mich. Als Floristin habe ich direkten Kontakt zum Kunden und halte am Ende das fertige Produkt in den Händen.“

Da die Familie Stöferle gern über den Tellerrand hinausschaut, ging es zur Ausbildung in einen auf Floristik spezialisierten Betrieb nach Friedrichshafen. Echte Zweifel hatte Charlotte nie, trotz „harter Zeiten“ an Tagen wie Weihnachten oder eben am Valentinstag. Wenn man danach Revue passieren lasse, was man geschafft hat, sei man „richtig zufrieden“.

Der Beruf sei viel mehr als „ein paar Blumen zusammenstecken“, sagt Charlotte Stöferle. Da gehe es außerdem um handwerkliche Fähigkeiten, Ware einkaufen, kalkulieren, gestalten und nicht zuletzt natürlich auch darum, die handgefertigten Produkte an den Kunden bringen.

Ein Höhepunkt in ihrem bisherigen Berufsleben war für Stöferle, als der erste Kunde nur von ihr seinen Strauß gebunden haben wollte. Aber langweilig werde es auch sonst nie während der Ausbildung, etwa mit dem jährlich stattfindenden Fleurop-Azubi-Cup oder der Einladung zum Rosenfest nach Barcelona, wo sie mit Kolleginnen ein kunstvolles Groß-Arrangement gestaltet.

Nach der gemeisterten Prüfung in der vergangenen Woche gönnt sich die frisch gebackene Floristin nun aber erst einmal einige Wochen Pause. Sie freut sich auf die Zeit mit ihrer Familie und das ausgiebige Training als Mitglied der DLRG. Danach möchte Charlotte Stöferle in einen neuen Betrieb gehen, um weiter zu lernen und etwa Gestalterin für Blumenkunst zu werden. „Es gibt ja so viele Möglichkeiten.“

Der Tag der Liebenden


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