Geschichte Feldhütte: Zufluchtsort für Mensch und Tier

Merklingen / Joachim Striebel 22.08.2018
Die Merklinger Interessengemeinschaft für Geschichte und Brauchtum saniert eine Feldhütte von 1909.

Feldhütten waren früher wichtig für die Bauern: Wurde weit weg vom Ort auf dem Feld oder auf der Wiese gearbeitet, war es gut, für die Zugtiere einen schattigen Unterstand zu haben und für Mensch und Tier einen Zufluchtsort bei Gewittern. Jakob Salzmann von der „Interessengemeinschaft für Geschichte und Brauchtum Merklingen“ (IGM) hat es selbst noch erlebt. „Man hat sich beinahe gefreut auf ein Unwetter.“ Denn dann nahmen die Bauern und ihre Helfer Platz auf den einfachen Holzbänken der Feldhütte und kamen miteinander ins Gespräch. „Das war so ähnlich wie beim täglichen Treffpunkt an der Molke“, berichtet Salzmann. Unter seiner Regie haben jetzt versierte Handwerker aus Merklingen die „Betza Hütte“ saniert. Sie liegt, in Richtung Widderstall, rund dreieinhalb Kilometer von Merklingen entfernt. Das sei mit dem Kuh- oder Pferdefuhrwerk schon eine lange Strecke gewesen, meinen Georg Fink und Georg Wörz, die gestern letzte Hand angelegt haben.

Jahreszahl 1909 entdeckt

Die einst von Hannes Betz erbaute Hütte drohte zu verfallen. Wie alt sie genau ist, steht nicht fest. „Die älteste Jahreszahl, die wir gefunden haben, ist 1909“, erzählt Jakob Salzmann. Unterlagen für eine Baugenehmigung gibt es nicht, da habe es damals wohl nur mündliche Absprachen gegeben, vermutet Salzmann. Er hält es für wichtig, Feldhütten als Zeugen der Geschichte zu erhalten. „Sie gehören zu unserer Alblandschaft.“

In den hölzernen Hütten wurden Gerätschaften gelagert. In der „Betza Hütte“ fanden die Männer noch einen Leiterwagen und ein Wägelchen einer Mosterei, auf der ein liegendes Fass transportiert werden konnte. In einer anderen Hütte nebenan sind sogar noch Futtertröge an der Wand befestigt.

Dankbar für die Hilfe

Mit der Sanierung der ausgewählten Feldhütte, die einem Landwirt gehört, der auch die Materialkosten übernimmt, will die IGM ein Beispiel geben: „Wir wollen zeigen, wie’s geht“, sagt Salzmann. 350 Stunden haben er und seine 25 Mitstreiter aufgewendet. Sie haben Gebüsch rund um die Hütte entfernt, Fundamentsteine verfugt, schadhafte Balken und Dachsparren ergänzt oder ausgetauscht und, wo es nötig war, neue Außenbretter angebracht. Salzmann, selbst Beton-Fachmann, ist dankbar für die Hilfe von versierten Experten wie Georg Fink (Zimmermeister), Georg Wörz (Zimmerer), Gerhard Fuchs (Maurer) und etlichen anderen Rentnern, die sich für die Sache gewinnen ließen. „Das ist einwandfreie handwerkliche Arbeit“, sagt Salzmann und zeigt auf eine Schwalbenschwanz-Verbindung von zwei Hölzern, die ohne Schraube hält.

Künftig darf die „Betza Hütte“ von Wanderern und Radfahrern als Unterstand genutzt werden. Wer die Holzwände im Innern genau anschaut, entdeckt auf dem Holz Sprüche von Schäfern. So schreibt am 22. März 1922 ein Schäfer von nasskaltem Wetter und fügt an: „Gute Nacht. Schlafe hier wohl.“

Vor zwanzig Jahren 52 Feldhütten gezählt

Verschwunden Vor zwanzig Jahren hat die „Interessengemeinschaft für Geschichte und Brauchtum“ (IGM) alle Feldhütten auf Merklinger Gebiet erfasst und sie mit den dazugehörenden Parzell-Nummern kartiert. Damals kam die IGM auf 52 Gebäude. „Ein Drittel fehlt“, schätzt Jakob Salzmann. Manche sind eingefallen, andere standen nach der Flurbereinigung nicht mehr an einem Feldweg, sondern mitten in der Wiese. Weil sie störten, wurden sie entfernt. Die IGM ruft dazu auf, Feldhütten zu erhalten.

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