Die Fliegergruppe Blaubeuren hatte wieder einmal das Wetterglück auf ihrer Seite. Trotz schlechter Prognosen konnte der Verein gestern fast das gesamte Programm seines Flugplatzfests durchziehen. Am Himmel über Sonderbuch boten Segel- und Motorflugzeuge, Modellflugzeuge, Drachenflieger und Fallschirmspringer ein buntes Spektakel.

Gespannt blickten die zahlreichen Besucher nach oben, wenn sich wieder eine Maschine im Landeanflug näherte oder Kunstflugfiguren in den Himmel malte. Das Fliegen ist zwar immer noch eher eine Männerdomäne, in Sonderbuch zeigten aber gleich zwei Frauen, dass das nicht so bleiben muss. Davi Held aus Günzburg und Petra Unger aus Leutkirch bewiesen mit ihren Maschinen, was sie in Sachen Kunstflug draufhaben.

Petra Unger flog anfangs bei Freunden mit, bis sie vom Flugfieber gepackt wurde. Sie hat dann den Kunstflugschein gemacht und sich schon zwei Jahre später ein eigenes Flugzeug gekauft, eine Pitts S1S aus dem Jahr 1976: Ein roter Doppeldecker, mit dem sie auch in Sonderbuch Rollen, Turns und Loopings zeigte. Um Kunstflug geht es auch bei Johann Britsch, dem in der Region bestens bekannten „fliegenden Gastwirt aus Finningen“. Klein, laut und schnell ist seine 360 PS starke Pitts Spezial. Viel Rauch und Lärm – die Aufmerksamkeit der Zuschauer für seine waghalsigen Figuren waren Britsch sicher. Der 60-Jährige hat erst im Juni die internationalen bayerischen Meisterschaften im Kunstflug gewonnen.

Leise dagegen glitten Tobias Vollmer mit dem Nurflügler AV 36 und Thomas Vöhringer mit der Lo 100, beide von der Blaubeurer Fliegergruppe, bei ihren Segelkunstflugvorführungen durch die Lüfte. Zum ersten Mal nach Blaubeuren gekommen war Mathias Vöst aus Landsberg/Lech mit seiner Minimoa. Das Original des Segelflugzeugs wurde im Jahr 1936 gebaut. Schreinermeister und Flieger Vöst hat es nachgebaut. Die Baupläne habe er sich bei einem englischen Oldtimerclub besorgt, erzählte er. Allerdings waren die Pläne nicht vollständig, daher habe es zunächst Probleme mit der Genehmigung durch das Luftfahrtbundesamt gegeben. Letztlich hat es aber doch geklappt, und nach zehn Jahren des Werkelns konnte Vöst mit seiner Minimoa abheben.

Kleiner, aber nicht unbedingt langsamer als die großen Flieger sind die Modellflugzeuge, die beim Flugplatzfest zu sehen waren. Für ein buntes Bild am Himmel sorgten die Fallschirmspringer. Wer wollte, konnte einen Rundflug mitmachen und die Welt um Blaubeuren von oben betrachten. Für Familie Langhagen aus Ulm zum Beispiel war es ein gelungener Tag in Sonderbuch: „Ein abwechslungsreiches Programm, die Kinder hatten immer was zu schauen, und es gab gutes Essen.“ Was will man mehr? Im nächsten Jahr selber mitfliegen, wünscht sich jedenfalls der sechsjährige Finn.