Unternehmen Fernseh-Florist kehrt Langenau den Rücken

Noch bis Anfang April steht Stefan Göttle in seinem Laden in Langenau. Dann widmet er sich neuen Aufgaben.
Noch bis Anfang April steht Stefan Göttle in seinem Laden in Langenau. Dann widmet er sich neuen Aufgaben. © Foto: Oliver Heider
Langenau / Oliver Heider 14.02.2018

Langenau wird im April um ein Stück Tradition ärmer. Dann wird es nach 56 Jahren in der Hindenburgstraße keinen Blumenladen mehr geben. Stefan Göttle schließt sein Floristik-Fachgeschäft – 17 Jahre, nachdem er es von Inge Käppeler übernommen hatte.

Wie Göttle erklärt, befindet sich die Branche in einem tiefgreifenden Wandel. „Wir haben damit zu kämpfen, den Umsatz zu halten“, sagt der 47-Jährige. Groß sei die Konkurrenz geworden. Durch das Internet, Bau- und Supermärkte. Letztere könnten Blumen zu Preisen verkaufen, zu denen er nicht einmal einkaufen könne. Grabschmuck sei immer weniger gefragt, das traute Heim immer schlichter gestaltet. So rechnet auch der Floristenverband damit, dass 50 bis 70 Prozent aller Betriebe in Göttles Größe in den kommenden zehn Jahren dichtmachen. Wohl auch in Langenau und Umgebung, wo es – noch – einige Anbieter gibt.

Dass der Laden „Stephane – Floristik und Ambiente“ in den gemieteten Räumen bald Geschichte ist, hängt aber auch mit dem Umstand – den er verstehen könne – zusammen, dass das Gebäude verkauft werden soll. Zukunft: ungewiss. Gleiches gelte für die Arbeitskräfte von morgen. „Es gibt keinen Nachwuchs mehr.“ Gründe: unattraktive Arbeitszeiten, geringe Bezahlung. „Ich will den Beruf niemandem mehr empfehlen, wenn er es nicht aus tiefstem Inneren macht“, sagt Göttle. Selbst als Floristmeister, wie er es ist, sei es schwer, den Lebensunterhalt zu verdienen.

Persönlich wolle er sich aber nicht beklagen, betont Göttle, legte er doch eine steile Karriere hin: 2012 wurde er Deutscher Vizemeister der Floristen (siehe Infokasten). Ein Türöffner. Fortan war er in der Fachpresse präsent, gab Seminare, präsentierte Waren bei „Bühnenshows“ vor bis zu 1200 Zuschauern. Nicht nur das: Auch über die Fernsehgeräte flimmert Göttle regelmäßig – im „ARD-Buffet“, das ihn als „unseren Floristen“ bezeichnet.

Doch gerade die TV-Präsenz habe auch negative Seiten. So seien manche Langenauer abgeschreckt worden, weil sie höhere Preise erwarteten. Was laut Göttle nicht der Fall war. Und: „Ich hoffe auch, dass ich mich nicht verändert habe.“ Auch wenn ihn so mancher auf ein Treppchen heben wolle: „Man darf sich nicht einmal als Z-Sternchen sehen.“

So paradox es klingt: Neben fehlenden Parkplätzen vorm Haus und vielen Baustellen in der Innenstadt in den vergangenen Jahren hat auch der Erfolg dazu geführt, dass Göttle den Laden aufgibt. Durch seine „freischaffenden Tätigkeiten“ für Firmen, die ihn für Produktentwicklungen, Personalschulungen und  Präsentationen engagieren, sei er „mehr als die Hälfte des Jahres“ nicht im Laden. Das habe zwar funktioniert, weil er vier zuverlässige Angestellte habe („wir sind ein Team“). Einzig: Das Privatleben blieb aufgrund der Mehrfachbelastung auf der Strecke.

Das soll sich ändern. Künftig will Göttle auch die Städte besser kennenlernen, in denen er Aufträge hat. Die liegen überwiegend in Deutschland, Österreich, der Schweiz. Auch in Brasilien hat er zu tun. Mit dem dortigen Verband entwickelt er ein Konzept, wie die Floristik künftig gelehrt werden soll. Dies vor dem Hintergrund, dass die Brasilianer kein Lehr- und Schulsystem wie in Deutschland kennen. Ziel sei es, etwas Neues zu entwerfen, das zu dem Land passt. Dabei sieht Göttle durchaus auch die Entwicklung in Europa hin zu einer kunstvollen Floristik kritisch: „Sie will sich auf ein Niveau heben, das am Endkunden vorbeigeht.“

Göttle will nun „in der grünen Branche“ neue Trends finden, Produkte designen und vorstellen, Personal schulen. Weil er – trotz aller Skepsis – mithelfen möchte, die „Blume als Kulturgut“ zu erhalten. Seine vier Angestellten indes haben teils neue Jobs in Aussicht, teils andere Pläne für die Zukunft, sagt Göttle.

Der 47-Jährige, der in Kötz lebt, wird sich bis Ostern mit Rabatt­aktionen von seinen Stammkunden verabschieden. Einer davon kam jede Woche, um der Ehefrau eine Rose zu kaufen. Nicht nur er wird Göttle vermissen: „Ein bisschen Wehmut kommt schon auf, wenn ich nicht mehr in den Laden reinschauen kann“, sagt Inge Käppeler. Die eingefleischte Langenauerin hatte 1942 dort, wo heute das Gesundheitszentrum steht, eine Gärtnerei und 1962 dann den Blumen-, Obst- und Gemüseladen in der Stadt eröffnet.

Den Konkurrenten  wie „Blumen Florales“ und dem Pflanzen-Markt Mauchart wünscht Göttle, dass die Langenauer sie unterstützen. Ansonsten werde es den Einzelhandel so, wie er heute ist, künftig nicht mehr geben.

Deutscher Vizemeister der Floristen

Vita Stefan Göttle, der in Günzburg aufgewachsen war, machte zunächst eine Ausbildung zum Bankkaufmann, um danach den Beruf des Floristen zu lernen. Das Geschäft in Langenau führt er seit 2001. Seinen Floristmeister machte er knapp zehn Jahre später. 2012 wurde er Landesmeister der Floristen in Baden-Württemberg und kurz darauf Deutscher Vizemeister.

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